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Prozess zieht sich dadurch bis Januar hin / Ingrid P. starb auf grausame Weise

Mörder gesteht – nun wird er psychiatrisch untersucht

Bad Pyrmont (ube). Marc H. (34) aus Lügde hat gestern vor dem Schwurgericht in Hannover gestanden, am 29. April auf dem Parkplatz der Hufeland-Therme die Pyrmonter Seniorin Ingrid P. (76) getötet zu haben. Der Angeklagte sprach zwar selbst kein einziges Wort, er ließ aber seine Verteidigerin Tanja Brettschneider eine Erklärung verlesen, in der er mehrfach behauptet: „Ich hatte nicht geplant, einen Menschen zu töten.“ Dennoch hatte Marc H. ein 33 Zentimeter langes Messer und eine täuschend echt aussehende Schreckschuss-Pistole dabei, als er die Rentnerin überfiel und auf äußerst brutale Weise tötete. Was der Gerichtsmediziner Dr. Dirk Breitmeier der 13. Großen Strafkammer berichtete, ist im Detail zu grausam, um es öffentlich machen zu können. Gesagt werden muss aber: Der Mörder hat mit ungewöhnlich großer Wucht zugestochen. Zweimal wurde der Hals der Frau durchstoßen; insgesamt zehn Einstiche wurden gezählt. Sogar Wirbelknochen seien durchtrennt worden, sagte der erfahrene Obduzent – und fügte hinzu: „So etwas sehen auch wir Rechtsmediziner selten.“

veröffentlicht am 24.11.2009 um 22:00 Uhr

Verteidigerin Tanja Brettschneider stellte überraschend den Antrag, ihren Mandanten psychiatrisch untersuchen zu lassen. Sie glaubt, dass Marc H. zur Tatzeit „vermindert schuldfähig“ war – und begründet das so: Marc H. habe ein „gestörtes Verhältnis zu seinen Eltern“ gehabt; insbesondere die Beziehung zu seinem Vater sei „sehr schwierig“ gewesen. Ihr Mandant habe hohe Schulden gehabt – und dennoch sei er von seinen Eltern gezwungen worden, ein Haus zu kaufen und eine große Hochzeit zu feiern. Das habe ihn völlig in den Ruin gestürzt. Laut Brettschneider hat der gelernte Heizungsbauer im elterlichen Betrieb Geld unterschlagen. Sein Vater sei rasch dahintergekommen, habe ihn fristlos entlassen und dafür gesorgt, dass die Bank das Girokonto seines Sohnes kündigt. Der Vater sei es auch gewesen, der dem Arbeitsamt mitteilte, Marc H. habe in seiner Firma Material gestohlen. Deshalb habe ihr Mandant sechs Monate kein Arbeitslosengeld erhalten. Als dann noch der Gerichtsvollzieher kam, habe ihm auch seine hochschwangere Ehefrau „die Pistole auf die Brust gesetzt“ und von ihm gefordert: „Begleiche jetzt endlich die Schulden!“ Es heißt, H. habe monatlich mehr als 1500 Euro tilgen müssen. „Die finanzielle Situation ist mir so über den Kopf gewachsen, dass ich nicht mehr ein noch aus wusste“, heißt es. Zuletzt soll sich Marc H. mit Internet-Betrügereien über Wasser gehalten haben.

Staatsanwältin Kathrin Söfker und Nebenklage-Vertreter Thomas Klein wiesen den Beweisantrag als unbegründet zurück. „Eine solche Lebensgeschichte trifft auf 70 Prozent der Bevölkerung zu“, sagte Söfker. Ein „tiefgreifender Affekt“ liege in diesem Fall nicht vor. Dennoch entschied die Kammer: Marc H. wird von einem Psychiater untersucht. Deshalb wird sich der Prozess bis zum 8. Januar hinziehen.Seite 9

Wurde brutal getötet: Ingrid P. †



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