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„Nachgefragt“: Neurologin erklärt die Unterschiede im Gehirn von Frau und Mann

Mit Testosteron können Frauen besser rechnen

Bückeburg (wk). Interessante Einblicke in die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Hirnstrukturen und -leistungen von Frau und Mann hat die Neurologin Dr. Vera Schrader den Teilnehmern des Gesprächskreises „Nachgefragt“ gegeben. Ins Museum Bückeburg eingeladen hatte die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) in Kooperation mit dem Kulturverein Bückeburg und dem Museum selbst.

veröffentlicht am 21.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 01:21 Uhr

Was den physiologischen Aufbau des Gehirns anbelangt, gebe es zwischen Frauen und Männern keine großen Unterschiede, so die Expertin. Allerdings sei dasjenige des Mannes, statistisch betrachtet, schwerer und weise daher mehr Neuronen auf. Außerdem sei dessen Hypothalamus größer als bei Frauen.

„Aber, macht das was?“, stellte Schrader die Frage in den Raum und lieferte die Antwort gleich hinterher: So habe die Wissenschaft durch bildgebende Untersuchungsmethoden wie beispielsweise die Computertomografie festgestellt, dass der größere Hypothalamus einen besseren räumlichen Orientierungssinn zur Folge habe. Entsprechende Tierversuche hätten zudem ergeben, dass dies übrigens auch auf männliche Ratten zutreffe.

Der von der Evolutionsbiologie vertretenen Auffassung, der bessere Orientierungssinn des Mannes resultiere aus der Tatsache, dass die stammesgeschichtlichen männlichen Vorfahren seinerzeit fernab der Höhle auf Jagd gingen, mochte die Referentin indes nicht folgen. Ebenso wenig der Theorie, dass Frauen deshalb eine höhere soziale Kompetenz haben, weil sie sich damals zusammen mit anderen Frauen und Kindern im näheren Umfeld der Höhle aufgehalten haben und solche sozialen Fähigkeiten für das friedvolle Leben in der Gemeinschaft notwendig waren.

Schrader ging statt dessen mit einer anderen wissenschaftlichen Erklärung konform: Bereits im zweiten Monat einer Schwangerschaft führe die Testosteronausschüttung beim männlichen Fötus dazu, dass dessen rechte Gehirnhälfte – anders als beim Mädchen – größer als die linke wird. Außerdem bewirke das Testosteron Veränderungen im Limbischen System. Damit würden grundlegende, geschlechtsspezifische Weichen gestellt.

So hätten Studien ergeben, dass bei Männern mit einem hohen Testosteronspiegel die soziale Kompetenz und das sprachliche Ausdrucksvermögen nachlassen, sie dafür aber komplexe mathematische Aufgaben besser als Frauen lösen können. Auch die „Raumrepräsenz“ sei bei Männern ausgeprägter, was man schon bei Jungs beobachten könne, die Bälle werfen oder Türmchen aus Bauklötzen bauen.

Frauen wiederum könnten einfache Mathematikaufgaben schneller lösen als die männliche Vergleichsgruppe und würden Konflikte in rund Zweidritteln aller Fälle verbal lösen, während Männer circa 75 Prozent der Konflikte über die Motorik austragen. Als Folge davon seien 96 Prozent aller inhaftierten Mörder und 88 Prozent aller im Gefängnis sitzenden Einbrecher Männer. Bei gerade mal 4,5 Prozent aller Gefängnisinsassen handele es sich dagegen um Frauen, von denen zudem nur ein geringer Teil Kapitalverbrechen begangen habe. Kuriosum am Rande: Frauen, denen in Versuchen Testosteron verabreicht wurde, konnten laut Schrader anschließend komplexe Mathematikaufgaben besser lösen.

Weiter hätten wissenschaftliche Studien ergeben, dass Mädchen ihren Wortschatz früher entwickeln, feinmotorisch geschickter sind, anders spielen („Vater, Mutter, Kind“) und dabei auch ihre höhere soziale Kompetenz einüben, sagte die Neurologin. Darüber hinaus habe man bereits bei sechs Monate alten Säuglingen nachgewiesen, dass Mädchen Gesichter länger betrachten und besser wiedererkennen als Jungen.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde fragte Klaus Suchland, der Vorsitzende der GfW-Sektion Minden, ob man beispielsweise Mädchen wie Jungen erziehen könne: „Man wird Hirnstrukturen nur in einer gewissen Spannbreite verändern können“, erklärte Schrader. Insofern seien auch das heutige Schulsystem beziehungsweise das sogenannte Turbo-Abitur für männliche Schüler ungünstig, da diese den Mädchen in der geistigen Entwicklung hinterherhinken. Als Beleg hierfür verwies die Mindenerin auf den überproportional hohen Anteil von Mädchen unter den Abiturienten.




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