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Vorschlag des Duisburger Investors vor Vertretern verschiedener Ratsfraktionen

Multi: Rathaus in die Obermarktpassage?

Minden (mt). Der Duisburger Investor Multi Development (Multi) hat gegenüber der Stadt Minden Interesse an der Umstrukturierung der Obermarktpassage zu einem Rathaus mit Praxen und Geschäften geäußert.

veröffentlicht am 29.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:21 Uhr

Wie aus politischen Kreisen bekannt wurde, hat Multi-Geschäftsführer Axel Funke entsprechende Gespräche mit Vertretern verschiedener Ratsfraktionen geführt. Auch soll es bereits Kontakte zum insolventen Obermarktpassagen-Eigentümer, der Wiesbadener Secur Verwaltungs GmbH, gegeben haben.

Multi Development wollte ursprünglich im Rathaus-Quartier die sogenannte Domhof-Galerie errichten. 2007 war das 80-Millionen-Euro-Projekt aber einem Bürgerentscheid gescheitert, in dem sich ein Großteil der Bevölkerung gegen den geplanten Abriss des neuen Rathauses am Kleinen Domhof ausgesprochen hatte. Seither hatte Multi aber immer wieder Interesse am Standort in Minden bekundet. Wie weit aber eine Umwandlung der Obermarktpassage in ein Stadthaus überhaupt möglich scheint, wird in der Politik noch sehr zurückhaltend betrachtet.

Für die Stadt würde eine solche Möglichkeit allerdings die Lösung eines Problems bedeuten. Denn das Ende der 1970er-Jahre erbaute Rathaus gilt unter energetischen Aspekten als „katastrophal“, die Sanierung des sogenannten Deilmann-Baues dürfte in die Millionen gehen. Geld, das die Kommune auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung hat.

Gleichzeitig würde ein Stadthausumzug auch Probleme bei der Entwicklung des Rathaus-Innenhofs lösen. Denn auch für eine kleine Einkaufscenterlösung unter Beibehaltung des „neuen“ Stadthausflügels am Kleinen Domhof müssten Teile des nördlichen Deilmann-Baues aller Wahrscheinlichkeit nach abgerissen werden.

Unterdessen ist noch völlig offen, wie es nach der Pleite der Obermarktpassage überhaupt weitergeht. Dem Vernehmen nach sind der Geschäftsführer der insolventen Secur, Roland Dangel, und der Insolvenzverwalter Ralf Hildebrandt unter anderem mit Architekten, Vertretern der Stadt, des Supermarkt-Betreibers Kaufland und von Banken zusammengetroffen, um die aktuelle Situation der Passage zu betrachten und über mögliche Perspektiven zu sprechen.

Mit dabei soll nach Informationen aus der Kommunalpolitik auch ein Vertreter des US-Finanzdienstleisters Wells Fargo gewesen sein, der mit der finanziell angeschlagenen Eik Banki auf den Färöer Inseln in Verbindung stehen soll. Die Bank, ein Kooperationspartner von Secur, stand vor wenigen Wochen wegen Schwierigkeiten bei großen gewerblichen Immobiliengeschäften vor der Pleite. Die dänische Bankaufsicht übernahm daraufhin die Regie über Eik Banki mit ihren Milliarden-Problemen. Diese Probleme sollen auch dazu geführt haben, dass Secur am Mittwoch vergangener Woche Insolvenz anmelden musste.

Insgesamt rund 13 Millionen Euro wollten Secur und die Teileigentümer bis zum Frühjahr 2011 in die Sanierung und Umgestaltung der Obermarktpassage investieren, die laut des Wiesbadener Investors in ein Fachmarktzentrum umgestaltet werden sollte. Wegen der Zahlungsschwierigkeiten des Investors legten jedoch die Handwerker die Arbeit nieder. Die Passage ist zu einem Großteil nur eine Art Rohbau. Lediglich die bestehenden Geschäfte im Erdgeschoss, der im September eröffnete Supermarkt Kaufland, der Ein-Euro-Markt Tedi, der heute eröffnet und das erweiterte Outdoor-Fachgeschäft Jack Wolfskin in der Obermarktstraßen-Ebene führen ihre Geschäfte weiter.

Nach unbestätigten Informationen aus politischen Kreisen sind mehr als 60 Prozent des geplanten Investmentvolumens bereits verbaut. So lägen die Hoffnungen jetzt auf Wells Fargo, die kurzfristig einen deutlichen sechsstelligen Betrag investieren müssten, um den Weiterbetrieb der Obermarktpassage für die nächste Zeit sicherzustellen.




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