weather-image
21°
×

Diebstähle im Baumarkt: Gericht verhängt Geldstrafen gegen zwei Frauen / Liebe des früheren Paares ist nicht mehr zu reparieren

Mit einem Bohrschrauber fing alles an

Bad Nenndorf/Stadthagen. Früher waren sie ein Paar. Heute würdigen sich die zwei Frauen keines Blickes mehr. Auf der Anklagebank dreht die eine der anderen demonstrativ den Rücken zu. In einer Verhandlungspause zischt sie ihrer Ex auf dem Flur des Stadthäger Amtsgerichts etwas hinterher, das nicht freundlich klingt. Sauer stößt der 38-Jährigen auf, dass die jüngere Frau (30) ein Geständnis ablegt, das auch sie belastet. Am Ende werden beide verurteilt.

veröffentlicht am 06.03.2014 um 19:05 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 17:22 Uhr

Es geht um diverse Diebstähle aus einem Baumarkt in Bad Nenndorf, wo die ältere Angeklagte damals, im Sommer und Herbst 2012, gearbeitet hat. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft haben die Frauen ein buntes Sortiment an Waren mitgehen lassen: Zigaretten, Bretter, ein Planschbecken, Spielzeugtiere für den Pool, Farben und auch mal einen Akku-Schrauber, alles zusammen im Wert von etwa 500 Euro. Die Sachen landeten in der gemeinsamen Wohnung.

Gegen die ältere Frau verhängt Richter Kai Oliver Stumpe eine Geldstrafe von 650 Euro – im Fall der zwischenzeitlich Arbeitslosen mehr als zwei Monatseinkommen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die Firma ihr gekündigt. „Das Vertrauensverhältnis war arg gestört“, erinnert sich die Marktleiterin. „Die Kündigung ist kein Indiz, dass sich meine Mandantin strafbar gemacht hat. Gekündigt werden kann man wegen eines Verdachts“, betont Verteidigerin Kersten Woweries.

Die zweite Angeklagte muss 400 Euro Geldstrafe wegen Diebstahls und Hehlerei zahlen. Ihr Geständnis wirkt sich strafmildernd aus. Richter Stumpe hat der 30-Jährigen geglaubt. Ein Grund: „Die Angeklagte hat sich damit auch selbst belastet.“ Sie war es, die damals im Baumarkt angerufen hatte, um über Diebstähle zu berichten, begangen mutmaßlich von ihrer Freundin.

Kurz vor dieser Offenbarung will die Arbeitslose eine Mail bekommen haben, in der es sinngemäß hieß, dass die Sachen gestohlen seien. In der Wohnung sahen die Marktleiterin und ein von ihr verständigter Gebietsleiter unter anderem selbst gebaute Möbel aus gestohlenen Brettern, angestrichen mit geklauter Farbe.

Dass es sich um Diebesgut handelte, dürfte der 30-Jährigen bereits klar gewesen, als ihre Lebensgefährtin mit einem Akkuschrauber nach Hause kam. „Hast Du den bezahlt?“, will sie gefragt haben. „Nein, warum auch? Für die Arbeit, die ich mache, werde ich zu schlecht bezahlt“, soll die Antwort gewesen sein. Später will die jüngere Frau den Gedanken an Diebstahl „verdrängt“ haben. Heute schätzt sie, dass es bis zu zehn Taten waren. Sie selbst hat mehrfach Diebesgut aus dem Markt abgeholt.

Nicht mehr zu reparieren war die Liebe. Die Trennung nach nur drei Monaten sei „recht emotional“ verlaufen. Anschließend, so die 30-Jährige, sei das Gerücht gestreut worden, sie habe wegen Mordes im Gefängnis gesessen. Eine glatte Lüge, denn sie saß wegen Betruges, und das liegt bereits so lange zurück, dass der Eintrag im Vorstrafenregister längst getilgt ist. ly




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige