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Manipulierte Geldautomaten im Nachbarkreis / Kriminalpolizei mahnt zur Vorsicht

Mit Spionage-Kamera Bankdaten ausgespäht

Minden (ots). Mit raffinierter

veröffentlicht am 01.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 04:21 Uhr

und für Bankkunden kaum zu erkennender Technik manipulieren derzeit Unbekannte offenbar systematisch Geldautomaten im Kreis Minden-Lübbecke. Der jüngste Fall ereignete sich bei der Deutschen Bank in Espelkamp, auch die Postbank in Minden war betroffen. Bereits Ende vergangenen Jahres kam es zu einem gleich gelagerten Fall in Porta Westfalica.

Selbst dem Bankfachmann fiel die Manipulation an dem Geldautomaten in der SB-Filiale an der Breslauer Straße in Espelkamp erst bei genauerem Hinsehen auf. Gemeinsam mit Hauptkommissar Wolfgang Pfeiffer, zuständig für solche Delikte bei der Mindener Kripo, wurden die über den Tastaturen zum Filmen der PIN-Eingabe installierte Mini-Kamera und das veränderte Kartenlesegerät entdeckt. Wenig professionell hatten die Täter zuvor den vorhandenen Sichtschutz oberhalb des Tastenfeldes abgeschnitten, damit ihre Spionage-Kamera „freie Sicht“ hatte. Auf der Rückseite des EC-Karteneinschubs war ein Mikrochip eingebaut, welcher die auf dem Magnetstreifen der EC-Karte vorhandene Daten speichert. Mit diesen Daten und den dazugehörigen PIN-Nummern fertigen die Ganoven dann Karten-Dubletten an, mit deren Hilfe sie an ausländischen Bankautomaten die Konten in Deutschland unbemerkt abräumen.

Die Experten sprechen hier von so genannten „Skimming-Fällen“. Der aus dem Englischen kommende Begriff bedeutet so viel wie abschöpfen, abräumen. Da die Manipulation in Espelkamp noch rechtzeitig entdeckt wurde, dürften die Kunden der Deutschen Bank nicht geschädigt sein. Die angebrachte Technik hat die Polizei inzwischen sichergestellt.

Dreiste Manipulation des Geldautomaten: Die Öffnung für die Mini-Kamera ist kaum größer als ein Nadelkopf (oben). Unten der ausgetauschte Kartenschlitz. Fotos: Polizei

Anders stellt sich vermutlich der Fall für die Postbankkunden da, die am vergangenen Wochenende den Geldautomaten am Großen Domhof in Minden benutzten. Einer aufmerksamen Verkäuferin fiel am Sonntag gegen 17 Uhr ein veränderter Kartenleseschlitz auf. Als sie daran ruckelte, löste sich die aufgeklebte Attrappe. Die hinzu gerufenen Polizisten entdeckten dann die über dem Zahlendisplay angebrachte Mini-Kamera. Ob den Tätern möglicherweise zuvor ausspionierte Daten in die Hände fielen, ist der Polizei noch nicht bekannt. Die Ermittlungen dazu laufen noch.

Bereits Mitte August vergangenen Jahres war der Automat das Ziel der Betrüger. Damals meldeten sich zahlreiche Geschädigte bei der Kripo. Der Schaden bewegte sich in einem fünfstelligen Euro-Bereich.

Das Ausspähen von Daten im Kreis Minden-Lübbecke ist kein Einzelfall. Fälle dieser Art registrieren die Beamten seit Jahren. Daher verbessern die Banken im Kreis Minden-Lübbecke ihre Sicherheitsvorkehrungen ständig. Dazu zählt unter anderem auch der an vielen Automaten nachträglich angebrachte Sichtschutz rund um die Tastatur.

Die Polizei geht davon aus, dass die gut organisierten und technisch versierten Täter auch weiterhin im Mühlenkreis aktiv sind. Vor diesem Hintergrund rät Kriminalhauptkommissar Pfeiffer allen EC-Karten Nutzern bei der Eingabe der Geheimnummer, nicht nur an Geldautomaten, auch beim sonstigen Einkauf, stets die freie Hand zum Abdecken zu nutzen. Weiterhin empfiehlt der Experte, sich die Automaten genau anzusehen. Bei geringsten Auffälligkeiten sollte die Karte nicht eingesetzt und umgehend die Polizei verständigt werden.

„Ein Ruckeln an der Anlage kann da schon hilfreich sein“ so Pfeiffer weiter. Außerdem sollte generell der eigene Kontostand in kurzen Abständen überprüft werden. So können unberechtigte Abbuchungen rechtzeitig entdeckt und der Schaden gering gehalten werden.

Weitere Tipps für Verbraucher zum Thema Kreditkartensicherheit finden sich auch im Internet unter www.polizei-beratung.de.




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