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Kleinenbremer Heimatfreunde auf den Spuren einer Industrie, die nur wenige Spuren hinterlassen hat

Mit Kalköfen zu Reichtum

Kleinenbremen. Wer früher einen Kalkofen hatte, war ein gemachter Mann. „Die Betreiber haben so viel Geld verdient, dass sie es in Säcken nach Hause tragen mussten“, sagt Walter Caselitz. Natürlich übertreibt der Vorsitzende des Heimatvereins Kleinenbremen ein wenig. Fakt ist jedoch, dass Kalköfen bis zum Niedergang dieser Industrie ein überaus lohnendes Geschäft waren.

veröffentlicht am 25.02.2016 um 12:35 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:22 Uhr

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Wie die Pilze waren die Öfen im 19. Jahrhundert aus dem Boden geschossen. Allein in der Gemarkung Kleinenbremen (einschließlich Wülpke) gab es 13 davon. Im Kleinenbremer Kirchspiel, zu dem außerdem Schermbeck, Selliendorf, Knatensen und Luhden gehörten, standen mindestens 17. Einfachen Brennkalk nahm man zum Düngen der Felder, gelöschten Kalk zum Beispiel für den Mindener Festungsbau.

Als Minden nach den Befreiungskriegen zur Garnisonsstadt wurde, begann dort im Jahre 1816 der Neuaufbau des Festungsgürtels. An den Hängen der Gebirge qualmten die Schornsteine der Öfen. Verwendung fand Kalk auch bei der Verhüttung von Eisenerz oder in der Glasindustrie.

Auf ihrem jüngsten Schnatgang haben die Kleinenbremer Heimatfreunde an sechs Standorten früherer Kalköfen Halt gemacht. Nur von einem, dem Doppelkalkofen Kruse an der Hainebergstraße in Barksen, sind noch Ruinen zu sehen, die übrigen fünf komplett abgerissen. So lange ist das alles noch nicht her, denn der Kalkofen Kruse war bis 1959 in Betrieb, bevor er 1965 bis auf einen Stumpf abgebrochen wurde.

Gegründet hatte Albrecht Kruse den Betrieb in den Jahren 1926 und 1927, zur Zeit der Weimarer Republik also. Beim Bau vertraute Kruse auf eine Seilwinde, die sechs Pferde ersetzte und damit Mensch und Ross angesichts der Steigung des Weges von 13 Prozent schonte. Gleichzeitig kam der Transport des Baumaterials deutlich billiger. Später führte Kruses Bruder Ewald den Betrieb weiter.

In Kleinenbremen war dies die letzte Kalkbrennerei, wo Kalkstein und Koks zu Kalk verbrannten. Drei von sechs Kalköfen auf der Route des Heimatvereins standen seinerzeit an der Straße Zum Brinkhof, jeweils einer am Spellmannsbrink und der Selliendorfer Straße. All dies geht aus einer Dokumentation über die „Kalkgewinnung am Weser- und Wiehengebirge“ hervor, die Brunhild Barbara Züche 1998 veröffentlicht hat.

Im Herbst 2013 war in Nammen nach 119 Jahren der Kalkofen Timmerberg abgerissen worden. „Ich bedaure sehr, dass dieser letzte Zeitzeuge plattgemacht wurde“, sagt Walter Caselitz. Eine Sanierung des maroden Bauwerks, stillgelegt in den 1960er Jahren, hätte vermutlich mehr als eine halbe Million Euro gekostet. Deshalb und weil sich keine Initiative fand, um den Kalkofen zu betreiben, stimmte schließlich auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) einem Abriss zu, obwohl dieser das Denkmal ursprünglich erhalten wollte.

Angeführt hat den Schnatgang (etwa vier Kilometer) der Landschaftswart Eckhard Bruß, unterwegs waren rund 45 Heimatfreunde. „Das Interesse ist groß“, freute sich Walter Caselitz. Zunächst ging es über den Haineberg (einen Teil des Papenbrinks), bevor die Wanderer bei Tauben-Möller in Barksen eine Kaffeepause einlegten. Der Rückweg führte über die Hainebergstraße, durch Selliendorf und auf dem Alten Schulweg wieder nach Kleinenbremen. Über die Naturschutzgebiete Haineberg und Everdingsbrink wusste Eckhard Bruß zu berichten, dass dort sogar Orchideen und Enzian wachsen. Damit die zarten Pflänzchen nicht ersticken, werden Bäume und Strauchwerk niedrig gehalten. Sie sollen überleben – anders als die Kalköfen.




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