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Dr. Horst-Helmut Krause: "Männer sind Vorsorge-Muffel" / Herz-Kreislauf-Check alle drei bis fünf Jahre

Männer-Risiken: Alkohol, Zigaretten und Alltagsstress

Rinteln (cok). Gesundheit, das ist nichts für "richtige" Männer - zu diesem Schluss kann man leicht kommen, wenn man wie Chefarzt Horst-Helmut Krause vom Kreiskrankenhaus über eine 30-jährige Berufserfahrung als Internist verfügt. Sein Vortrag zum Thema: "Vom Risiko, ein Mann zu sein" aber war ausgezeichnet besucht von einem überwiegend männlichen Publikum.

veröffentlicht am 19.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Die Fakten sind wirklich alarmierend: Sechs Jahre ihres Lebens bezahlen Männer dafür, dass sie nur zu häufig dazu neigen, die gesundheitlichen Bedürfnisse ihres Körpers zu ignorieren und auch im Fall ernster Erkrankungen oft viel zu spät zum Arzt gehen, die Medikamente nicht regelmäßig einnehmen und an schädlichen Lebensgewohnheiten festhalten. Auch Vorsorgeuntersuchungen liegen ihnen wenig und so stellte Dr. Krause in seinem zugleich lockeren und schockierenden Vortrag immer wieder die Frage: "Sind die Männer noch zu retten?" Wenn die Statistiken weiterhin recht behalten, sind sie es wohl nicht: 45 Prozent aller deutschen Männer haben Übergewicht, 30 Prozent davon auf krankhafte Weise. Obwohl ein zu hoher Blutdruck mit Medikamenten gut zu kontrollieren ist, verzichten drei Viertel der Betroffenen auf die entsprechenden Medikamente und das letzte Viertel nimmt sie eher unregelmäßig ein. Und was die Krebsvorsorge betrifft, so wird sie gerade malvon vier Prozent der Männer wahrgenommen, obwohl sie in den Todesstatistiken den Frauen eindeutig den Rang ablaufen. Alkohol, Zigaretten und Alltagsstress sind die häufigsten Auslöser für Erkrankungen. Und gerade, was die Stressbewältigung betrifft, so stehen die Männer sehr viel schlechter da als die Frauen. Oft erkennen sie gar nicht, wie sehr Arbeit oder auch ein gescheitertes Familienleben Psyche und Körper belastet, weil sie auch hier "einfach nichtkrank sein dürfen". Wenn sie depressiv sind,äußert sich das weniger in Gesprächen, sondern eher in einem verstärkten Risikoverhalten, in Aggressionen oder der Selbsttherapie durch Drogen. "Mit wem soll ich dennüber solche Dinge reden", fragte bezeichnenderweise ein alter Mann aus dem Publikum. "Wenn ich in der Familie damit anfange, heißt es nur: ?Opa redet zum 10. Mal über seine Gesundheitsprobleme." Dr. Krause nannte Hausarzt, Familientherapeuten und Beratungsstellen mit ihren Selbsthilfegruppen als erste Anlaufstellen: "Wenn es mir gelungen ist, Sie ein bisschen aufzurütteln und nachdenklich zu machen, dann bin ich schon froh." Ganz besonders nachdrücklich wies er auf die Bedeutung von Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen hin. Frauen, die Blut in ihrem Stuhl entdecken, haben bereits nach drei Tagen einen Termin beim Arzt, Männer dagegen brauchen durchschnittlich zehn Tage, bis sie so ein ernstes Zeichen zum Anlass nehmen, den Arzt aufzusuchen. "Das Blut könnte doch auch von den Hämorrhoiden stammen", sagte ein Zuhörer. Ja, das könnte so sein. Aber möglicherweise ist es auch ein Anzeichen für einen beginnenden Darmkrebs. "Männer sind Vorsorgemuffel", so Dr. Krause und zeigte eindrucksvolle Statistiken, aus denen deutlich wurde, wie ungeheuer groß der Unterschied zwischen den Krebsheilungschancen ist, je nachdem, ob der Krebs früh oder auch nur wenig später entdeckt wird. Ab dem Alter von 45 Jahren sollten alle zwei Jahre ein Herz-Kreislauf-Check und alle drei bis fünf Jahre ein Darm-Check durchgeführt werden, ab 50 Jahren einmal jährlich eine Tastuntersuchung der Prostata. Auf den Einwand, dass manche Vorsorgeuntersuchungen aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen, konterte er: "Jeder, der ein Auto hat, bezahlt ohne Zögern für die notwendigen Inspektionen. Wie kann man da so bedenklich sein, wenn es um die eigene Gesundheit geht?" Dr. Krauses Vortrag und weitere Informationen rund um das "Zentrum für Gesundheit der Männer" sind im Internetauftritt des Kreiskrankenhauses unter "www. kkh-rinteln.de" zu finden.




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