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Von der Gemeinde zur Region / Superintendent Christian Castel: „Es hat keinen Sinn, einfach so weiterzuwurschteln“

Mitgliederzahlen zwingen Kirchenkreis zum Umdenken

Coppenbrügge/Salzhemmendorf (ran). „Der Kirchenkreis Hildesheimer Land hat die gute Eigenart, immer etwas vorausschauend zu denken“, stellte Thomas Müller, Pastor und stellvertretender Superintendent aus Salzhemmendorf, zu fortgerückter Stunde fest. Wie sehr das in den kommenden Jahren nötig sein wird, machte Matthias Wehling vom Kirchenamt in Hildesheim deutlich. Der Mitgliederschwund der evangelischen Gemeinden in der Region gehe noch schneller vonstatten als bislang angenommen, teilte er dem Kirchenkreistag mit.

veröffentlicht am 20.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 24.11.2009 um 13:15 Uhr

Die Mitglieder des Kirchenkreistages Hildesheimer Land haben sich mit zukunftsweisenden Fragen zu befassen.Fotos: ran

Die Landeskirche geht bei ihren mittelfristigen Finanzplanungen von einem – überwiegend altersbedingten – Mitgliederschwund von einem Prozent pro Jahr aus. Die neuen Zahlen aus dem Hildesheimer Land besagen jedoch, dass sich die Zahl der Gläubigen seit 2007 von 62 024 auf 60 064 reduziert hat – was einem Anteil von 1,6 Prozent entspricht. Das Alarmierende daran: Der größte Teil der Gelder, die die Landeskirche den Kirchenkreisen zukommen lässt, richtet sich nach den Zahlen der Gemeindemitglieder.

Im Kirchenkreis Hildesheimer Land, der schon in den zurückliegenden Jahren erhebliche Summen einsparen musste, würde im nächsten Planungszeitraum ab 2013 also noch weniger Geld zur Verfügung stehen.

„Es hat keinen Sinn, einfach weiterzuwurschteln und die Decke noch weiterzuspannen“, sagte Superintendent Christian Castel. Vielmehr müsse man intensiv darüber nachdenken, in welchen Strukturen die Kirche sinnvoll weiterarbeiten können: „Wir müssen damit anfangen, unseren Kirchenvorständen reinen Wein einzuschenken. Als Einzelgemeinden werden wir nicht mehr weiterkommen.“

„Es wird nicht anders gehen, als dass wir uns als Kirche in der Region verstehen“, zeigte Thomas Müller eine Alternative auf. Gebäude- und Stellenplanungen könnten in Zukunft eher nicht mehr die Sache einzelner Gemeinden sein. Vielmehr müssten Verbünde entstehen. Müller: „Das ist die einzige Chance, in der Fläche zu überleben.“

In einigen Regionen des Kirchenkreises, der sich vom Ambergau bis zum Ith erstreckt, gibt es solche Zusammenschlüsse bereits. Vorreiter waren die Gemeinden Hemmendorf, Lauenstein, Salzhemmendorf, Benstorf, Oldendorf und Osterwald, die als Verband Saaletal firmieren. Gemeinsame Gottesdienste und Gemeindebriefe, vier Kindertagesstätten in der Trägerschaft des Verbands sowie die Stiftung Saaletal seien nur einige Beispiele für die Vorteile, stellten Diakonin Andrea Gärtner und die Pastoren Thomas Müller, Vigo Mau und Wilhelm Meissner ihr Modell vor. „Die Besonderheiten der Gemeinden werden gepflegt – für das Ganze“, berichtete Müller.

Personell bahnt sich im Saaletal nach der Mutterschaft von Pastorin Sonja Wieland bereits der nächste Wechsel an: Nach 24 Jahren verlässt Pastor Vigo Mau, der zwischenzeitlich auch stellvertretender und geschäftsführender Superintendent war, die Gemeinde Richtung Hannover. Am vierten Advent wird er mit einem Gottesdienst um 15 Uhr in Lauenstein verabschiedet.

Auch in den Gremien des Kirchenkreistages gibt es Wechsel. Neues Vorstandsmitglied ist Pastorin Marita Meixner-Andersohn aus Elze. Ebenfalls aus Elze stammt Stefan Scherer, der zum Mitglied im Kindergartenausschuss des Kirchenkreistags gewählt wurde. Auch der Schul- und Jugendausschuss hat mit Diakon Frank Rüffer aus Bockenem ein neues Gesicht.

Thomas Müller äußert sich trotz problematischer Zahlen optimistisch: „Die Kirche lebt nicht vom Geld. Sondern vom Wort Gottes, von seiner Zuwendung und davon, dass Menschen sich bewegen lassen.“




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