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Agraringenieur Robert Laack ist in Ostpreußen unterwegs, damit 650 Behinderte ein Therapiezentrum erhalten

Mit Laptop und Dolmetscher helfen, wo immer es geht

Krainhagen. Das ist schon höchst ungewöhnlich: Da hat jemand seine Heimat verloren, unwiderruflich für immer. Und das gilt auch für seine Vorfahren, denn inzwischen lebt in diesem Raum die dritte Generation fremder Menschen. Lange Zeit war es sehr schwierig, dorthin zu kommen. Aber seitdem die Besuchsmöglichkeiten gelockert wurden, da setzt sich dieser Heimatvertriebene dafür ein, dass es den neuen Besitzern mit Hilfe von Stiftungen besser geht. "Hut ab!" kann man in diesem Fall nur Robert Laack zurufen.

veröffentlicht am 04.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:22 Uhr

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Geboren ist der inzwischen längst in Krainhagen "eingebürgerte" Pensionär im Marienwerder. Seine Mutter wuchs auf dem Gut Tengen auf, das zur früheren Kleinstadt Brandenburg bei Königsberg gehörte. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen. Brandenburg befindet sich in jenem Teil Ostpreußens, der nach dem letzten Weltkrieg an Russland gefallen ist und ziemlich eingequetscht zwischen Litauen und dem heutigen Polen liegt. Vor der Vertreibung hat Robert Laack in Rippin im früheren Warthegau und davor in der Nähe von Pillau im Samland gelebt. "Die Deutschen, die hier einst zu Hause waren, sind alle bis 1948 ausgewiesen worden", betonte der 69-Jährige. Er glaubt, dass so manche Wolgadeutsche, die heute in Kasachstan leben, gern in diesen nördlichen Bereich des früheren Ostpreußens gezogen wären. Das frühere Königsberg, das heute Kaliningrad heißt, zählt heute 900 000 Einwohner. Insgesamt leben in der russischen Exklave 1,1 Million Menschen. "Von der früheren Bausubstanz sind dort nur etwa 20 Prozent erhalten, und davon ist noch vieles marode", weiß Laack zu berichten, der im September seine 25. Reise nach Ostpreußen antritt. 2002 startete der jahrzehntelang in der Entwicklungshilfe tätige diplomierte Agraringenieur zum ersten Male mit seiner Yamaha zu einer Fahrt von über 1070 Kilometern bis nach Insterburg. Er fuhr im Auftrag des "Senior Experten Service", der seinen Sitz in Bonn hat. Sein damaliger Auftrag lautete: Unterstützung des Landwirtschaftsamtes im Kreisgebiet vonTschernjachowsk. Seit Mai 2004 betreut Robert Laack ehrenamtlich die Stiftung von Werner Peter Schmitz aus Düsseldorf, die weltweit zahlreiche soziale Projekte unterstützt, unter anderem ein großes Vorhaben im früheren Tilsit. Sein Engagement gilt einer Heil- und Pflegeanstalt mit 650 Behinderten, zu der ein großer landwirtschaftlicher Betrieb gehört. Hier soll ein modernes landwirtschaftliches Therapiezentrum entstehen und auch die Eigenversorgung der Anstalt mit Milch, Milchprodukten, Fleisch, Obst und Gemüse verbessert werden. Dazu muss das vorhandene Wohnhaus vollständig renoviert werden. Bei dieser Maßnahme wird Robert Laack wieder von seiner Vergangenheit eingeholt. Er hatte nämlich nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung zunächst mit seiner Frau den 100 Hektar umfassenden Betrieb der Heil- und Pflegeanstalt "Hephata" in Mettmann geleitet. Sein Fachwissen und seine Planungskompetenz sind bei der Zusammenarbeit mit der russischen "Gemeinnützigen Stiftung für Entwicklungshilfe (Profko)" sehr willkommen. Robert Laack ist mit Dolmetscher und Laptop unterwegs, um unverzüglich festzuhalten und zu besprechen, was vor Ort geschehen muss. Bewundernswert sei, so Robert Laack, die Belastbarkeit und das Durchhaltevermögen des Gründers der Düsseldorfer Stiftung. Der 94-jährige Werner Peter Schmitz weilt zurzeit bereits wieder auf Informationstour in Russland, diesmal unter anderem in Petersburg. Wenn er sich an diesem Mann ein Beispiel nimmt, dann wird er die 45-minütige Flugstrecke Berlin-Kaliningrad wohl noch viele Male zurücklegen können. Wer mehr wissen möchte über jenen landschaftlich sehenswerten Teil des früheren Ostpreußen kann sich auch direkt an Robert Laack wenden: (05724) 903685.




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