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Ensemble „Die Dresdner Stadtpfeifer“ gewährt Einblick in die Musik zur Zeit Martin Luthers

Lieder der Reformation in alten Gewändern

Bückeburg (mig). Einen authentischen Einblick in die Musik der Reformation hat das Ensemble „Die Dresdner Stadtpfeifer“ seinem Publikum gewährt. In dem Thema zeitlich angepassten Kostümen brachten die Ensemble-Mitglieder Lieder von Martin Luther, Heinrich Schütz oder Melchior Vulpius zu Gehör.

veröffentlicht am 30.10.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 15:21 Uhr

Eine Revolution braucht Lieder: Dieser Spruch galt schon, als Martin Luther 1517 die Reformation in Gang setzte. Seine Worte feuerten die Bewegung an, sie riefen zum Protest auf und kommentierten geschichtliche Ereignisse. Uns Heutigen entgeht der hochpolitische Subtext zumeist, weshalb das Konzert der Dresdner Stadtpfeifer am Sonnabend in der Stadtkirche für einige Aha-Erlebnisse sorgte. Kaum jemand dürfte beispielsweise wissen, dass sich das „neue Lied“ von Martin Luther, Michael Praetorius und Johann Walter auf eine Hinrichtung im heutigen Belgien bezieht. Dabei waren zwei junge Anhänger der Reformation verbrannt worden waren. Oder, wie es im Lied heißt: „Zwei große Feur sie zünd’ten an, die Knaben sie her brachten, es nahm groß Wunder Jedermann, dass sie solch Pein veracht’ten.“

Wie eine Zeitmaschine ließ das Konzert der Stadtpfeifer diese hoch politische Zeit vor den Zuhörern auferstehen. Gewandet in stimmige Kostüme (etwa im geschlitzten Hemd, das eigentlich aus dem Militär kommt, zu der Zeit aber modern war) brachten sie Werke von Johann Walter („Allein auf Gottes Wort“), Samuel Scheidt („Wir glauben all an einen Gott“), Heinrich Schütz („Verleih uns Frieden“) oder Caspar Othmayr („Luthers letzte Worte“) zu Gehör.

Gespielt wurde auf den damals üblichen Instrumenten, auf Krummhörnern, Zink, Lauten, Renaissance-Flöten und Posaunen. Ensemble-Leiter Reinhard John: „Wir verbinden damit die Hoffnung, dass die Stücke so klingen, wie sich die Komponisten das vorgestellt hatten.“ Man wolle einen Eindruck davon vermitteln, wie die Musik der Renaissance und des Frühbarock wahrscheinlich geklungen habe.

Das gelang an diesem Abend tatsächlich ausgesprochen gut. Die „Stadtpfeifer“ entführten in eine Zeit, in der auf echtem Gemshorn geblasen wurde und das Zink die Trompete als erste Stimme ersetzte. So hat man die Lieder der Reformation wirklich noch nie gehört. Nach dem Konzert konnten die Zuhörer die Instrumente in Augenschein und in die Hand nehmen. „Manche sahen schon ziemlich verrückt aus“, gab Reinhard John zu, der die Wirkungsweise eines Krummhorns erläuterte.

Entstanden ist der Beruf des Stadtpfeifers übrigens Ende des 14. Jahrhunderts, als die Musiker vor allem für den „Türmerdienst“ angestellt wurden und zu deren Aufgaben das Musizieren bei festlichen Anlässen (Bürgermeisterwahlen, Schützenfeste, Hinrichtungen) zählte. Eine Blüte erlebten die Stadtpfeifereien im 17. Jahrhundert durch die Entwicklung einer eigenständigen Instrumentalmusik.




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