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Mit der Stromrechnung kommt die Wut

Der Blick auf die Stromrechnung vom vergangenen Jahr wird in vielen Haushalten Ärger ausgelöst haben. Schon wieder sind die Kosten gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt haben die regionalen Energieversorger im letzten Jahr ihre Preise für den Strom um zehn Prozent angehoben. In Hameln und Bad Pyrmont lagen die Steigerungen mit 8,5 beziehungsweise 8,4 Prozent etwas darunter. Aber auch schon in den Vorjahren gab es kräftige Preissteigerungen.

veröffentlicht am 16.02.2010 um 10:06 Uhr
aktualisiert am 16.02.2010 um 12:28 Uhr

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Der Blick auf die Stromrechnung vom vergangenen Jahr wird in vielen Haushalten Ärger ausgelöst haben. Schon wieder sind die Kosten gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt haben die regionalen Energieversorger im letzten Jahr ihre Preise für den Strom um zehn Prozent angehoben. In Hameln und Bad Pyrmont lagen die Steigerungen mit 8,5 beziehungsweise 8,4 Prozent etwas darunter. Aber auch schon in den Vorjahren gab es kräftige Preissteigerungen. So ist der Arbeitspreis für die Kilowattstunde Strom für den Durchschnittsverbraucher in den letzten fünf Jahren zum Beispiel bei e.on Westfalen Weser um zweiundvierzig Prozent gestiegen. Zum 1. Mai wird der Strom von e.on Westfalen Weser nun für den Durchschnittshaushalt um weitere 5,8 Prozent teurer, wie das Unternehmen gestern mitteilte, auch e.on Avacon erhöht den Preis.

Obwohl die Verbraucher beim Kauf von Elektrogeräten verstärkt auf geringen Stromverbrauch achten und zunehmend die ungeliebten Energiesparlampen einschrauben, ist die Belohnung bei der Stromrechnung ausgeblieben. Denn die Strompreise scheinen nur eine Richtung zu kennen – immer weiter nach oben. Und das wird wohl auch 2010 so bleiben. Das Internetportal für Energie und Telekommunikation Verivox ermittelte nämlich schon im Dezember 140 Versorger, die ihre Preise in diesem Jahr erhöhen werden. Darunter auch Großversorger wie Vattenfall und EnBW.

Was ist also von den Stadtwerken zu erwarten, die zum Beispiel in Hameln nach eigenen Angaben deutlich über neunzig Prozent der Stromversorgung in den privaten Haushalten leisten? Die Stadtwerke Hameln und die Stadtwerke Weserbergland bilden eine Tarifgemeinschaft und treten am Markt mit einheitlichen Preisen auf. Zuletzt wurde der Preis für die Kilowattstunde (kWh) Strom am 1. Februar 2009 erhöht. „Zurzeit ist keine Preisänderung geplant und wir hoffen, dass wir die Preisstabilität so lange wie möglich halten können“, teilt dazu Beate Mehren von den Stadtwerken Hameln mit.

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Auch Dieter Boldt, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Pyrmont, hält seine Strompreise im Jahr 2010 „vorerst“ stabil, wie er betont, ohne aber eine Garantie für das ganze Jahr abgeben zu können. „Der Strompreis wird schließlich auch von der Konjunkturentwicklung beeinflusst“, meint der Chef der Stadtwerke, und die lasse sich schwer voraussagen.

Die Bezieher von Strom bei den Stadtwerken Rinteln hingegen müssen seit Januar im Standardtarif 10,8 Prozent mehr für die Kilowattstunde (kWh) bezahlen. Für einen Dreipersonenhaushalt mit 3500 kWh Jahresverbrauch bedeutet das Mehrkosten von 83 Euro im Jahr. Geschäftsführer Jürgen Peterson macht dafür gestiegene Beschaffungskosten und die um einen Cent auf 2,047 Cent pro kWh gestiegene Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verantwortlich. Mit der EEG-Umlage zahlt der Verbraucher die staatliche Förderung bei der Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse. Sie mache allein die Hälfte des Preisanstiegs aus, betont Jürgen Peterson.

Tatsächlich ist es so, dass der Strompreis zum Vehikel für alle möglichen staatlichen Lenkungsziele geworden ist. Neben der EEG-Umlage sind im Strompreis noch eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage (KWK), die Stromsteuer, auch Ökosteuer genannt, und die Konzessionsabgabe an die Gemeinden enthalten. Zum Schluss kommt auf alles die Mehrwertsteuer noch oben drauf. Laut einer Berechnung der Stadtwerke Hameln sind damit 42 Prozent des Strompreises allein durch staatliche Steuern und Abgaben bestimmt (siehe Grafik). Dass es beim Sprit fast 80 Prozent sind, kann nicht wirklich trösten, denn beim Strom kommen noch die unvermeidlichen Netzentgelte dazu. Die sind zu bezahlen, damit der Strom vom Erzeuger beim Verbraucher in der Steckdose ankommt.

Zwar werden die Entgelte für das Stromnetz staatlich kontrolliert, schlagen aber trotzdem mit einem Anteil von 26 Prozent zu Buche. Bevor die Stadtwerke also anfangen können, den Strompreis zu beeinflussen, stehen schon zwei Drittel des Preises fest. Und auch beim Rest ist der Handlungsspielraum begrenzt. Nur zehn bis fünfzehn Prozent des Stromes erzeugen die Stadtwerke selbst. Eigene Wasserkraft- und Blockheizkraftwerke sowie die Beteiligung an Biogas- und Windkraftanlagen können nur einen Bruchteil des Strombedarfs abdecken. Die Hauptlast muss zugekauft werden.

Früher wurden Stromlieferverträge mit den großen Stromerzeugern über Zeiträume von zwanzig Jahren geschlossen. Dabei war man natürlich mehr oder weniger dem Preisdiktat der Lieferanten ausgesetzt, erklärt Dieter Boldt von den Stadtwerken Bad Pyrmont. Heute kaufen die Stadtwerke den Strom überwiegend in Partien an der Strombörse in Leipzig ein. Wenigstens habe man durch eine vorausschauende Einkaufspolitik eine gewisse Preissicherheit, versichert Boldt und weiter: „Wir verkaufen heute überwiegend den Strom, den wir vor ein bis zwei Jahren eingekauft haben, und auch heute wird schon Strom für den Verbrauch in 2011 und 2012 geordert.“

Als einen der Gründe für die in den letzten Jahren gestiegenen Strompreise nennt auch Susanne Treptow, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln, die Beschaffungskosten und hat da die vier Stromriesen e.on RWE, EnBW und Vattenfall im Visier. „Wir beziehen die Prügel für höhere Strompreise, und e.on verdreifacht innerhalb weniger Jahre seinen Gewinn auf zuletzt elf Milliarden Euro“, sagt sie. Außerdem befürchtet sie, dass in Zukunft bei den Netzkosten weitere Erhöhungen zu erwarten sind. „Um den Strom von den geplanten Windkraftanlagen der Nordsee in das Netz einzuspeisen, sind gigantische Investitionen nötig, die uns automatisch höhere Netzentgelte bescheren werden“, meint sie. Und je mehr Strom aus regenerativen Quellen ins Netzt eingespeist wird, desto höher wird die EEG-Umlage. Selbst die Befürworter der Atomenergie dürfen sich von der im Koalitionsvertrag angekündigten Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke nicht allzu viel versprechen. Der Staat will die entstehenden Zusatzgewinne abschöpfen, und die Großverbraucher in der Industrie haben schon Ansprüche auf den billigen Atomstrom angemeldet. Also nirgendwo Anzeichen, die auf sinkende Strompreise hoffen lassen.

Aber es gibt ja noch die Billiganbieter im Internet. Der Wechsel des Stromanbieters wird den Verbrauchern denkbar einfach gemacht. Über die verschiedenen Internetportale wie Toptarif oder Verivox lässt sich schnell ein günstiger Anbieter finden. Der nimmt in der Regel dem Wechselwilligen auch noch alle Formalitäten der Kündigung ab. Allerdings muss man genau hinschauen, wie die Vertragsbedingungen lauten. Die sogenannte Wechselprämie gibt es nämlich nur einmal. Und ob man zum Beispiel den Strom für ein Jahr oder ein Quartal im Voraus bezahlen, eine längere Kündigungsfrist in Kauf nehmen und bei einem Problem im Callcenter landen will, sollte ebenfalls gut überlegt sein. Trotzdem kann ein Wechsel lohnend sein, denn außer bei den Unterschieden in der Vertragsgestaltung gibt es beim Strom keine gute oder schlechte Qualität.

Trotzdem wird uns der Strom wohl auch in Zukunft nicht nur lieb, sondern auch teuer sein. Nicht zuletzt weil das politisch so gewollt ist. Die beste Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, ist und bleibt deshalb das Energiesparen. Und wenn damit die Stromrechnung zumindest nicht steigt, ist das ja auch schon ein Erfolg.

Dieter Boldt, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Pyrmont, hat die Preise an der Strombörse fest im Blick.

Foto: khr

Die Verbraucher sparen und sparen, doch bei der Stromrechnung machen sich die Anstrengungen nicht bemerkbar: Trotz der Liberalisierung des Marktes, trotz sinkender Entgelte für die Stromnetze und trotz rückläufiger Konjunktur – der Preis steigt auch 2010.




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