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Patenonkel soll sich im Doppelbett an Jungen (5) vergangen haben

Missbrauch mit Wissen der Eltern?

Rinteln/Bückeburg (ly). Mit Wissen der Kindeseltern soll sich ein Rintelner monatelang an einem fünf Jahre alten Jungen vergangen haben. In einem Prozess vor der 1. Großen Jugendkammer des Bückeburger Landgerichts, der gestern begonnen hat, legt Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein dem 49-Jährigen schweren sexuellen Kindesmissbrauch in 23 Fällen zur Last.

veröffentlicht am 05.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Mit auf der Anklagebank sitzen Mutter und Vater des kleinen Jungen. Das Paar hatte dem mutmaßlichen Kinderschänder, einem entfernten Verwandten der Familie, die Fürsorge und Erziehung ihres Sohnes übertragen. Nahezu jede Nacht schlief der Fünfjährige daraufhin in der Rintelner Wohnung seines Patenonkels, wo es zwischen Anfang September vergangenen Jahres und Mitte Februar 2006 etwa einmal wöchentlich zu sexuellen Übergriffen gekommen sein soll. Die Eheleute, so heißt es in der Anklageschrift, hätten von den Taten gewusst und dennoch weiter geduldet, dass der Junge bei dem Angeklagten schlief, mithin ihre Pflichten "gröblich verletzt". Beide Wohnungen liegen nur wenige Minuten Fußweg voneinander entfernt. In Verdacht geraten war der 49-Jährige, nachdem das mutmaßliche Opfer im Kindergarten von Missbrauch erzählt und ein Bild gemalt hatte. Die Mutter (31) will zunächst nicht gewusst haben, wem sie glauben sollte, ihrem Sohn oder dem Verwandten. "Aber im Endeffekt tut man ja immer das Kind glauben", sagte die Frau vor Gericht. "Weil, ein sechsjähriger Junge tut sich sowas ja nich' ausdenken." Der Patenonkel, mit den Vorwürfen konfrontiert, soll erklärt haben: "Ich packe doch kein Kind an." Vor Gericht versicherte die Mutter, erst nach dem Missbrauch von den Taten erfahren zu haben. Laut einem Vernehmungsprotokoll der Polizei war sie bereits viel früher informiert. Auch der Hauptangeklagte ("Für mich ist das unvorstellbar") beteuerte seine Unschuld. Als "ganz normal" beschrieb der Rintelner den Umgang mit dem Jungen: "Ich habe an ihm gehangen und bin ihm nicht zu nahe getreten." Aus "Angst vorm schwarzen Mann", so erzählt der 49-Jährige, soll der Kleine sich manchmal gefürchtet haben, allein zu schlafen. Wenn die Vorwürfe stimmen, lag der schwarze Mann vielleicht längst mit im Doppelbett. Die drei Menschen auf der Anklagebank der Jugendkammer des Bückeburger Landgerichts sehen aus, als habe das Leben ihnen schon übel mitgespielt. Aus den besten Verhältnissen kommen sie nicht. Mit der Erziehung des Fünfjährigen war das Paar angeblich wegen Problemen bei mindestens einem anderen Kind überfordert. Jedenfalls landete der Junge in der Verwandtschaft. Der Vater (49) des Kleinen steht unter Betreuung, seine Aussage fällt ihm schwer. "Ich wollte es erst nicht glauben", erinnert sich der müde wirkende Mann im schlecht sitzenden Anzug. "Aber dann hat mein Sohn mir gezeigt, was er machen musste." Da hat der Vater sehr geweint.




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