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Apelerner empört über Schließung der Volksbankfiliale / Auch Fleischerei dicht / Anrufbus gefordert

"Müssen bald für Einkäufe ein Taxi nehmen"

Apelern (nah). Dieüberraschende Schließung der Filiale der Volksbank Hameln-Stadthagen am 24. Juli hat in der Apelerner Bevölkerung eine heftige Diskussion ausgelöst. Das Aus für den zuletzt noch tageweise geöffneten Geldschalter reiht sich an ähnliche Ereignisse der jüngsten Vergangenheit: Erst war es der Kiosk am Marktplatz, dann die Post und zuletzt das örtliche Fleischerfachgeschäft. Vor allem nichtmotorisierte Einwohner sind betroffen: "Jetzt müssen wir wohl bald ein Taxi nehmen", stöhnte resigniert eine ältere Frau. Außer einigen Dienstleistern gibt es im Ort nur noch die Bäckerei zum Einkaufen.

veröffentlicht am 05.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Auf ihre Volksbank sind die Kunden des Riesbachdorfes momentan nicht gut zu sprechen. "Da gab es noch so schöne Reden über gute Bilanzen", erinnerte sich Adelheid Maurer an die am 6. Juli im Rodenberger Festzelt abgehaltene Mitgliederversammlung, "und zwei Wochen später ist die Filiale zu." Kein Wort hätten damals die Offiziellen von ihren Absichten verlauten lassen. Dass die Schließung an jenem Abend nicht erwähnt worden sei, räumte der Pressesprecher der Volksbank Hameln-Stadthagen, Helmut Kiesewalter, auf Anfrage ein: "Es gab zwar Absichten, aber die Entscheidung in den Gremien fiel erst kurz danach." Betriebswirtschaftliche Gründe seien ausschlaggebend gewesen - und die Nähe zu den technisch und personell gut ausgerüsteten Filialen in Rodenberg und Lauenau. Außerdem biete sein Unternehmen jederzeit eine persönliche Beratung zu Hause an. Rein optisch wird die Volksbank an ihrem bisherigen Standort auch in Zukunft präsent sein: Denn die Anmietung des Geschäftsraums muss nach Auskunft Kiesewalters schon wegen des dort aufgestellten Geldautomaten bestehen bleiben. Doch in den Genuss eines Kontoauszugsdruckers an dieser Stelle kommen die Kunden bis auf weiteres nicht: Dies sei ein technisches Problem. Bürgermeister Heinrich Oppenhausen berichtete auf Anfrage von geradezu entrüsteten Protesten aus der Bevölkerung. Als er kürzlich bei einem hohen Geburtstag die übliche Aufwartung machte, sei er mitten in eine heftige Diskussion geraten. Er räumte ein: Die Gemeinde könne diese Entwicklung nicht aufhalten. Auch deren Bemühungen und die des örtlichen Gewerbevereins um die Ansiedlung eines Einkaufsmarkts seien ohne Erfolg geblieben. Dabei würde Apelern einem Investor die erforderliche Fläche sofort zur Verfügung stellen. Doch offenbar sei die Gemeinde zu klein für etwaige Interessenten: Der Ortsteil Apelern selbst zählt etwa 1550 Einwohner; weitere 1200 Personen wohnen in den fünf umliegenden Dörfern. Für Adelheid Maurer, die als Vorsitzende des DRK-Otsvereins von ähnlichen Diskussionen bei ihren Mitgliedern weiß, ist die Entwicklung nur "enttäuschend". "Zum Glück ist noch der Arzt im Ort", kommentiert sie das Dilemma gerade für ältere Menschen. Zwar unterhalte das Hotel "Breeges Berghof" eine Postagentur - "aber das ist für manche Leute im Oberdorf schon viel zu weit". Maurer ("Schlachter und Volksbank tun schon sehr weh") sieht in den Schließungen noch ein ganz anderes Problem: "Da leidet doch die ganze Attraktivität des Ortes darunter. Und das trifft auch jüngere Familien." Günter Knief, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, hat aufgrund der weiteren Ausdünnung der kleinen Apelerner Geschäftswelt an eine frühere Anregung aus dem Rodenberger Seniorenbeirat erinnert und inzwischen einen Anrufbus für die sechs Ortsteile nach dem aktuellen Beispiel von Niedernwöhren gefordert. So könne eine Verbindung zu Einkaufsmöglichkeiten, Fachärzten und Rathaus geschaffen werden. Oppenhausen will diesen Vorschlag jedoch nicht nur für Apelern allein aufgreifen: "Das Problem haben doch auch alle anderen Dörfer." Zudem könnte ein solcher Anrufbus auch noch eine ganz positive Seite haben: "Dann bleibt die Kaufkraft wenigstens in der Samtgemeinde."




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