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Neschen AG startet als „Fabrik pharmaceutischer Kautschuk- und Guttapercha-Präparate“

Mit Pflastern fing es an

Bückeburg. Was haben der Eiffelturm, die Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung und Neschen gemeinsam? Richtig, ihre drei Erfolgsgeschichten nahmen 1889 ihren Anfang. Alle drei feiern in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen.

veröffentlicht am 05.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 08:22 Uhr

Am 6. Mai 1889 wird in Paris die Weltausstellung eröffnet. Ihr Wahrzeichen: der Eiffelturm. Heute gilt das stählerne Monstrum als ein Symbol der Grande Nation und wird jährlich von Millionen Menschen besucht. Eine Erfolgsgeschichte. Doch nicht nur in Paris geschieht in diesem Jahr „Weltbewegendes“; auch im Fürstentum Schaumburg-Lippe beginnt, wenngleich wesentlich unspektakulärer, eine Ära, die den Namen Bückeburg im Laufe der Zeit auf dem ganzen Globus bekannt macht: Der kurz zuvor aus Russland zurückgekehrte Apotheker Georg König gründet die „Fabrik pharmaceutischer Kautschuk- und Guttapercha-Präparate – Laboratorium der fürstlichen Hofapotheke“. Eine ebenfalls seit nunmehr 125 Jahren anhaltende Erfolgsgeschichte, während der sich die Neschen AG zu einem international führenden Hersteller von modernen Selbstklebeprodukten und hochwertig beschichteten Medien für vielfältige Anwendungen entwickelt hat.

Heute, 125 Jahre später, ist die – inzwischen in Neschen AG umgetaufte – Aktiengesellschaft ein weltweit agierender, hoch angesehener Spezialist auf dem Gebiet der Funktionsbeschichtung für die grafische und Werbemittel-Industrie.

Mit Pflastern oder Heilmitteln hat Neschen heute nichts mehr zu tun, wenngleich es genau diese Produkte waren, die zunächst zum weltweiten Ruf der Firma beitrugen. Das „Bückeburger Hühneraugenpflaster“, das schon wenige Jahre nach Gründung des Laboratoriums vorgestellt wird, ist ein internationaler Exportschlager, das nicht nur dem Bürger, sondern auch Kaisern und Königen in der ganzen Welt Linderung verschafft.

Neschen-Gebäude am Stammsitz Bückeburg: Das Neschen-Auge ist das größte Foto der Welt, zusammengesetzt aus 235.000 Einzelfotos. pr (2)

Kein Wunder also, dass Georg Königs Unternehmen kontinuierlich wächst. Bereits 1904 beschäftigt er 25 Mitarbeiter. Längst sind die Räumlichkeiten in der Hofapotheke zu klein und das Laboratorium zieht in die Lange Straße. Die Fabrik erlebt eine erste Blütezeit. Trotzdem zieht sich 1914 der erst 55-jährige Georg König nach Patentstreitigkeiten mit einem Konkurrenten aus dem Geschäftsleben zurück. Er verkauft seine Firma und die zahlreichen Patente für 360 000 Goldmark an Ernst Pfannenberg und Dr. Wilhelm Kroseberg.

Unter ihrer Ägide wird das Unternehmen in Georg König GmbH umbenannt und der Vertrieb in die Benelux-Staaten, nach Skandinavien, in die Schweiz, auf den Balkan und sogar nach Südafrika ausgeweitet. 1926 stirbt der Kaufmann Ernst Pfannenberg, und Dr. Wilhelm Kroseberg führt die Fabrik alleine weiter.

Neue, erfolgreiche Produkte werden entwickelt und das Unternehmen floriert. Doch die Konkurrenz am Markt ist groß, und so wird in Bückeburg nicht mehr nur im pharmazeutischen Bereich geforscht. 1935 ist es schließlich soweit: Als neues Produkt wird die Klischee-Folie Typoplast in den Katalog aufgenommen. Angepriesen wird sie als „farbiges Kautschuk-Klebeband für Industrie und Technik“. Der Grundstein für eine neue Produktpalette ist gelegt, wenngleich auch in den kommenden Jahren die traditionellen Artikel weiterhin den Löwenanteil des Geschäftes ausmachen.

Während des Zweiten Weltkriegs kommt die Produktion aufgrund der Mangelwirtschaft fast zum Erliegen, doch schon 1946 wird in Bückeburg wieder fleißig gefertigt. Allerdings sieht der neue Geschäftsführer Hans Neschen bei seinem Antritt viel Optimierungspotenzial. Nicht nur der Mangel an hochwertigen Grundstoffen erschwert die wirtschaftliche Produktion, auch ein Überangebot in den Kernmärkten macht dem Unternehmen zu schaffen. Durch die beengten Platzverhältnisse ist eine günstigere Serienfertigung nur schwer machbar. Doch der gelernte Buchhalter und Forscher entwickelt einen Plan, der den Erfolg des Unternehmens bis heute sichert.

Als Hans Neschen 1946 nach Bückeburg kommt, ist er bereits ein angesehener Experte in Sachen Pflasterherstellung auf Kunststoffbasis. Der stellvertretende Betriebsleiter der C. Blank AG in Bonn hatte während des Zweiten Weltkriegs ein Verfahren vorgestellt, das es ermöglicht, Pflastermasse auf Basis einer wässrigen Emulsion zu produzieren. Diese bahnbrechende Entwicklung ist quasi sein „Einstandsgeschenk“.

Doch es ist nicht nur das technische Know-how, das Hans Neschen für das Unternehmen so wertvoll macht. Als Branchenkenner weiß er nur zu genau, dass das kleine Unternehmen gegen die großen der Branche kaum eine Chance hat. Es gilt, neue Absatzmärkte zu suchen. Und er findet sie.

1948 wird Hans Neschen auch Gesellschafter in dem Unternehmen. Ab jetzt gehören die neuen, von ihm entwickelten selbstklebenden Kunststoff-Folien zum wichtigsten Zukunfts-Kapital der Firma. So wird in diese Richtung weiter geforscht, und 1949 erhält Hans Neschen das Patent für die „Bückeburger Buchhaut Filmolux“. Kurze Zeit später folgt Filmoplast, und 1951 lässt sich Hans Neschen die Namen Gudy und Symbolux schützen.

1955 scheidet Dr. Kroseberg aus der Georg König GmbH aus. Hans Neschen übernimmt dessen Anteile und ist nun Alleingesellschafter. 1956 gründet er den „Neschen Büchereidienst“, der 1959 mit der Georg König GmbH in der Hans Neschen GmbH & Co KG aufgeht. Ebenfalls 1956 hebt er mit einem Gesellschafter in Herford eine Druckerei aus der Taufe. Nur ein Jahr später ist Hans Neschen Alleingesellschafter des Druckhauses und lässt den Betrieb nach Bückeburg umziehen. 1960 folgt die Umbenennung in Filmolux GmbH und die Aufnahme in die Kommanditgesellschaft.red

Wird fortgesetzt




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