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Horst Deerberg würdigt Wilhelm Mensching / Als Missionar in Ost-Afrika verhaftet

Mit Herz und Zivilcourage

Meinsen-Warber. Die Pflege der heimischen Mundart haben sich nicht mehr viele Schaumburger auf die Fahne geschrieben. Meistens sind es im dörflichen Raum lebende ältere Mitbürger, die sich zu diesem Zweck zusammenfinden. „De Twasloepers“ in Meinsen-Warber treffen sich seit einigen Jahren einmal monatlich. Und dabei gibt es auch so großartige Vorträge wie jetzt denjenigen über Wilhelm Mensching.

veröffentlicht am 11.02.2016 um 14:21 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 06:22 Uhr

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Bei dieser Gemeinschaft fallen einige Besonderheiten auf. In ihren Reihen befinden sich auch einige jüngere Einwohner. Frauen sind ohnehin gut vertreten. Sie diskutieren auf Platt mit und tragen auch mundartliche Texte vor. Und schließlich konzentriert sich immer wieder ein anderes Mitglied der Gruppe auf ein eigenes Thema. Die Protokolle aller Monatssitzungen werden am Jahresende zusammengefasst und den Mitgliedern zugänglich gemacht. Nach Möglichkeit werden plattdeutschen Beiträge illustriert.

Im Vorjahr wurden zum Beispiel Vorträge gehalten über das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bei Porta Westfalica und über das Mindener Wasserstraßenkreuz. Beim Februar-Treffen ging es nun um eine herausragende Persönlichkeit aus dem Schaumburger Land, die leider nicht immer die verdiente Wertschätzung erfuhr. Es handelt sich um Pastor Wilhelm Mensching, der für hohe menschliche Werte eintrat, viel Mut, Charakterstärke, Weitsicht und Zivilcourage besaß.

Horst Deerberg erinnerte an den 1887 in Lauenhagen geborenen Seelsorger. Das Abitur hatte er am Adolfinum gemacht und in Berlin, Kiel, Göttingen und Hamburg Geschichte, Medizin, Sprachen und Theologie studiert. In den Semesterferien half der junge Mann im Krankenhaus Bethel in Bückeburg bei der Pflege der Patienten. Der Leiter des Krankenhauses, Friedrich von Bodelschwingh, schätzte ihn schon damals als geborenen Missionar ein.

Nach dem abgeschlossenen Theologiestudium bewarb sich Mensching in der Tat auch um eine Missionarsstelle im damaligen Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Ruanda. 1913 folgte ihm seine Verlobte Anna Thielking, eine Pastorentochter.

Von belgischen

Soldaten verhaftet

Nach ihrer Ankunft wurde am Viktoriasee geheiratet. Beide leiteten dann die Missionsstation. Auf diese nicht leichte Aufgabe hatten sie sich zuvor gründlich vorbereitet.

Sie hatten eine andere Vorstellung von der Menschenbehandlung als die Vorgänger, die sich als Herrenmenschen aufgeführt hatten. 1916 wurde das Ehepaar von belgischen Soldaten als Kriegsgefangene verhaftet. Anna war mit Zwillingen hochschwanger und ihr Mann krank. Beide wurden unmenschlich behandelt. Eines ihrer Kinder kam behindert zur Welt, weil die Soldaten Anna in den Leib getreten hatten.

Wilhelm Mensching kam nach Indien in englische Gefangenschaft. Seine Frau musste noch zwei Jahre mit ihren Kindern in Afrika bleiben, ohne Kontakt mit ihrem Mann zu haben. Bodelschwingh hat dafür gesorgt, dass Anna mit ihren Söhnen wieder die Freiheit erlangte und mit ihrem Ehemann vereint wurde.

Wilhelm Mensching hatte sich in Indien intensiv mit Gandhi und seinen Lehren befasst. Er wurde ihm für seinen Lebensweg zum Vorbild. Nach der Rückkehr nach Deutschland wurde Mensching Pastor in Petzen und blieb es über 32 Jahre hinweg. Sein 1922 geborener Sohn fiel 1944 im Krieg.

Im gleichen Jahr trat Wilhelm Mensching dem Internationalen Versöhnungsbund bei. Das war damals die größte christliche Friedensorganisation. Zehn Jahre später wurde der Petzer Theologe Chef dieser Gemeinschaft in Deutschland und hielt als einziger Europäer einen Vortrag beim Panafrikanischen Kongress in den USA.

Als die Nazis an die Macht gelangten, gab es für Mensching zunehmend mehr Spannungen wegen seiner pazifistischen Einstellung. Unterstützung fand er auch bei der eigenen Landeskirche nicht. Zuerst wurde der Versöhnungsbund verboten; dann wurde Menschings Reisepass eingezogen. Die Gestapo besuchte das Pastorenhaus öfter.

Vermutlich haben der Bürgermeister, der Gendarm und viele andere Gemeindemitglieder verhindert, dass ihr Seelsorger verhaftet wurde. Zugeteilte Zwangsarbeiterinnen saßen beim Pastor mit am Tisch. Ein zugelaufener junger Russe wurde versteckt. Mensching bewahrte auch die 23-jährige Jüdin Ruth Lilienthal vor den NS-Schergen. Auf Antrag der Geschichtswerkstatt der Bückeburger Herderschule bekam Mensching in Yad Vashem in Israel den Titel „Gerechter unter den Völkern“ zuerkannt.

Nach dem Krieg entstand auf dem Weinberg das von Wilhelm Mensching geleitete Internationale Freundschaftsheim. Unterstützt wurde die damals erste Einrichtung dieser Art in Deutschland von den Quäkern. Im Jahre 1962 verlieh die Jenaer Universität Pastor Mensching den theologischen Doktortitel.

Der 1964 Verstorbene bleibt ein Vorbild für alle Menschen, die sich an Gottes Wort und an seine Gebote halten.




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