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Durchschnittsalter des Männergesangvereins bei 73 Jahren

Mitgliederschwund kommt auch in der Vereinskasse an

Bückeburg (jp). Für den Bückeburger Männergesangverein von 1841 sind die fetten Jahre endgültig vorbei. In Sachen Mitglieder reißt Bückeburgs ältestes Gesangsensemble schon lange keine Bäume mehr aus. 22 aktive Sänger und 32 fördernde Mitglieder zählt der Chor zu Beginn des Jahres 2009. Zum Vergleich: Anfang 2003 waren es noch 31 Sänger und 39 passive Mitglieder. Und Anfang der 90er-Jahre, als der Männergesangverein sein 150-jähriges Bestehen feierte, galten noch ganz andere Dimensionen. Wie auf der turnusmäßig tagenden Jahresversammlung offenkundig wurde, stehen dem Verein obendrein jetzt auch finanziell schwere Zeiten ins Haus.

veröffentlicht am 11.02.2009 um 18:44 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 10:21 Uhr

Der erste Vorsitzende Rudolf Gravermann konnte in seinem Bericht noch über mehrere gelungene Konzerte und gesellige Veranstaltungen im Jahr 2008 berichten. Doch beim Bericht von Schatzmeister Erwin Hampel dürften sich auf die Stirn von so manchem Chormitglied tiefe Sorgenfalten eingegraben haben. Nachdem das Jahr 2007 dem Chor sogar einen gewissen Überschuss bescherte, fuhr das Folgejahr 2008 ein kräftiges Minus in dreistelliger Höhe ein. „Mit dieser Bilanz können wir auf keinen Fall zufrieden sein“, stellte der Schatzmeister klar.

Bei den Einnahmen aus öffentlichen Konzerten sei 2008 der größte Einbruch zu verzeichnen gewesen, analysierte Erwin Hampel in seinem Jahresbericht. Auch das Spendenaufkommen sei stark zurückgegangen. Zwar konnte der Männergesangverein das Minus durch solide Rücklagen abfedern, aber: „In Zukunft müssen wir unbedingt wieder wirtschaftlicher haushalten.“ Kassenprüfer Erwin Kornitzki wurde deutlicher: „Noch drei solche Jahre, und wir sind bei Null.“

Auch Vereinschef Rudolf Gravermann erachtete diese Entwicklung als erschreckend. Aufgrund der starken Überalterung des Vereins – das Durchschnittsalter liegt inzwischen bei 73 Jahren – werde es auch immer schwieriger, ein auftrittsfähiges Ensemble auf die Bühne zu bringen. Anfang 2006 hatte der Männergesangverein im Zuge einer umfassenden Öffentlichkeitskampagne noch versucht, seinen damals 24 aktiven Sängern frisches Blut zu bescheren. Drei Jahre später betrachtete der Kassenwart des Vereins die Aussichten auf aktiven Sängernachwuchs mehr als nüchtern. Erwin Hampel wörtlich: „Neue Sänger zu gewinnen können wir uns abschminken.“ Abhelfen möchte Hampel der Misere vor allem durch die Reaktivierung ehemaliger Aktiver. Der „minimale Auftrag“ sei es, den Chor singfähig zu halten.

Peter Walter, Vorsitzender des Kreischorverbands Hannover, konnte von ähnlichen Schwierigkeiten in einer Vielzahl anderer Chöre berichten. Hinsichtlich der finanziellen Probleme vieler Gesangsensembles forderte der Kreischorverbandsvorsitzende energisch ein verstärktes Engagement der jeweiligen Kommunen ein. Die Chöre ständen „an der Spitze der kulturellen Aktivitäten“ in den Städten, würden aber gegenüber anderen Gruppierungen bei der Förderung völlig vernachlässigt. „Für jeden Mist ist Geld da“, so Peter Walter wörtlich, „dem Sport steckt man es hinten und vorne und von links und von rechts rein, und zu den Chören gehen die Bürgermeister mit 50 Euro in der Tasche. Dabei sind wir Sänger die viel größere und ältere Bewegung als der Sport. Da kommt mir die Galle hoch.“ Als Rudolf Gravermann vorsichtig anmerkte, von der Stadt Bückeburg gerade eine Förderung von 150 Euro erhalten zu haben, wurde Walter noch deutlicher: „Die paar Cents hätte ich sofort wieder zurückgeschickt.“




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