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Vor Gericht: Nachüber 14 Monaten ist ein Ende abzusehen / Urteil am Montag

Mammut-Drogenprozess: Hohe Strafen für Eisberger Asylbewerber gefordert

Rinteln/Bückeburg (ly). Nach 39 Verhandlungstagen, verteiltüber 14 Monate, scheint im Drogenprozess gegen zwei Asylbewerber aus Eisbergen das Ende in Sicht. Falls die 1. Große Strafkammer des Bückeburger Landgerichts dem Antrag von Staatsanwalt Klaus-Jochen Schmidt folgt, könnten die beiden Angeklagten allerdings ein Ende mit Schrecken erleben.

veröffentlicht am 09.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Für den mutmaßlichen Haupttäter (29) hat Schmidt gestern acht Jahre und drei Monate Haft gefordert. Dies wäre eine der höchsten Strafen, welche die Kammer in Drogenprozessen jemals verhängt hat. Der zweite Angeklagte (43) soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft drei Jahre und neun Monate Haft bekommen. Die Verteidiger Dirk Baumann und Matthias Doehring beantragten Freisprüche für ihre Mandanten, die sich seit Februar 2005 in Untersuchungshaft befinden. Im Gegensatz zu Schmidt gehen die Anwälte davon aus, dass die Falschen auf der Anklagebank sitzen und der wahre Schuldige noch frei herumläuft. Wiederholt hatten die Verteidiger ihre Vermutung geäußert, dass essich dabei um einen anderen Bewohner des Heimes handelt, "den Hintermann, vor dem alle Angst haben", so Doehring. Angeblich sollen dessen Taten dem Duo in die Schuhe geschoben werden. In der Anklageschrift wird den Männern vorgeworfen, Auftraggeber für insgesamt zehn Drogenfahrten in die Niederlande gewesen zu sein, durch die rund 600 Gramm ungestrecktes Heroin über die Grenze gelangt seien. Nach der Beweisaufnahme nimmt Staatsanwalt Schmidt noch acht Taten an. Als Kuriere sollen die Eisberger Asylbewerber Rauschgiftsüchtige eingesetzt haben, die den "Stoff" im Körper transportieren mussten und für dieses hohe Risiko keinen Cent sahen, sondern in Heroin entlohnt wurden. "Die Einfuhr von Betäubungsmitteln durch Banden ist schwerste Drogenkriminalität", argumentierte Schmidt in seinem Plädoyer. Daher habe der Gesetzgeber drakonische Strafen vorgesehen. "Abnehmer werden innerhalb kürzester Zeit zu menschlichen Wracks, scheiden durch einen ,goldenen Schuss' aus dem Leben oder sterbenan Infektionen", erklärte der Staatsanwalt. Zu den Schlüsselfiguren in diesem Prozess gehört ein Rintelner, der Kronzeuge der Anklage. Schmidt hält den Mann, der in einem vorausgegangenen Verfahren als Kurier der Asylbewerber zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war, für glaubwürdig. Dagegen sieht Verteidiger Dirk Baumann in den Angaben des Rintelners eine Reihe von Widersprüchen. "Am Fundament des Urteils darf es nicht den Haarriss eines Zweifels geben", sagte Baumann. Zwei weitere Kronzeugen hatten ihre belastenden Aussagen während der Hauptverhandlung widerrufen. Für Verteidiger Doehring steht indes fest, dass es in dem Eisberger Asylbewerberheim einen "offenen Handel mit Rauschgift" gegeben habe. Das Urteil wird für kommenden Montag, 14. August, erwartet.




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