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Einheitliches Erscheinungsbild gefordert

Liberale Basis mit FDP unzufrieden

Hameln-Pyrmont (HW). Wäre kommenden Sonntag Bundestagswahl, zöge die FDP nicht mehr in den Berliner Reichstag ein, sondern scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Nur noch vier Prozent der Deutschen würden ihr Kreuzchen hinter den Liberalen setzen, ermittelte gestern die aktuelle Forsa-Umfrage. Damit hat die von Außenminister Guido Westerwelle geführte Koalitionspartei einen dramatischen Einbruch hinnehmen müssen, denn noch im Oktober des vergangenen Jahres wusste die FDP beachtliche 14,6 Prozent der Wähler hinter sich.

veröffentlicht am 07.07.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 08.07.2010 um 09:15 Uhr

Das Erscheinungsbild der Bundespartei und der damit einhergehende Sympathieverlust sorgen nun auch für ein Rumoren an der Basis. Führende FDP-Politiker in Hameln-Pyrmont gehen auf Distanz zu Parteichef Westerwelle. „Der soll sich um die Partei und die Außenpolitik kümmern und ansonsten die Leute in Ruhe lassen“, sagt Karl-Heinz Biermann. Der stellvertretende Vorsitzende des FDP-Stadtverbandes Hameln ist jedoch überzeugt, dass es bei den Liberalen zu keinem Putschversuch wie einst beim Wechsel von Wolfgang Gerhardt zu Westerwelle kommen wird, und glaubt zudem, dass die Umfragewerte der FDP bald wieder steigen werden. Jedoch räumt er auch ein: „Das Zusammenspiel der drei Regierungsparteien muss besser werden. Die CSU sollte sich endlich darauf besinnen, dass sie das Koalitionspapier mit unterschrieben hat.“

Von „Kommunikationsproblemen“ spricht FDP-Kreisvorsitzende Martina Tigges-Friedrichs, die keine Alternative zu Westerwelle sieht. „Er hat uns bei der Bundestagswahl zu den 14,6 Prozent geführt“, sagt die Pyrmonterin, die sich im Herbst 2009 selbst um ein Bundestagsmandat beworben hatte. Dass Westerwelle die FDP aber auch zu den aktuellen vier Prozent geführt hat, ist für Tigges-Friedrichs kein Grund zum Hadern: „Vieles ist sicher den Bach runtergegangen. Die FDP steht aber weiter für Steuergerechtigkeit und -vereinfachung. Es muss sich nur einspielen, dann steigen auch die Umfragewerte wieder.“

Da geht Heinrich Fockenbrock schon geharnischter mit den Liberalen ins Gericht: „Die FDP hat handwerklich nicht das umgesetzt, was wir erwartet haben. Der Bürger fordert jetzt zurecht ein konkretes Handeln“, meint der Vorsitzende der FDP-Kreistagsfraktion und berichtet, dass der FDP-Kreisverband bereits einen Brief an übergeordnete Parteigremien verfasst und um ein „einheitliches Erscheinungsbild“ gebeten habe. „Intern hat es schon gehörig Druck gegeben“, berichtet Fockenbrock, der aber ebenfalls an Westerwelle als Parteichef festhalten will.

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Martina Tigges-Friedrichs

Von einem „sehr betrüblichen und erschreckenden Bild“ spricht Hans Wilhelm Güsgen. „Wir hätten uns nicht nur auf das Thema Steuersenkungen konzentrieren sollen“, bemängelt der FDP-Fraktionschef in Hamelner Rat und fügt hinzu: „Ich bin seit 34 Jahren in der FDP, es kommen auch wieder bessere Zeiten und ich werde notfalls der Letzte sein, der die liberale Fahne hochhält.“




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