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Dennoch steht im neuen Roman von Tania Douglas eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt

Mit Windeln an der Nase herumgeführt

Bückeburg (bus). Links von ihr schoss jäh der Ehrfurcht gebietende Bau von Notre-Dame in den Himmel. Sie hatte es fast geschafft. Doch im nächsten Augenblick schreckte sie entsetzt zurück und starrte ungläubig aufs Pflaster. Dutzende von abgetrennten Köpfen lagen zu ihren Füßen. Da ertönte ein Warnruf von oben … „deiner ist zu hübsch, um abgeschlagen zu werden!“ Der Mann, der sich in halsbrecherischer Höhe an der Kathedrale angeseilt hatte, um die Heiligen an der Fassade zu enthaupten, lachte schallend. Marie-Provence zitterte am ganzen Leib. In dem Moment erkannte sie ihre Chance.

veröffentlicht am 25.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 13:41 Uhr

Wer bis zu diesem chancenreichen Moment vorgedrungen ist, befindet sich bereits auf Seite 20 des neuen Romans von Tania Douglas. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu dem Abschnitt, in dem Marie-Provence mit einem etwas anrüchigen Trick einen Mitbewerber im doppelten Sinn an der Nase herumführt und die heiß begehrte Anstellung bei Doktor Jomart ergattert. Die Heldin schlüpft in die mit einem großen, nach Magensäure riechenden Fleck versehene Tracht einer Pflegerin und gibt dem Konkurrenten zu verstehen, fürs Waschen benutzter Kleinstkindkleidung gesucht zu werden – „der Gestank der vollen Windeln unter ihrer Nase war kaum zu ertragen … der Jüngling presste die Hand auf den Mund. Dann riss er die Tür auf und verschwand im Laufschritt. Ein Lächeln breitete sich auf Marie-Provences Lippen aus.“

Von nun an verbleiben noch 550 (spannende) Seiten, um den schlussendlichen Ausgang von „Die Ballonfahrerin des Königs“ in Erfahrung zu bringen. Das nach „Die Blutlüge“ und „Tanz der Wasserläufer“ dritte Werk aus der Feder der 40-Jährigen hebt im Herbst 1793 an findet sein vorläufiges Ende im Juli 1795. Dem Genre des Historienromans entsprechend steht eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt. Zentraler Handlungsstrang ist die gewagte Befreiung des während der Französischen Revolution eingekerkerten Königssohns Louis XVII mittels eines Ballons.

„Durch die wichtige Rolle des Heißluftballons ist der Roman der Helikopterstadt Bückeburg wie auf den Leib geschneidert“, merkte die Autorin im Verlauf einer passenderweise im Hubschraubermuseum organisierten Lesung an. Alle Details der in der damaligen Zeit erfundenen Montgolfieren und Charlieren seien sorgfältig recherchiert und mit Experten der Ballonfahrt abgestimmt. Zur Sprache kommen gleichermaßen die historische Fertigung und Befüllung der Ballone als auch deren frühe Einsätze, etwa zur militärischen Aufklärung. „Das Buch“, versicherte Douglas, „wird das Publikum sowohl aus belletristischer als auch technischer Sicht zufriedenstellen.“

Die Autorin erblickte 1969 bei Koblenz in der Eifel das Licht der Welt, zog mit fünf Jahren nach Frankreich und lebte zuerst im Süden in den Alpes de Haute Provence, später in Tours an der Loire und schließlich in Paris. Im Anschluss an ein französisches Abitur studierte sie in Paris Touristik an der Ecole Nationale de Commerce. 1990 kehrte Douglas nach Deutschland zurück, wo sie fünf Jahre bei der Deutschen Lufthansa als Flugbegleiterin tätig war. Während dieser Zeit lernte sie ihren Mann kennen. Nach der Heirat kündigte sie und fing bald darauf zu schreiben an. Heute lebt die Autorin mit ihrem Mann, dem in Bückeburg zur Schule gegangenen Dr. Volker Douglas, und einem gemeinsamen Sohn bei Neustadt an der Weinstraße.

Quelle: „Die Ballonfahrerin des Königs“ ist im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen. 592 Seiten, 9,95 Euro, ISBN: 978-3-499-25252-5




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