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Im Mordprozess gegen Uwe K. werden erneut Telefonate vorgespielt

Liebesschwüre am Telefon

veröffentlicht am 08.09.2016 um 15:52 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:10 Uhr

Die Verteidiger stellen Beweisanträge, über die das Bückeburger Schwurgericht dann berät, um den größten Teil abzulehnen. In den Beschlüssen hieß wiederholt, dass die Anträge „auch zum Zwecke der Prozessverschleppung gestellt“ worden seien. Die Anwälte weisen dies zurück und erinnern daran, dass sie ihren Urlaub verlegt hätten, um den Zeitplan nicht zu strapazieren.

Am jüngsten Verhandlungstag, es war der 26., ist das Gericht einem Beweisantrag nachgegangen und hat damit begonnen, 17 abgehörte Telefonate zwischen K. und seiner damaligen Geliebten vorspielen zu lassen, die das Pärchen nach dem Tod von Ines K. geführt hat. Vor allem will die Verteidigung beweisen, dass es sich um „ungestellte, natürliche Gespräche“ handelt. Der Inhalt wird von Staatsanwaltschaft und Verteidigung oft unterschiedlich beurteilt. Andere Telefonate waren bereits im Juni vorgespielt worden – damals auf Antrag von Oberstaatsanwalt Frank Hirt.

Am 27. Mai 2015 will die Geliebte gesehen haben, wie Uwe K. in einem Zwischentrakt des Wohn- und Geschäftshauses auf seine Frau einschlug. In den Telefonaten ist davon jedoch nie die Rede. Die Ex-Geliebte behauptet, dass die Gespräche gestellt waren, um Uwe K. ein Alibi zu verschaffen. Der Mordverdächtige soll vermutet haben, dass die Polizei zuhört.

In vielen Gesprächen ist zu hören, wie sich K. von seiner Geliebten über deren Vernehmungen berichten lässt, um der Frau Verhaltenstipps zu geben. Häufig sprechen beide auch über Belangloses. So erzählt die Frau, dass der Kühler ihres Autos Wasser verliert.

Manchmal fließen auch Tränen. „Ich bin nur noch am rumheulen, ich kann nicht mehr“, klagt die Frau aus Hannover in solchen Momenten, verbunden mit dem Geständnis: „Ich liebe Dich so sehr.“ Uwe K. erwidert die Liebeserklärung: „Du fehlst mir so.“ Beim Anhören dieser und anderer Telefonate wird zumindest für Verteidiger Dirk Baumann „überdeutlich, dass es sich nicht um gestellte Gespräche handele. „Von Angst höre ich da nichts“, so Baumann. An anderen Stellen beklagt sich Uwe K. über die Ermittler: „Fix und fertig, Tod der Frau – und dann sollst Du noch vernünftig eine Aussage machen. Egal, was ich gesagt habe – es wurde immer alles gegen mich verwendet.“

Begonnen hat der Prozess im März. Aus Sicht des Gerichts könnte die Beweisaufnahme beendet werden, um die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage zu hören. Stattdessen folgten reihenweise neue Beweisanträge. Die meisten sollen dazu dienen, die Glaubwürdigkeit der Ex-Geliebten zu erschüttern.

Bereits im März hatte das Gericht in einem ablehnenden Beschluss zu einer Haftbeschwerde des Angeklagten mitgeteilt, dass sich der dringende Tatverdacht gegen Uwe K. neuerdings auch auf die belastende Aussage der Frau stützt. Der Prozess wird heut, Freitag, fortgesetzt. ly




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