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Archäologen forschen im Zentrum von Minden / Reste von zwei noblen Bürgerhäusern entdeckt

Mittelalterliche Steinarchitektur

MINDEN. Bei aktuellen Ausgrabungen im Zentrum von Minden haben Archäologen unter Leitung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die Mauern nobler Bürgerhäuser aus dem Mittelalter entdeckt. Wo ein Fundamentgraben für den Neubau entstehen sollte, stieß der Bagger unerwartet auf mittelalterliche Häuser. Dank der Umsicht der Mindener Denkmalbehörde untersuchen nun Wissenschaftler diese Gebäudereste.

veröffentlicht am 16.07.2018 um 10:21 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 16:40 Uhr

Grabungsleiter Thies Evers legt eine Detailzeichnung der Mauerreste an, bevor sie vom Fundament für den Neubau überdeckt werden. Foto: EggensteinExca
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„Es handelt sich um die Überreste von zwei Häusern“, erläutert Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen. Die Mauern wurden massiv aus bis zu 40 Zentimeter großen Sandsteinblöcken errichtet. Diese sauber gearbeiteten Steinquader deuten darauf hin, dass der einstige Eigentümer vermögend war. Vermutlich wohnten hier wohlhabende Bürger oder Kaufleute in einem zwei- bis dreigeschossigen Haus.

Unter einer dicken Schuttschicht haben sich die Mauern etwa einen Meter unter der heutigen Straße am „Scharn“ überraschend gut erhalten. „Das liegt daran, dass die Mauern im hinteren Bereich der Grundstücke liegen“, so Spiong. „Offenbar bauten die Menschen damals in den noch teilweise offen liegenden Graben der Domburg – diese Tiefe ist für uns ein Glücksfall.“ Mithilfe von mehreren Keramikscherben aus dem Fundamentbereich gelang die Datierung der Häuser in das 13. bis 14. Jahrhundert.

Derzeit sind Archäologen einer Fachfirma dabei, die Mauern zu vermessen, zu zeichnen und zu fotografieren. Da im Zuge der laufenden Bauarbeiten noch mehrere Bodeneingriffe geplant sind, rechnen die Wissenschaftler mit weiteren Spuren aus dem Mittelalter.

Zwischen den beiden Häusern liegt ein schmaler Freiraum, der knapp einen halben Meter breit ist. Genau hier auf der Grenze der Grundstücke verlief eine sehr schmale Gasse, die nur mühsam von einer Person passierbar war. Mittelalterliche Häuser besaßen noch keine Regenrinnen. Das Wasser lief von den Dächern zwischen die Häuser in die sogenannten Traufgassen. Von hier aus floss es zur Straße.

Die Ausschnitte der mittelalterlichen Architektur müssen aber nicht dem Neubau weichen. Im Einvernehmen mit dem Bauherrn werden die Zeugnisse der mittelalterlichen Bürgerhäuser im Boden unter dem Betonfundament zwar überdeckt, sie bleiben aber erhalten.red




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