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Energieversorger aus Hameln bietet Mehrheitsbeteiligung an

Minden will eigene Stadtwerke

Minden (mt/hjA). HRB 12096 – hinter diesem Handelsregistereintrag steckt Zündstoff. Mit der Firmennummer 3506689 ist hier seit dem 19. August die Mindener Stadtwerke GmbH eingetragen – im Auftrag der Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln, Susanne Treptow. Knapp vier Jahre nach der Verschmelzung der Stadtwerke Minden mit der E.ON Westfalen-Weser sind sie plötzlich wieder da, die Mindener Stadtwerke. Zumindest auf dem Papier.

veröffentlicht am 05.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:21 Uhr

Doch das ist in diesem Fall nicht geduldig. Ganz im Gegenteil. Schon in sechs Monaten könnte aus dem Eintrag ein lebendiges Unternehmen geworden sein, das Strom und Gas verkauft – unter der Ägide der Stadt Minden beziehungsweise ihrer Tochtergesellschaft Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungs GmbH.

Wie das funktioniert, schilderte Susanne Treptow in der vergangenen Woche Bürgermeister Michael Buhre, den Fraktionsvorsitzenden und der Presse. Die 41-Jährige redet dabei nicht lange um den Kern der Sache herum, sondern schildert, worauf sie in der Energiefrage setzt: „Auf die regionale Stärke.“

Nachhaltig agieren, wirtschaftlich handeln und im Wettbewerb auch mit den Großen der Energiebranche erfolgreich bestehen: Dass das funktioniert, beweist Treptow mit den Stadtwerken Hameln, für die die Diplom-Kauffrau seit rund 20 Jahren tätig ist. Sie organisierte die Beteiligung der Hamelner an den Stadtwerken Springe und gründete die Stadtwerke Weserbergland mit. Und durch familiäre Beziehungen kam sie auf Minden im E.ON-Land.

Erfolg weggebröckelt

Denn was 1902 in der Weserstadt mit der Gründung der Stadtwerke Minden als Erfolgsgeschichte begann, bröckelte im Laufe der Jahrzehnte dahin. So übernahmen am 1. Januar 2002 die Elektrizitätswerke Minden-Ravensberg (EMR) die bis dahin rein in kommunaler Hand befindlichen Stadtwerke Minden zu 100 Prozent. Dann übernahm E.ON 25 Prozent der Anteile der EMR. Zum Jahresbeginn 2002 wurde E.ON durch die Mehrheitsbeteiligung bei den EMR auch Eigentümer an den Stadtwerken Minden. Im August 2007 wurde schließlich bekannt gegeben, dass die Stadtwerke rückwirkend zum 1. Januar mit der E.ON Westfalen-Weser verschmolzen wurden.

Dass die Stadtwerke nun wieder auferstehen, wird in der Mindener Politik nicht für unmöglich gehalten. Rekommunalisierung lautet die Devise, die inzwischen in vielen Städten der Republik in den Mund genommen wird. Warum das so ist, schildert Susanne Treptow: „Mit der Übernahme der Energieversorgung durch die großen Konzerne ist die Verbundenheit zum Bürger verloren gegangen.“

Dabei ist vor allem auch interessant, dass in den kommenden Jahren weit über 2000 Konzessionen auslaufen: Nutzungsrechte an den öffentlichen Netzen. In Minden betrifft das 2017 das Stromnetz, vier Jahre später folgen das Gas- und Wassernetz. Und das Interesse an diesen Netzen dürfte groß sein. Alles Gründe, um die Mindener Stadtwerke neu zu gründen.

Dieses mit eindeutigem Ziel: „Wahrnehmung von Aufgaben der Energie- und Wasserversorgung insbesondere im Bereich erneuerbarer Energien sowie der kommunalen Daseinsvorsorge und des kommunalen Infrastrukturmanagements für kommunale Gesellschafter und für die Mindener Bürgerinnen und Bürger“, heißt es im Handelsregistereintrag der Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die ein Stammkapital von 25 000 Euro ausweist.

Dabei lässt die Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln keinen Zweifel daran, dass sie die Stadt Minden gerne mit im Boot haben möchte. Bei einem anvisierten Stammkapital von 500 000 Euro schlägt sie vor, die Kommune solle 51 Prozent übernehmen, die Hamelner Stadtwerke halten eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent.




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