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Mit Falschgeld die „Arschkarte“ gezogen?

Es ist Samstagmittag und ziemlich voll im Tabakladen, wo die Kunden Lottotipps abgeben oder, wie ich, ihre spezielle Sorte Zigaretten kaufen. Ich habe kein Kleingeld dabei, nur einen 50-Euro-Schein, den ich der Verkäuferin herüberreiche. Sie verschwindet damit an eine hintere Kasse und als sie endlich zurückkommt, sagt sie: „Tut mir leid, der Geldschein ist gefälscht!“ Zum Beweis zieht sie den Fünfziger erneut durch das aufpiepende Prüfgerät. „Den Schein kann ich nicht annehmen!“ Was nun?

veröffentlicht am 24.03.2010 um 11:00 Uhr

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Natürlich werden die anderen Kunden auf die Sache aufmerksam. Die Verkäuferin hält den Schein in die Höhe: „Der sieht ja auch irgendwie falsch aus“, meint sie unter Zustimmung der Umstehenden, die mich teils misstrauisch, teils mitleidig anblicken. Aber kann das denn sein? Ich weiß genau, dass ich das Geld aus dem Bankautomaten gezogen hatte. „Dann bringen Sie den eben zur Bank zurück“, sagt einer. Und ein anderer: „Aber passen Sie auf, den behalten die gleich da, und dann war’s das mit Ihren 50 Euro!“ Die Verkäuferin bestätigt das: „Letztes Jahr war ein falscher Fünf-Euro-Schein in meiner Kasse. Ich merkte das erst, als ich das Geld in den Bankautomaten einzahlte. Die fünf Euro wurden nicht auf meinen Kontostand angerechnet und ich bekam sie auch nicht wieder. Deshalb habe ich mir ja auch das Prüfgerät angeschafft.“

Ich muss meinen unbezahlten Tabak wieder rausrücken, nehme den falschen Fuffziger entgegen und fühle mich sehr beobachtet, als ich den Laden verlasse. Sicher gucken jetzt alle, ob ich versuchen würde, das Falschgeld in irgendein anderes Geschäft zu tragen. Ich mache mich auf den Weg zur Bank, um dort nachzufragen, wie das mit dem Falschgeld hatte passieren können. Als langjährige Kundin würde man mir den Schein ja wohl umtauschen. Die Schalter sind aber schon geschlossen. So hole ich mir nur neues Geld aus dem Automaten und wandere dann über den Wochenmarkt zum Bäckerstand, wo wie immer allerlei Leutchen herumstehen und der Bäcker mir einen Kaffee ausgibt.

Natürlich erzähle ich von meinem Missgeschick und wieder wird der Schein von kritischen Augen begutachtet. Da ich ihn in meiner Hosentasche herumgetragen habe, ist er ziemlich zerknittert und er hat auch einen kleinen Riss, genau da, wo der Sicherheitsfaden verläuft. „Was für ein Sicherheitsfaden – da ist doch gar keiner“, meint der Bäcker. „Ganz klar: Gefälscht!“ Und nun wird über Falschgeld gesprochen und darüber, was man tun soll, wenn man das Pech hatte, einen falschen Schein zu erwischen.

Ein älterer Mann zwinkert mir vertraulich zu: „Den müssen Sie wieder loswerden! Also ich jedenfalls würde den Schwarzen Peter vorsichtshalber weitergeben.“ Der Bäcker grinst: „Aber bitte nicht an mich!“ Ein anderer Mann erzählt, er habe gelesen, dass jemand mal nachweislich Falschgeld aus einem Berliner Bankautomaten gezogen habe und es trotzdem abgeben musste: „Sauerei so was, und wir müssen dafür gerade stehen!“ Ein dritter sagt: „Sie haben doch selber nicht gemerkt, dass der Schein gefälscht ist. Ich würde unschuldig tun und einfach woanders damit bezahlen.“

Im Hin und Her gebe ich mir zu, dass ich wohl geneigt wäre, ebenso zu handeln. Kann ich was dafür, dass dieser Schein bei mir anlandete? Da ich aber so sicher war, den Schein aus dem Automaten erhalten zu haben, verspreche ich allen, bei meiner Bank nachzufragen. „Die werden mir das Geld ersetzen“, sage ich. „Viel Glück dabei!“ heißt es allerseits.

Es stellt sich aber heraus: Ich hätte kein Glück gehabt! Am folgenden Montag auf der Sparkasse werde ich von einer Bankangestellten, der ich die Sache darlege, mit einem rätselhaften Lächeln zum Kassierer geschickt. Der lächelt ebenfalls so eigenartig und sagt: „Wenn der Schein tatsächlich aus unserem Autoamten kam, kann er gar nicht falsch sein.“ Noch hat er den Fünfziger nicht entgegengenommen. Ich frage, was denn passieren werde, wenn ich ihn jetzt herüberreiche und er doch gefälscht ist. „Probieren Sie es aus!“, ist die vieldeutige Antwort. Kann ich jetzt noch einen Rückzieher machen? Nein. Ich beiße in den sauren Apfel und gebe den Fünfzig-Euro-Schein heraus. Der Kassierer lässt ihn durch das Prüfgerät laufen und – er ist gar nicht gefälscht! Der Riss am Sicherheitsfaden hatte wohl das empfindliche Gerät im Zeitschriftengeschäft getäuscht.

Und was, wenn es doch Falschgeld gewesen wäre? „Dann – ja, dann hätten Sie die Arschkarte gezogen!“, so der Kassierer in jetzt zweifelloser Eindeutigkeit und gibt mir einen nagelneuen Schein im Austausch für den defekten.

Das alles war so zwiespältig. Hätte ich tatsächlich 50 Euro verlieren können, weil andere Leute Banknoten fälschen? Ist der Ehrliche in diesem Fall der Dumme? Und wäre ich eine Verbrecherin, wenn ich einfach mit Falschgeld, das mir zugespielt wurde, in einem Geschäft ohne Prüfgerät bezahle?

„Dann hätten Sie sich eindeutig strafbar gemacht“, so Werner Nickel, Pressesprecher der Sparkasse Schaumburg, „jedenfalls dann, wenn Sie vorher wussten, dass der Schein gefälscht ist.“ Geschäftsleute zwar dürfen Geldnoten, die von ihrem Prüfgerät als falsch erkannt werden, an die Kunden zurückgeben. Diese aber müssen sich korrekterweise sofort an die Polizei wenden, wo das Geld dann ersatzlos eingezogen wird. Auch die Banken sind verpflichtet, Kunden, die Falschgeld anbringen, der Polizei zu melden.

Warum das Falschgeld ersatzlos eingezogen werde, frage ich. Hat nicht auch der Staat eine Mitverantwortung dafür, dass Geldfälschung überhaupt möglich ist, muss er nicht die geprellten Bürger entschädigen? Da lacht der Banker: „Das würde den Geldfälschern schön passen! Der Staat als Annahmestelle für ihre gefälschten Scheine!“

Die Banken ersetzen nur defekte Scheine, das heißt solche, die ursprünglich von der Deutschen Notenbank herausgegeben worden sind. „Ein falscher Geldschein ist aber nun mal keine Banknote, sondern nur ein bedrucktes Stück Papier.“

Nicht anders lautet die Auskunft bei der Volksbank in Schaumburg. „Die Banken sind Teilnehmer im Wirtschaftskreislauf“, so Marktbereichsleiter Ansgar Haverkamp. „Wir können den Kunden nicht das Risiko in Bezug auf Geldfälschungen abnehmen.“ Jeder Bürger trage selbst die Verantwortung und müsse Geldscheine, die er entgegennehme, sorgfältig auf Echtheit prüfen, vor allem dann, wenn er, wie manchmal bei einem privaten Autoverkauf, größere Mengen bar entgegennehme.

Dass man Falschgeld aus einem Bankautomaten beziehen könne, hält Haverkamp für ebenso ausgeschlossen wie sein Kollege in der Sparkasse. Die Automaten würden mit direkt von der Deutschen Notenbank gelieferten Scheinen bestückt oder mit solchen Scheinen, die eine sorgfältige Prüfung der Kassierer durchlaufen hätten. Auch während des Auszahlens durch den Automaten würden die zuvor bereits geprüften Scheine erneut kontrolliert. Noch niemals sei es vorgekommen, dass einer ihrer Automaten Falschgeld ausgespuckt habe, so beide Banker.

Allerdings gebe es immer mal wieder – selten zwar – den Fall, dass jemand mit gefälschtem Geld in der Bank erscheine. Dass derjenige dann die „Arschkarte“ gezogen habe – ja, das könne man ruhig so drastisch ausdrücken, meint Werner Nickel.

Ähnlich bekommt man es aus dem Polizeikommissariat Rinteln zu hören. „Wir nehmen immer den besten Fall an und gehen davon aus, dass der Schein gutgläubig erworben wurde“, so Kriminalbeamter Ulrich Suhrmann. „Aber einziehen müssen wir das gefälschte Geld unbedingt.“ Durch genaue Befragungen versuche man herauszubekommen, woher das Geld stammen könnte. Meistens müsse eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet werden.

Beschlagnahmtes Falschgeld wird in die Polizeiinspektion Schaumburg-Nienburg geschickt. Dort prüft man, ob es sich um Scheine aus einer Fälscherserie handelt, und verfolgt weitere Anhaltspunkte. Im vergangenen Jahr habe es in Rinteln zwei oder drei Fälle von Falschgeld gegeben. Die meisten Fälschungen seien so schlecht, dass sie schnell aufflögen, erklärt der Kriminalbeamte Ulrich Suhrmann. Er sagt: „Rinteln ist nicht gerade eine Hochburg für Falschgeld.“

Trotzdem war erst Anfang Januar ein Falschgeld-Fall in Rinteln bekannt geworden: Ein Familienvater aus Todenmann hatte sich am Schalter einer Rintelner Bankfiliale einen Hundert-Euro-Schein auszahlen lassen, der bei der späteren Wiedereinzahlung als Falschgeld erkannt wurde (wir berichteten). Obwohl der Kunde beteuerte, den ursprünglich für einen Möbelkauf vorgesehenen Geldschein in der Zwischenzeit nicht aus der Hand gegeben zu haben, wies der Zweigstellenleiter die Beschwerde des Mannes ab: Der Geldschein könne nicht aus dem Kreditinstitut stammen, die Prüfautomatismen würden falsche Banknoten erkennen. Und so blieb der ehrliche Todenmanner auf dem Schaden hängen: Er ging zur Polizei, wo er die „Blüte“ abgab und Anzeige gegen Unbekannt erstattete.

Tatsache bleibt: Jeder, der mit Geld Umgang hat, sollte über die Sicherheitsmerkmale Bescheid wissen. Sind der metallene Sicherheitsfaden und das im Gegenlicht erkennbare Wasserzeichen vorhanden? Wirkt das schillernde „Anti-Kopier-Hologramm“ überzeugend? Fühlt sich das Papier härter an als normales Papier? Wo da Unsicherheit besteht, sollte man einen Schein lieber nicht annehmen. Einen als Fälschung erkannten Schein nicht der Polizei zu melden, sondern einfach weiterzugeben, das stellt ein strafwürdiges Vergehen dar.

Drei Tage nach meinem Falschgelderlebnis komme ich wieder am Bäckerstand mit seinen Kaffeetrinkern vorbei. Dort ist die Sache keineswegs vergessen. „Na – bist du nun um 50 Euro ärmer?“ fragt der Bäcker und freut sich mit mir, dass ich noch mal glimpflich davongekommen bin. Ob alle diejenigen, die von der Geschichte erfuhren, nun den Schluss daraus ziehen, zweifelhafte Scheine auf jeden Fall offiziell zu melden, das sei allerdings dahingestellt.

Die Deutsche Bundesbank gibt im Internet (www.bundesbank.de) mehrere Sicherheitshinweise zur Echtheit von Banknoten – die drei Prinzipien sind Fühlen, Sehen, Kippen.

Fühlen

Fühlen Sie die erhabene Oberfläche – besondere Drucktechniken verleihen den Banknoten ihre einzigartige Struktur. Die Abkürzung der Europäischen Zentralbank, die Wertzahlen und die Abbildungen der Fenster beziehungsweise Tore heben sich von der Oberfläche ab. Bitte beachten Sie, dass durch Alter und Abnutzung einige dieser Eigenschaften teilweise verloren gehen können.

Sehen

Sehen Sie die Banknote im Gegenlicht an: Das Wasserzeichen, der Sicherheitsfaden und das Durchsichtsregister werden sichtbar. Alle drei Merkmale sind sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite echter Banknoten zu erkennen.

Kippen

Kippen Sie die Banknote: Im Hologramm erscheint auf der Vorderseite das Euro-Symbol und die Wertbezeichnung im Folienstreifen (bei den niedrigen Stückelungen 5, 10 und 20 Euro) beziehungsweise das Architekturmotiv und die Wertbezeichnung im Folienelement (bei den hohen Stückelungen 50, 100, 200 und 500 Euro). Auf der Rückseite wird beim Kippen der Banknote der Glanzeffekt des aufgebrachten Perlglanzstreifens sichtbar (bei den niedrigen Stückelungen) beziehungsweise die Farbveränderung der optisch variablen Farbe (bei den hohen Stückelungen).




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