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Zivilprozess endet mit Vergleich / Verhandlung für Montag abgesagt

Lokführer lenkt ein - Witwer der Selbstmörderin zahlt 9000 Euro

Hohnhorst/Bückeburg (ly). Im Zivilprozess um einen Lokführer, der vom Witwer einer Selbstmörderin aus Haste Schmerzensgeld und Schadensersatz verlangt, haben beide Parteien eingelenkt. Damit kommt es nicht zu der für Montag anberaumten Verhandlung, sondern zu dem von Richter Norbert Feige vorgeschlagenen Vergleich, der bereits rechtskräftig ist. Nach dieser außergerichtlichen Einigung sind nun durch die einmalige Zahlung von 9000 Euro sämtliche Ansprüche abgegolten.

veröffentlicht am 09.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Vor der 1. Zivilkammer des Bückeburger Landgerichts hätte der Witwer beweisen müssen, dass seine Frau für ihr Handeln nicht verantwortlich gewesen sei, wie die Pressestelle auf Anfrage weiter erklärt. Doch selbst in dem Fall gebe es im Bürgerlichen Gesetzbuch einen Anspruch auf Schadensersatz, die so genannte "Haftung aus Billigkeitsgründen". Vereinfacht ausgedrückt: Es wäre grob ungerecht, einen Anspruch abzulehnen. Schließlich hat der Mann im Führerhaus der Bahn ohne jegliches Verschulden den Horror erlebt. Denkbar scheint, dass Lokführer und Witwer sich auch verglichen haben, um einer Befragung in öffentlicher Sitzung aus dem Weg zu gehen. Zu schmerzhaft wäre die Erinnerung gewesen. Die lebensmüde Frau (67) hatte sich im März 2005 in Hohnhorst vor den Regionalexpress geworfen. Durch den bewusst miterlebten Unfall habe er eine schwere psychische Erkrankung erlitten und sei arbeitsunfähig geworden, begründete der im nordrhein-westfälischen Neuenkirchen (Kreis Steinfurt) lebende Lokführer die Klage. Der Witwer wehrte sich mit der Argumentation, seine Frau habe im Zustand einer krankhaften Störung der Geistestätigkeit gehandelt, der ihre Verantwortung ausschließe. Als sicher gilt, dass die 67-Jährige nach einer körperlichen Erkrankung unter schrecklichen Schmerzen litt. Dem Lokführer (55) ist bereits zum dritten Mal ein Selbstmörder vor den fahrenden Zug gelaufen. Er hatte mehr als 9000 Euro gefordert und verlangt, dass der Witwer auch für künftige Ansprüche aufkommen muss.




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