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Minister Rösler gefällt beim Dreikönigstreffen

„Meine Frau kümmert sich um die Zwillinge, ich bin auf Montage“

Bückeburg (bus). Der Besuch von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler hat dem Dreikönigstreffen der Bückeburger FDP am Freitagabend zu einer stattlichen Portion überregionalem Fluidum verholfen. Die gut besuchte Veranstaltung erlebte im Le-Theule-Saal des Rathauses einen bestens aufgelegten Politiker, der sein Hauptthema – die Gesundheitspolitik – zwar mit dem nötigen Ernst referierte, der die erwartungsfrohe Versammlung aber auch mit augenzwinkernd vorgetragenen Erkenntnissen zu unterhalten wusste. Gastgeberin Brigitte Bödeker griff überwiegend regionale Gesichtspunkte auf, Kreisvorsitzender Paul Egon Mense ging mit den journalistischen Berichterstattern hart ins Gericht.

veröffentlicht am 17.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 04:41 Uhr

Bödeker verwendete einen großen Teil ihrer Redezeit auf das Thema „Integrierte Gesamtschule“. Im Gegensatz zu anderen Kommunen, in denen die Impulse zur Installierung einer IGS von Lehrerkollegien oder Eltern stammten, komme die Anregung in Bückeburg von Seiten einiger Politiker. Was wahltaktisches Kalkül nicht ausschließe. „Wir Liberalen plädieren dafür, die Materie ergebnisoffen und ohne Zeitdruck zu diskutieren“, unterstrich die Vorsitzende des Ortsvereins Bückeburg/Obernkirchen/Bad Eilsen. Zudem müssten die beiden neuen Gesichtspunkte „Oberschule“, in der Haupt- und Realschule zusammengefasst werden sollen, sowie „Zukunftsgutachten“, das für die kommenden Jahre deutlich weniger Schülerzahlen prognostiziert, in der Debatte Berücksichtigung finden. Darüber hinaus mahnte Bödeker ein für ganz Schaumburg gültiges Gesamtkonzept an.

Mense wiederholte seine mehrfach geäußerte Berichterstatterschelte. „Die Journalisten sind aus meiner Sicht nicht ganz fähig, die politische Arbeit der FDP von der Person Westerwelle zu trennen. Sie wollen nicht den journalistischen Maximen von Wahrheit und Wahrhaftigkeit folgend berichten“, sagte der Kreisvorsitzende. „Nur wenige, kaum wahrnehmbare Journalisten berichten darüber, was die Koalition bis heute erreicht hat.“ Insgesamt betrachtet befinde sich die FDP auf dem richtigen Weg. Nur: „Manche Bürger sind nicht in der Lage, das zu erkennen, und auch mancher von uns tut sich schwer, diesen Weg zu erkennen.“ Mense: „Wir haben zwar viel erreicht, aber warum erfahren wir das nicht aus der jedermann zugänglichen Presse?“ In den Redaktionen konzentriere man sich zumeist auf den Parteivorsitzenden, „man will den Bürgern glauben machen, die FDP sei Westerwelle und Westerwelle sei die FPD; ich sage für mich: Unsinn.“

Rösler, über dessen politische Ausführungen diese Zeitung in einem von unserem Redakteur Dr. Thomas Wünsche geführten Interview Bericht erstattet, stellte einmal mehr seine Fähigkeit als glänzender Rhetoriker unter Beweis. Erfrischend für die begeisterte Zuhörerschaft, dass der Ehrengast immer mal wieder humoristische Randbemerkungen in seine frei gehaltene Rede einfließen ließ. „Wenn Sie auf dem Zahnarztstuhl liegen, und der Kollege kommt mit dem Bohrer, dann ist das der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für kritische Nachfragen“, lautet eines dieser Bonmots. Und: „Ich dachte immer, Ärzte sind intelligente Menschen – das sind sie auch, aber sie müssen auch wahnsinnig gutmütig sein.“ Womit der Mediziner Bezug auf das Entlohnungssystem bei niedergelassenen Ärzten nahm. Handwerkern dürfe man ein analoges, nach dem Motto „je mehr Häuser ihr baut, desto weniger Geld werdet ihr verdienen“ funktionierendes System jedenfalls nicht andienen.

Der Minister, dem auch die Begrüßung von Schlossherr (und FDP-Mitglied) Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe – „hallo Durchlaucht, lieber Alex“ – flott über die Zunge kam, punktete beim ohnehin wohl gesonnenen Publikum überdies mit einigen Komplimenten. „Ich komme immer wieder gerne in meine Heimatstadt Bückeburg zurück“, merkte der Vorsitzende der niedersächsischen Liberalen etwa an. Ein solcher Besuch biete gerade auch in schwierigeren Zeiten eine gute Möglichkeit, bei den eigenen Parteifreunden Kraft zu tanken. „Man ist froh, mal aus Berlin rauszukommen.“

Launige Einblicke in das eigene Familienleben, respektive die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – „meine Frau kümmert sich um die Zwillinge, ich bin auf Montage in Berlin“ – und Schilderungen über die Verwandtschaft (Großmutter Klärchen) animierten das Auditorium zu Sonderapplausspenden.

Bevor die Liberalen ihr nunmehr 35. Dreikönigstreffen mit einer deftigen Grünkohlmahlzeit ausklingen ließen, wünschte Rösler den Anwesenden alles erdenklich Gute und Gottes Segen für das Jahr. „Und vor allem Gesundheit“, ergänzte der Bundesgesundheitsminister, „allein schon von Amts wegen.“




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