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Schrille Travestie-Gala begeistert das Publikum im Rathaussaal

„Man kann nicht ewig glücklich sein“

Bückeburg. Die Ankündigung hätte kaum vollmundiger sein können: Die „Galanacht der Travestie“ sei ein „Revue-Ereignis der Extraklasse“, bei dem das Publikum „Deutschlands schillerndste Künstler im Rausch der Verwandlung“ erleben könne. So jedenfalls war es in den Werbeflyern zu lesen, die am Freitagabend im Foyer des Bückeburger Rathaussaals auslagen. Nebenan sollte sich beweisen, was von diesem Versprechen zu halten ist. Das Fazit vorweg: Das Ensemble hat abgeliefert – und zwar voll.

veröffentlicht am 25.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:21 Uhr

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Ohne jede Warmlaufphase brannten die – mit reichlich Schminke und oftmals geradezu schrillen Kostümen – auf „Frau“ getrimmten Künstler ein Feuerwerk an wirklich unterhaltenden Showelementen ab. Hierzu gehörten stimmlich gekonnte, sonst aber skurrile Gesangs- und Tanzdarbietungen ebenso wie die witzigen, genretypisch nicht selten recht zotig-derben Gags, durch die die Lachmuskeln der Zuschauer ebenfalls kräftig strapaziert wurden.

Kleine Kostprobe gefällig? Kein Problem: „Was haben Matrosen in der Hose?“, fragte eine mit eng anliegendem schwarzen Gala-Kleid, hohen Stöckelschuhen und weißer Federboa ausgestattete „Diva“ in den Saal. „Einen Mast“, lautete die spontane Antwort eines dort sitzenden Mannes, was „sie“ zur großen Freude des Publikums mit den Worten kommentierte: „Einen Mast? Das nenn’ ich Selbstüberschätzung.“ Die richtige Antwort hätte „ein Ahoi“ heißen müssen, merkte der unter der schrägen Maskerade steckende Travestiekünstler an, war dies doch die Überleitung zu dem von ihm/ihr live gesungenen Zarah-Leander-Lied „Ich kenn’ den Jimmy aus Havanna“, in dem die Liebe zu Matrosen besungen wird.

Auf humorvolle Weise einstecken musste auch ein unschuldig in vorderster Reihe sitzender Herr: „Hat der Geld, oder was hast Du für eine Ausrede für den?“, wollte „Larissa Tornado“ – ein weiteres Superweib des Showensembles – von dessen Gattin wissen. Einem anderen Paar gab sie den Rat: „Heiratet nur – man kann nicht ewig glücklich sein.“ Was der blonde Wirbelsturm sonst noch an Sprüchen und Witzen in petto hatte, war mitunter ziemlich deftig – und rief die ersten lauten „Zugabe“-Rufe des Abends hervor. Und da waren erst gut 30 Minuten um.

Ein spaßiger Einfall war überdies ein Duett eines Travestie-Paars, das als Mann und „Frau“ auf die Bühne gekommen war und im Laufe seines ebenfalls live intonierten Liedes erst den Hut gegen die Damenperücke und dann die restliche Bekleidung tauschte, bis mit den letzten Takten die „Geschlechter gewechselt“ waren. Ein geradezu treffendes Beispiel für den vom Veranstalter versprochenen „Rausch der Verwandlung“, zu dem auch – zu eingespielten Vollplaybacks zum Besten gegebene – Persiflagen auf Caterina Valente, Trude Herr und „Miss Piggy von den Muppets“ gehörten.

Schade nur, dass der Rathaussaal bei der „Galanacht der Travestie“ kaum zur Hälfte besetzt war, denn mehr Resonanz hätten die Künstler voll und ganz verdient gehabt. wk




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