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Rainer Kaune vermittelt Einblicke in das facettenreiche Leben des Multiwesens Hermann Löns

Mehr an Lönsschutz denken als an Naturschutz

Petzen. Einblicke in das Leben, Lernen, Leisten, Leiden und Lieben von Hermann Löns hat ein von Rainer Kaune gestalteter Vortragsabend im Hofcafé „Peetzen 10“ vermittelt. Kaune, geborener Bückeburger, 50-facher Buchautor und Löns-Experte, schilderte den landläufig als Heidedichter verkannten Mann als Multiwesen. „Facettenreicher als Hermann Löns kann kaum jemand sein“, erklärte der Referent.

veröffentlicht am 06.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 02:21 Uhr

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Löns sei Künstler und Journalist, Bürger und Nicht-Bürger, Asket und Unmäßiger ebenso gewesen wie kerniger Mann und seelisch-geistig Gefährdeter, Naturkenner und Kulturverehrer, wie Ehemann und Eheflüchtling – ein unverwechselbares Individuum halt. In seinem Leben und Werk offenbare sich zutiefst Menschliches, spiegelten sich Geist und Ungeist seiner Zeit wider. Und da Löns von November 1907 bis September 1909 Bückeburger und hier Chefredakteur der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung war, werde er unter die literarischen Trumpfkarten Schaumburgs gerechnet.

Obwohl Löns Leben in Bückeburg keineswegs in konfliktfreien Bahnen verlief, zählen die knapp zwei Jahre im Fürstentum zu seinen schöpferischsten. Allein 1909 verfasste er zahlreiche Essays für die Sammelbände „Lebensbilder aus der Tierwelt“, veröffentlichte die Tierbücher „Was da kreucht und fleugt“, „Mümmelmann“ und „Aus Wald und Feld“, brachte den Balladenband „Mein blaues Buch“ heraus, schrieb und veröffentlichte den Erstlingsroman „Der letzte Hansbur“, verfasste die Romane „Dahinten in der Heide“ und „Der Wehrwolf“, begann mit der Niederschrift des Künstlerromans „Das zweite Gesicht“ und publizierte den autobiografischen Aufsatz „Von Ost nach West“. Was ihn rückblickend, im März 1910, unterdessen nicht vor der Befürchtung bewahrte „Wenn ich einen Tag in Bückeburg bin, muss ich acht Tage lang hinterher brechen“.

Kaune schilderte die vielschichtige Person Löns mit sehr viel Verständnis. „Die Unzulänglichkeiten von Ausnahmemenschen werden gegenstandslos, wenn man einen Blick auf deren großartige Lebensresultate wirft“, erläuterte er seine von Sympathie geprägte Herangehensweise. Für die Qualität des Lönsschen Lebenswerks spreche dessen nach wie vor große Popularität und eine auf zehn Millionen Exemplare geschätzte Gesamtauflage. Zur Erhellung der ungeheuren Aktivität und zahlreicher Befindlichkeiten des Schriftstellers griff der Referent immer wieder auf überlieferte persönliche Bemerkungen zurück. „Denn es steckt in mir ein Kerl mit einer Hetzpeitsche“, lautete ein Selbsterklärungsversuch. Und, im Oktober 1909 verfasst: „Ich werde verrückt vor Korrespondenz und muss etwas mehr an Lönsschutz denken statt an Naturschutz.“

Über seine Bückeburg-Tauglichkeit hielt der gefeuerte Chefredakteur fest: „Ich bin für hiesige Verhältnisse abnorm subaltern. Von vornherein nahm man es mir übel, dass ich nicht einen Schmeerbauch und Asthma hatte wie mein Vorgänger.“ Ebenfalls wenig schmeichelhaft: „Hier passt nur ein Duodözkopp her, der ein Kautschukhochzeitsgelenk und eine sehr unterniveauige Bildung hat und ein sehr weites Gewissen.“ Die Kündigung lieferte aber auch Anlass für verhaltenen Jubel: „Gratulieren Sie mir, man hat mich an die Luft befördert, nun bin ich wieder ein freier Mann.“

Wer nicht mehr für sich selbst die Werbetrommel rühre, merkte Kaune an, und seine Seilschaften nicht mehr auf Trab bringen könne, gerate nach dem Tode schnell in Vergessenheit. Das treffe auf den Ex-Bückeburger nicht zu. „Hermann Löns, der zu Beginn des 1. Weltkrieges gefallen ist, ist immer noch gegenwärtig und wird weiterleben“, so der Autor. „Und wie schön wäre es, wenn Bückeburg das Andenken zumindest ein wenig pflegen würde.“




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