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Vor Gericht: Verfahren eingestellt

Linker trifft auf rechte Übermacht

Bückeburg. Wenn Rechte und Linke zusammentreffen, sind Wortgefechte programmiert, häufig auch körperliche Auseinandersetzungen. Und dann kann es gefährlich werden. Ein Fall aus Bückeburg, der kürzlich das Amtsgericht beschäftigt hat, gehört wohl eher in die Kategorie „Rangelei“.

veröffentlicht am 21.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:21 Uhr

Im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft hat Jugendrichter Dr. Dirk von Behren das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ohne weitere Auflagen eingestellt. Begründung: geringe Schuld. Aus Sicht der Justiz bleiben zu viele Widersprüche.

Auf der Anklagebank saßen zwei Männer aus Bückeburg und Obernkirchen, 19 und 22 Jahre alt. Beide werden der rechten Szene zugerechnet. Nur am Rande: Nach Beendigung seiner Lehre muss der Obernkirchener im August eine Haftstrafe von 20 Monaten antreten, aber das hat mit der jüngsten Sache nichts zu tun.

Die Gerichtsverhandlung drehte sich um eine Tat, zu der es am späten Nachmittag des 5. Januar 2012 um 17.15 Uhr gekommen ist. Im Foyer einer Bank an der Bahnhofstraße traf ein Bückeburger (22), der als Linker bekannt ist, auf fünf Männer. Aus dieser Gruppe heraus soll der 22-Jährige von einem der jetzt Angeklagten kurz am Hals gewürgt worden sein, vom anderen mit voller Wucht einen Tritt gegen den Oberschenkel bekommen haben. Mit einem Einkaufskorb will das mutmaßliche Opfer lediglich zurückgeschlagen haben, um sich zu verteidigen.

Auf der anderen Seite behauptete einer der Rechten sinngemäß, den mutmaßlich Linken quasi zur Vorbeugung gegen die Brust gestoßen zu haben, um nicht selbst angegriffen zu werden. Zu einem Tritt soll es nach dieser Darstellung überhaupt nicht gekommen sein.

Die Bilder aus der Überwachungskamera trugen nicht wirklich zur Aufklärung des Sachverhaltes bei. Widersprüche sah das Gericht unter anderem darin, dass der 22-Jährige beim Verlassen der Bank trotz seiner Angst erneut an den Männern vorbeigegangen sei. Gehumpelt hat er nach den Beobachtungen eines Bankangestellten nicht. Bereits beim Betreten des Kreditinstitutes hatte es der Bückeburger für sinnvoll gehalten, nicht zurückzuweichen.

Die Rechten stellten den Vorfall als eines der üblichen Geplänkel dar, zu denen es kommt, wenn beide Gruppen aufeinandertreffen. Wegen gefährlicher Körperverletzung – Betonung auf „gefährlich“ – wären sie wahrscheinlich nicht verurteilt worden. Das Gericht vermochte nicht zu erkennen, dass die Tat gemeinschaftlich begangen worden ist. Im Fall eines Schuldspruchs wäre wohl eine einfache Körperverletzung geblieben.

Beobachtet wurde der Prozess von einem Beamten des Staatsschutzes, zuständig für die Bekämpfung politisch motivierter Kriminalität. Dies könnte darauf hindeuten, dass in Zukunft auch kleinere Delikte beider Seiten unnachgiebig verfolgt werden sollen, um in Bückeburg aufzuräumen.




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