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IMAS lockt viele Zuhörer ins Schloss

Mit Geige, Klavier und Stimme brilliert

Bückeburg. Eines ist sicher: Wer auch in Zukunft Bach, Schumann und Co. auf hohem Niveau genießen will, sollte nicht in Aktien, sondern in die kommenden Künstlergenerationen investieren. Genau dieses tut die IMAS, die Internationale Musikakademie für Solisten, bei den Meisterkursen. Ihr Können demonstrierten jetzt - während der 28. Arbeitsphase - im ausverkauften Festsaal des Schlosses mit angemessenem Selbstbewusstsein Kursteilnehmer der Professoren Karl-Heinz Kämmerling, Klavier, Igor Ozim, Violine, und Helena Lazarska, Gesang.

veröffentlicht am 19.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:21 Uhr

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Im ersten, etwas langatmigen Teil setzten die Pianisten Shaun Choo und Alexej Gorlatch die Rhythmen der Chaconne d-Moll von Bach/Busoni, beziehungsweise Schumanns Phantasiestücke, op. 12, ausgependelt zwischen extensiven und zarten Stellen um. Besonderer Applaus galt zwischendurch Geigerin Wen Chon Lin für deren Darbietung des mit allen Raffinessen gespickten "I Palpiti" von Paganini. In Lins Interpretation vereinigte sich spieltechnisches Geschick mit warmem Ton. Vorher fiel Sopranistin Kamila Kulakowska bei Händels Rezitativ und Arie der Cleopatra durch kräftigen Sopran auf. Außerdem machte sich die Sängerin für Grieg und Strauss stark. Anspruchsvoll und gleichzeitig abwechslungsreich ging es mit dem Bariton Oskar Koziolek weiter, der - wie alle Vokalisten kongenial am Piano vom Grzgorz Biegas unterstützt - stilsicher Rezitativ und Arie des Grafen aus Mozarts "Le Nozze di Figaro" beisteuerte. Obwohl ein wenig angestrengt in der Höhe, gelang es der grazilen Sopranistin Marta Brzezinska, aus drei beseelten Schöpfungen des ehemaligen Bückeburger Hofkappellmeisters Richard Sahla Charakterstudien zu entwickeln. Temperamentgeladen und trotzdem kontrolliert traf Saitenexperte Jaroslaw Nadrzyck das Wesen der in die Beine gehenden "Polonaise D-Dur", op. 4, aus der Feder Wieniawskis. Verheißungsvoll blitzten später Kathrin Ten Hagens außerordentliches Geigengeschick und ihr nobler Sound im von Saint-Saens und Ysaye geschaffenen "Valse Caprice" auf. Als anpassungsfähiger Klavierbegleiter der Streicher fungierte übrigens auf bewährte Weise Alan Brown. Eine Menge Gespür für die "Abegg-Variationen" und nicht nachlassende Hingabe an dieses Notenwerk bildeten schließlich das Fundament der konturenreichen pianistischen Schumann-Offenbarung der Valentina Babor. Ungewöhnlich faszinierend formte zum Schluss Mona Ott die "Spanische Rhapsodie". Die 15-Jährige putzte die schon ins Dämonische übergreifende Klaviererfindung dieses Liszts mit so enormer Energie und akrobatischer Fingerfertigkeit aus, dass sie das Publikum selbst nach drei Stunden zu lautstarken Ovationen hinriss. Kleiner Wermutstropfen an dem langen Abend: Das Programm verriet weder Alter noch Nationalität der wegen der schummrigen Beleuchtung nicht gut erkennbaren Mitwirkenden.




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