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Gute Noten für Fußgängerzone und Einzelhandel - doch: Blumen öfter nachpflanzen

Marketingexperte: Erlebnisgastronomie an die Weser, Parken auf dem Kirchplatz

Rinteln (wm). "Warum herrscht auf dem Kirchplatz friedhofsähnliche Ruhe?" Das war nur eine der Fragen, die Marketingexperte Christian Klotz aus Bad Reichenhall gestern bei seinem Besuch in Rinteln stellte. Der Fußgängerzone gab er gute Noten, sie sei bestens gepflegt - im Gegensatz zu Fußgängerzonen in anderen Städten, die - inzwischen 20 Jahre alt - zusehends "verschlampten".

veröffentlicht am 28.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:25 Uhr

Grundsätzlich gebe es in der Rintelner Fußgängerzone noch eine gesunde Mischung zwischen Filialisten und dem Mittelstand mit eigengeführten Betrieben. Filialisten, warnte Klotz, sollte man nicht grundsätzlich verteufeln, es stelle sich nämlich die Frage, ob noch alle eigentümergeführten Betriebe auch in der nächsten Generation in der Lage seien, einen Nachfolger zu finden. Außerdem gäben Filialisten bei den Fassaden wie der Beleuchtung den neuesten Standard vor: Es sei der Mittelstand, der dann nachziehe. Grundsatz sei: Das Angebot in einer Fußgängerzone dürfte nicht schlechter sein als in einem Einkaufszentrum. Sein Vorschlag zu einer weiteren Steigerung der Attraktivität der Stadt: An der Weser fehle Erlebnisgastronomie, der Fluss müsse mehr eingebunden werden. Ideal wäre es, den Verkehr unter die Erde und den Fluss an die Fußgängerzone zu holen: "Das kostet Geld, ist aber technisch machbar." Als Beispiel dafür nannte er die Stadt Meran. In einer Gesprächsrunde im Hotel "Stadt Kassel" unter Regie von Günther Klußmeyer plauderten Vertreter der heimischen Wirtschaft mit Klotz über ihre Probleme und Erwartungen. Klußmeyer machte deutlich, dass es immer schwieriger werde, gemeinsame Aktionen wie Investitionen zu finanzieren - Beispiel Weihnachtsbeleuchtung. Tipp von Klotz: "NehmenSie die Hausbesitzer mit ins Boot, aktivieren Sie Ihren Haus- und Grundbesitzerverein." Denn nur Häuser in einer funktionierenden Einkaufsstraße behielten auch ihren Wert. Als nicht akzeptabel befand es auch Klotz, dass es bei acht Apotheken vor Ort nicht möglich sei, einen Notdienst so zu organisieren, dass kein Patient nach Bückeburg fahren müsse. Bei einem Rundgang durch die Innenstadt erwies sich Klotz auch als charmanter Plauderer, begrüßte die Mannschaft im Eiscafé Venezia ("Aus Cortina kommen Sie? Da war ich letzte Woche!") lobte den Kaffee im Modehaus Beckmann, die Warenpräsentation im Betten-Fachgeschäft von Jürgen Maack und freute sich, dass bei "Medea" die alten Dielen im Geschäft geblieben sind, "das gibt Atmosphäre". Eine positive Anmerkung war Klotz auch die Fassadengestaltung von "Street one" wert ("luftig, gelungen") und das Mobiliar vor Bodega und Marktwirtschaft ("nicht die billigen Plastikstühle, tolle Qualität, absolut klasse"). Kameramann Peter Reich, der ihn begleitete, ließ er allerdings auch die mehr verborgenen Schmuddelecken filmen und bemängelte die magere Blumenpracht in den Pflanzbeeten: Notfalls müsse hier eben jede Woche nachgepflanzt werden .




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