weather-image
26°
×

Wie viele Azubis brechen in Schaumburg ab? / Grundmann: „Ausbilder sollten sich selbst hinterfragen“

Mehr in der Küche, weniger in der Verwaltung

Landkreis (kil). Jeder vierte Auszubildende in Deutschland bricht vorzeitig seine Lehrzeit ab, besagt der Berufsbildungsbericht 2013. Von Branche zu Branche ist die Quote unterschiedlich hoch. Am höchsten liegt sie unter anderem bei Kellnern und Köchen (rund 50 Prozent). Anders bei Verwaltungsfachangestellten, Elektronikern und Bankkaufleuten. In diesen Branchen sind es weniger als zehn Prozent. Für Schaumburg lässt sich der Trend teilweise bestätigen. Interessant sind dabei die Gründe, die zur Auflösung des Vertrags führen.

veröffentlicht am 11.02.2013 um 19:15 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:33 Uhr

Im Handwerk bergauf

Im Handwerk hat es sogar einen positiven Trend in der Abbrecherquote gegeben: Von rund elf Prozent (2011) auf nur noch sieben bis acht Prozent, wie Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, vermeldet. „Das ist aber nur eine Momentansituation“, betont er. Gründe dafür könne man derzeit nicht ausmachen. In der Regel bemerkten die Azubis bereits in der Probezeit (maximal vier Monate), dass der Beruf oder der Betrieb nicht der richtige für sie ist.

Auf Teufel komm raus

Dachdeckermeister Traugott Grundmann hat in seinem Betrieb in Hessisch Oldendorf kaum Probleme mit Abbrechern, kennt aber als Innungsmeister in Schaumburg die Branche und weiß, dass zu einer Vertragsauflösung immer zwei Seiten gehören. Der Ausbilder habe auch eine Verantwortung, müsse sich selbst hinterfragen – das machten leider die wenigsten. Wenn ein Azubi das Handtuch werfen möchte, sollte der Ausbilder überlegen: Was hab’ ich falsch gemacht? Hab ich ihm zu schnell zu viel zugemutet? Oder habe ich den falschen Mann eingestellt? Manchmal mangele es auch an der Qualifikation der Azubis, weil „die Schulen oft zu großzügig sind“, sodass die Zeugnisse zwar gut, das tatsächliche Fachwissen aber mangelhaft seien. „Der Dachdecker ist nicht mehr der Doofe von früher“, meint Grundmann. Auch in diesem Beruf sei mathematisches Wissen gefragt.

Dass einige Betriebe Azubis „auf Teufel komm raus“ einstellen, obwohl sie vorher schon wüssten, „der wird es schwer haben“, sieht Grundmann kritisch. Er beklagt schwarze Schafe, die Azubis beschäftigten, um erst mal „Löcher zu stopfen“ und für ein Jahr eine billige Arbeitskraft zu gewinnen.

... als in Berufen der Verwaltung. Fotos: pr.

Miese Arbeitszeiten

Den bundesweiten Trend, dass Köche und Kellner vermehrt hinschmeißen, bestätigt der Stadthäger Ratskellerwirt Oliver Sieloff. Auch in seinem Restaurant haben schon einige abgebrochen, weil sie nicht richtig über den Job informiert gewesen und mit den Arbeitszeiten nicht klargekommen waren. Ähnliches höre er von Kollegen. „Am Wochenende arbeiten, wenn die Kumpels freihaben“, das schmecke vielen nicht. Diese Erkenntnis komme meist in der Probezeit, manchmal aber erst nach der Zwischenprüfung. Derzeit bildet Sieloff einen Kellner und eine Kellnerin aus. Es sei schwierig, gute Azubis zu finden: „Keiner will heute mehr in die Gastronomie“.

30 Prozent hören auf

Der Landkreis als Arbeitgeber: In der Verwaltung ist die Abbrecherquote bundesweit und auch in der Schaumburger Kreisverwaltung gering. Nach Angaben von Kreispressesprecher Klaus Heimann hat von derzeit 15 Azubis in der Verwaltung im Jahr 2012 keiner abgebrochen.

Anders in der Krankenpflege: Im Durchschnitt hören dort etwa 30 Prozent vorzeitig auf – „aus unterschiedlichen Gründen“, zum Teil auch, weil der Arbeitgeber feststelle, dass der Beruf nicht der richtige für den Azubi sei. Im Moment gibt es 56 Azubis im Klinikum Schaumburg und neun angehende Altenpfleger im Kreisaltenzentrum, wie Heimann erklärt.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige