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Mit den Öffis kontrolliert auf Schleuderkurs

Sie chauffieren uns jeden Tag durch den Landkreis Hameln-Pyrmont, tragen die Verantwortung für sich und ihre Fahrgäste, müssen in Gefahrensituationen blitzschnell reagieren und zudem möglichst auch noch ein freundliches Wort für ihre Insassen haben: die Berufskraftfahrer der Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont mbH – der Öffis. Und:

veröffentlicht am 06.08.2010 um 20:03 Uhr
aktualisiert am 01.02.2011 um 14:06 Uhr

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Sie chauffieren uns jeden Tag durch den Landkreis Hameln-Pyrmont, tragen die Verantwortung für sich und ihre Fahrgäste, müssen in Gefahrensituationen blitzschnell reagieren und zudem möglichst auch noch ein freundliches Wort für ihre Insassen haben: die Berufskraftfahrer der Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont mbH – der Öffis. Und: bis zum Jahr 2013 muss jeder Berufskraftfahrer den Nachweis erbringen, an einer Weiterbildung, einer sogenannten Berufskraftfahrer- Qualifikation, teilgenommen zu haben. Nur so wird im Führerschein die Kennzahl 95 eingetragen, die wiederum dazu berechtigt, Personen in Omnibussen gewerbsmäßig zu befördern. Gemeinsam mit der Fahrschule/Verkehrsinstitut Neumann aus Bodenwerder und dem ADAC-Fahrsicherheitszentrum Hannover/Laatzen wird dieses Aufbauseminar (bestehend aus fünf Modulen) durchgeführt. „Der größte Risikofaktor in einem Bus befindet sich vorne links auf dem Fahrerplatz. Die heutigen Omnibusse sind sicher, nur die Fahrer wissen gar nicht, was ihr Arbeitsgerät so alles kann“, bringt es Frank Lenz auf den Punkt. Er ist Trainer im ADAC-Fahrsicherheitszentrum und verantwortlich für die Berufskraftfahrer-Weiterbildungen, an denen allein im Jahr 2009 2500 Personen in Laatzen teilgenommen haben (2010 werden es 3000 Teilnehmer sein). Dirk Hoffmann, Fahrlehrer im Verkehrsinstitut Neumann, legt den Grundstein für das fahrerische Können bei der Ausbildung zum Berufskraftfahrer, und Trainer Frank Lenz vertieft die Ausbildung bei der erwähnten Qualifikation.

Immer wieder gibt es den ganzen Tag über kurze Theorie-Einlagen, doch das Fahren mit dem Omnibus und die unterschiedlichen Übungen bereiten den Teilnehmern sichtlich mehr Spaß. Slalomfahrten, Gefahrenbremsungen aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Bremsübungen und Ausweichmanöver auf einer Gleitfläche, auf der winterliche Straßenverhältnisse simuliert werden können, lassen manchen Teilnehmer an seine Grenzen stoßen und zaubern dem einen oder anderen Aspiranten ein Lächeln ins Gesicht. Angefangen von der richtigen Einstellung des Fahrersitzes sowie des Lenkrades über das korrekte Verhalten gegenüber den Fahrgästen bis hin zum perfekten Ausweichen oder einer hammermäßigen Vollbremsung bei Gefahrensituationen: Es gibt an diesem Tag genügend Eindrücke, die auch von den alten Hasen in dem Beruf erst einmal verarbeitet werden müssen. Auch Konfliktsituationen werden besprochen. „Erklären Sie mal einem Fahrgast im Rollstuhl, dass Sie ihn nicht befördern dürfen, nur weil Sie schon einen Fahrgast im Rollstuhl an Bord haben. Der Ärger ist doch vorprogrammiert“, entfährt es Wilfried Helms. Probleme, die noch harmlos sind. „Brenzliger wird es, wenn man mit dem Bus gerade von der Haltestelle losgefahren ist, die ältere Dame hinten im Bus noch nicht ihren Sitzplatz gefunden hat und man plötzlich eine Vollbremsung hinlegen muss. Nicht selten befindet sich die ältere Person dann ganz schnell vorne im Bus auf dem Schoß des Busfahrers wieder – ungewollt natürlich“, ergänzt Trainer Lenz mit einem Lächeln auf den Lippen.

Und bei allem Stress im öffentlichen Nahverkehr muss der Busfahrer immer schön locker, lieb und nett zu den Fahrgästen bleiben und in jeder Situation besonnen und überlegt handeln. Um diese Routine zu erreichen, sind die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Weiterbildungen sinnig und notwendig, und jeder der Fahrgäste sollte nicht nur an sich selbst, sondern auch an seinen Fahrer denken. Er ist es nämlich, der im Notfall die Fahrgäste retten soll und selbst ebenso ungeschützt ist wie seine Passagiere. Denn: Airbags oder Sicherheitsgurte in Linienbussen bis 80 km/h Höchstgeschwindigkeit sind auch auf den Fahrerplätzen Fehlanzeige!

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An 365 Tagen im Jahr befördert das Fahrpersonal der Öffis mit 41 Linien über 9 Millionen Personen von einer Haltestelle zur anderen. Trocken, sicher und schnell. Damit das bei allen 190 Busfahrern einwandfrei funktioniert, sind Berufskraftfahrer seit neuestem verpflichtet, alle fünf Jahre eine Berufskraftfahrer-Qualifikation nachzuweisen. Wir waren bei dem Sicherheitstraining auf dem ADAC-Gelände in Hannover dabei...

Frank Lenz, Trainer beim ADAC-Fahrsicherheitszentrum Hannover-Messe/Laatzen, weiß, worauf es ankommt. Am wichtigsten ist die richtige Einstellung des Fahrersitzes. Nur so hat der Fahrer sein Arbeitsgerät voll im Griff und Berufskrankheiten wie Rückenleiden können unter Umständen verhindert werden.

Wilfried Helms, seit 1988 als Busfahrer tätig, nimmt an diesem Tag eine Menge mit nach Hause. Slalomübungen, Gefahrenbremsungen, Fahren auf der Gleitfläche und das richtige Verhalten gegenüber den Fahrgästen werden trainiert.

Wilfried Helms, seit 1988 als Busfahrer tätig, nimmt an diesem Tag eine Menge mit nach Hause. Slalomübungen, Gefahrenbremsungen, Fahren auf der Gleitfläche und das richtige Verhalten gegenüber den Fahrgästen werden trainiert.




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