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400 Jahre Bückeburg: Sahla-Enkel und Tischrunde erinnern sich des Geigers und Dirigenten von Weltruf

Mamachens Händchen für schwierige Gäste

Bückeburg. Einer der musikalischen Höhepunkte am Abend der Bückeburger Feier der vierhundertjährigen Marktrechte im Rathaussaal war sicher die Aufführung des Notturno Nr. 1 in B-Dur von Richard Sahla, der von 1888 bis 1918 Hofkapellmeister in Bückeburg war.

veröffentlicht am 16.02.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 09:41 Uhr

Ehrengast des Abends war der in England lebende Enkel des Hofkapellmeisters, Peter Sahla mit seiner Frau, für den der 4. Februar 2009 noch eine besondere Bedeutung hatte, war dieser Tag doch der 135. Geburtstag seiner Großmutter, der Hofsängerin Anna-Ruth Sahla, die im Januar 1955 in Bückeburg starb und neben ihrem 1931 verstorbenen Gatten auf dem reformierten Friedhof in Bückeburg ruht.

Es gibt noch alte Bückeburger, die sich an Anna-Ruth Sahla und ihren damals kleinen Enkelsohn Peter erinnern, der während des Krieges bei seiner Großmutter im Bückeburger Schloss lebte. So fand sich während der Marktrechtefeier eine Tischrunde zusammen, die gemeinsam ihre Erinnerungen an Anna-Ruth Sahla auffrischte, die in Bückeburg „Mamachen Sahla“ genannt wurde. Zwei Jahrzehnte jünger als ihr Gatte, führte sie mit Herz und Charme ein offenes gastliches Haus, in dem sich Musiker, Schriftsteller, Gelehrte und Offiziere wohlfühlten. Im Umgang mit den oft überaus schwierigen Künstlern muss sie eine sehr glückliche Hand gehabt haben. So schreibt Hermann Löns am 21. Dezember 1908 aus Bückeburg an Willi Fueß in Celle: „Wir leben hier so ganz Entrenous, trotz der 200 Besuche, die wir machen mussten vom Minister und Oberhofmarschall bis zum Landesreferendar. Engeren Verkehr haben wir nur mit der Dichterin Lulu von Strauß und Torney und mit dem Leiter der Hofkapelle, Professor Sahla und seiner reizenden Frau“. Bekanntlich fühlte sich Löns in der konservativen Bückeburger Hofgesellschaft mehr als unwohl.

Mamachen Sahla war Amerikanerin. Wie Peter Sahla erzählte, weigerte sie sich 1945 beharrlich, ihre Wohnung im Schloss Bückeburg zu räumen, als das englische Militär den gesamten Komplex beschlagnahmte. Als sie letztlich der Militärgewalt doch weichen musste, erfolgte der Umzug in die zur Verfügung gestellte Wohnung im Stadtgebiet sehr hektisch und ein ganzer Leiterwagen mit Möbeln, Noten und Briefwechsel verschwand spurlos.

Eine Anzahl von Kompositionen und Bearbeitungen Richard Sahlas bewahrt heute das Niedersächsische Staatsarchiv. Ein weiterer Notenbestand befindet sich in der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin. Im Rahmen der IMAS-Konzerte 2005 (Sahlas 150. Geburtstag) und 2006 (Sahlas 75. Todestag) wurden nach sehr langer Zeit Kompositionen des Meisters aufgeführt. Wie sehr das Interesse an Richard Sahlas Werk zugenommen hat, zeigt das Anwachsen seiner Seite in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia, die sich seit Juni 2006 vervierfacht hat.

Das Ensemble Blockruf führte die Teilnehmer der Marktrechtefeier musikalisch in die erste Blütezeit Bückeburgs um 1609 ein. Die musikalische Einführung in die letzte Hochblüte des Bückeburger Musiklebens, die drei Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg, war dem jungen Geiger David-F. Tebbe und seinem Begleiter am Flügel, Prof. Siegfried Schick, anvertraut. Die Künstler hatten zwei Kompositionen von Zeitgenossen Richard Sahlas ausgewählt und boten dazu eine gelungene Aufführung des lange verschollenen Notturno Nr. 1 in B-Dur, von Richard Sahla 1904 „Pablo de Sarasate in Verehrung zugeeignet“. Sahla hatte seinerzeit als Geiger und Dirigent Weltruf und wurde von der Musikkritik als der „deutsche Sarasate“ gefeiert.

David Tebbe macht sich seit Jahren mit Kompositionen und Lebenslauf Richard Sahlas – soweit erreichbar – vertraut. Von einem Musikhaus in Hannover wurde ihm sogar eine Violine aus dem Besitz von Richard Sahla zur Verfügung gestellt. Man darf gespannt sein, ob der junge Künstler weitere der überaus anspruchsvollen Sahla-Kompositionen vorstellen wird.




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