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Bewohner des Übergangsheims für Flüchtlinge laden Kleinenbremer zum Essen ein

Miteinander ins Gespräch kommen

Kleinenbremen. Sie leben mitten im Herzen von Kleinenbremen, richtig dazu gehören sie trotzdem nicht: die 55 Bewohner des Übergangsheims für Flüchtlinge auf dem Mönckhoff-Hof. Ein Stand mit Spezialitäten auf dem Dorfmarkt hat das für einen Tag geändert. „Die Bewohner sollen die Gelegenheit haben, sich zu zeigen“, sagte der Presbyter der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, Hartmut Haselau. Ziel sei es, Grenzen aufzubrechen und die Integration verbessern.

veröffentlicht am 20.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:41 Uhr

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Die Liste der Nationalitäten ist lang, die aktuell in der Unterkunft am Mönckhoff-Hof leben. 55 Bewohner hat das Haus, unter anderem aus Afghanistan, Aserbaidschan oder Pakistan. Das führt zu Spannungen, wie man sich denken kann. Haselau: „Problematisch ist, dass hier viele unterschiedliche Nationalitäten auf engem Raum zusammenwohnen und dass die Flüchtlinge keinen richtigen Ansprechpartner vor Ort haben.“ Nicht optimal sei auch das Verhältnis zwischen Bewohnern und einheimischer Bevölkerung. Die Flüchtlinge fühlten sich in Kleinenbremen zu wenig integriert: „Zu Anfang bin ich nie gegrüßt worden“, sagte Fauzia Fayzana Kousar aus Pakistan.

Dass Kontakt vonseiten der Flüchtlinge gewünscht wird, zeigte das große Interesse am Stand auf dem Dorfmarkt. Es habe ihn sehr gerührt zu sehen, welches Engagement an den Tag gelegt wurde, erzählte Haselau. „Die haben von ihrem wenigen Geld die notwendigen Sachen eingekauft und sich dann den ganzen Tag in die Küche gestellt.“

Und tatsächlich scheint der Stand einiges bewegt zu haben. Zahlreiche Besucher probierten die Spezialitäten. „Es ist ausgesprochen köstlich“, lobte Pastor Karottki das Börek. Das gemeinsame Essen sei wichtig, um Hemmschwellen zu überwinden und einander kennenzulernen.

Die Bewohner zeigten sich ebenfalls höchst zufrieden. Es sei schön, mit den Kleinenbremern ins Gespräch zu kommen, sagte Fauzia Fayzana Kousar. „Es hat uns viel Freude gemacht, die uns gewährte Gastfreundschaft zurückgeben zu können.“ Ihre Zukunft sieht die junge Frau, die aus Pakistan fliehen musste, in Deutschland. Sie wolle einen Job, egal welchen, sagt die 29-Jährige, die gut deutsch spricht. „Ich werde noch einmal ganz von Anfang starten, ich will dieser Nation meine Dienste zur Verfügung stellen.“ Sie wolle keine Last sein und so schnell wie möglich eigenes Geld verdienen.

Aus Pakistan geflohen ist die Mutter eines Sohnes, weil sie der Religionsgemeinschaft der Ahmadiyya angehört, die von vielen Muslimen als Häresie abgelehnt wird. „Wir denken, dass der Islam keine grausame Religion ist, wir sind sehr friedlich“, unterstrich Kousar. Angesichts zahlreicher Terroranschläge habe sie keinen anderen Weg mehr gesehen, „obwohl wir in Pakistan zur Mittelschicht gehört haben und es uns sehr gut ging.“

Aktuell wünscht sich Kousar deshalb vor allem, dass ihr Mann ein Visum für Deutschland bekommt. Das Verfahren habe sich schon sehr lange hingezogen, immer wieder komme es ins Stocken, und es würden weitere Formulare verlangt. Für Mutter und Kind keine einfache Zeit: „Mein Sohn vermisst seinen Vater sehr, und er fragt immer wieder, wann er endlich hierherkommen kann.“ Bisher, sagte die junge Frau traurig, sei nicht einmal sicher, ob überhaupt ein Visum erteilt wird.

In Kleinenbremen ist der Aufbau einer Patengruppe geplant. Ehrenamtliche sollen die Flüchtlinge bei Erledigungen begleiten und Kontakt zu ihnen aufnehmen. „Es geht um kleine Dinge; allein das Zuhören macht so viel aus“, sagt Initiator Haselau. Interessenten können unter (0 57 22) 2 12 20 Informationen einholen.

Den ganzen Tag in der Küche gestanden: Bewohner des Übergangsheims mit Hartmut Haselau und Pastor Karottki.mig




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