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Ausflug des Heimatvereins in die 1970er Jahre stößt auf bemerkenswertes Interesse

„Meine Güte, das waren noch Zeiten“

Bückeburg. Dass eine Zeitreise auch von großem Interesse sein kann, wenn sie nicht ins Mittelalter oder frühe Vorzeiten, sondern nur in die 70er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts führt, das hat jetzt eine Veranstaltung der Ortsgemeinschaft Bückeburg des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins in der Begegnungsstätte eindrucksvoll vor Augen geführt.

veröffentlicht am 22.02.2016 um 13:34 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:41 Uhr

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Der Besuch gebe Anlass zu überschwänglicher Freude, gab Gemeinschaftsvorsitzender Heinz-Werner Hinze angesichts des proppenvollen Mehrzweckraumes zu verstehen. „So viele Teilnehmer hatten wir noch nie. Das ist auch ein Zeichen, dass unsere Vorträge angenommen werden.“

„Ich bin überwältigt“, meinte Albert Brüggemann, dem die Rolle des augenzwinkernden Reiseführers Freude bereitete. Der Chef des Kulturausschusses hatte die Reise als per Autofahrt absolvierte Foto-Schau konzipiert, die von der Mindener Straße bis hoch in die Lange Straße führte – eine Passage durch die heutige Fußgängerzone inklusive. „Für Sie ist ein Fensterplatz reserviert, steigen Sie ein, halten Sie die Augen offen“, hieß der Referent die Reisegesellschaft willkommen.

Gleich auf dem ersten Foto, das die Mindener Straße als beschauliche Allee zeigte, fiel dem fachkundige Kommentare beisteuernden Publikum eine versteckt liegende Esso-Tankstelle auf. „Da hat sich doch allerhand verändert“, war zu hören.

2 Bilder
Die per Dia-Show absolvierte Zeitreise nimmt ihren Anfang an der Mindener Straße.

„In Bückeburg hat damals ein Umbruch von der verschlafenen Vorkriegsstadt in die neue Zeit stattgefunden“, erläuterte Brüggemann. „Seinerzeit sind sehr viele von den hier zu sehenden alten Schabracken abgerissen und durch Neubauten ersetzt worden.“ Bemerkenswert sei zudem, dass damals ein ständiger Wechsel im Bereich der Ladenbesitzer an der Tagesordnung war. Der Umbruch sei zwar ein wenig später als in anderen Städten erfolgt – der Referent: „Wir haben noch ein wenig länger geträumt“ –, aber der Fortschritt habe nicht aufgehalten werden können.

Auch wenn, wie Brüggemann darlegte, die Aufnahmedaten der digitalisierten Dias nicht exakt zu ermitteln seien, könne die innerstädtische Entwicklung anhand vergleichbarer Perspektiven gut nachvollzogen werden. Dabei zeigte der Vortrag auch Perspektiven, die heute verstellt sind. Wie etwa den Blick vom Schloss auf das komplette Rathaus. „Da steht jetzt die schöne Volksbank“, merkte eine Besucherin mit leicht ironischem Unterton an.

„Meine Güte, das waren noch Zeiten“, war des Öfteren zu vernehmen. Etwa als das Unternehmen „Hespe“ auftauchte – „Scherben-Hespe“, wie ein Zeitzeuge fachkundig ergänzte. „Dort habe ich als Junge in der Weihnachtszeit immer vor dem Schaufenster gestanden und stundenlang die dort im Kreis fahrende Eisenbahn beobachtet“, erzählte Brüggemann. „Und wenn die Großen kamen und mit dem Fuß unter den Unterstand des Fensters traten, sprang jedes Mal der Zug aus den Geleisen.“

Unter den zahlreichen mittlerweile aufgegeben Geschäften fand ein auf „Internationale Moden“ und „Haute Couture in Strickwaren“ spezialisierter Laden die besondere Aufmerksamkeit der Zuschauer. Zum Angebot zählten überdies Schals, Strümpfe, Handschuhe, Jerseykostüme, Lederbekleidung und Schiesser-Wäsche. „Im Zusammenhang mit Karl-Heinz Rosenfeld“, erklärte der Reiseleiter, „wird immer nur von dessen Malerkarriere gesprochen. Dass er ein Haus vor Struckmann ein sehr gut geführtes Damenoberbekleidungsgeschäft gehabt hat, ist nicht mehr allgemein bekannt.“ Darüber hinaus sei Rosenfeld derjenige gewesen, der in Bückeburg die Strumpfhose eingeführt und sie sozusagen landfein gemacht habe.

Die in Abstechern auch die 1960er und 1980er Jahre berührende Zeitreise soll Aussagen von Hinze und Brüggemann gemäß demnächst eine Fortsetzung finden. „Womöglich werden wir uns dann auf die Suche nach größeren Räumlichkeiten begeben“, ließ das Duo wissen.




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