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Kollegium des Adolfinums gegen Bau auf dem Gelände – Gesamtkonferenz entscheidet am 25. Juni

Multi-Anlage steht auf der Kippe

BÜCKEBURG. Lange Jahr ist diskutiert und debattiert worden, wie die Multifunktionsanlage für die Kernstadt finanziert wird und – vor allem – wo sie gebaut wird. Seit 2016 stehen die Mittel im Haushalt und auch der Standort steht seit Herbst 2017 fest: die Wiese vor dem Gymnasium Adolfinum in den Hofwiesen. Sogar der Gestattungsvertrag mit dem Eigentümer, dem Landkreis Schaumburg, ist seit dem 17. Dezember 2017 unterzeichnet.

veröffentlicht am 13.06.2018 um 16:07 Uhr
aktualisiert am 13.06.2018 um 18:20 Uhr

Seitens der Schülervertreter ist auf der Gesamtkonferenz angeregt worden, das bereits vorhandene Fußballfeld mit der Multifunktionsanlage zu überbauen. Da damit das Müllproblem weiter fortbestanden hätte, sprach sich die Gesamtkonferenz mit deutliche
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Quasi auf der Zielgeraden steht das Projekt jetzt dennoch mehr als auf der Kippe. Denn die erforderliche Zustimmung der Schule ist mehr als fraglich. In einer Dienstbesprechung hat sich das Kollegium gegen den Bau der Anlage auf dem Schulgelände ausgesprochen, wie Adolfinum-Direktor Michael Pavel auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Angaben zu den Mehrheitsverhältnissen machte er nicht, bestätigte lediglich, dass sich „ein Großteil“ des Kollegiums gegen die Anlage ausgesprochen hat. Nach Informationen unserer Zeitung soll das Projekt nur einen Befürworter unter den Lehrern gefunden haben.

Das letzte Wort hat nun die Gesamtkonferenz, die zwei Tage vor den Sommerferien am Montag, 25. Juni, abschließend über das Thema beraten und entscheiden wird. Dort sind die Stimmverhältnisse klar: Der Gesamtkonferenz gehört das Kollegium mit seinen rund 80 Lehrern an, dazu kommen je 18 Schüler und Elternvertreter. „Ob da alle kommen, ist offen“, sagte Pavel insbesondere im Hinblick auf die Schülervertreter. Auf jeden Fall sei der Schülerrat auf einer Sitzung am gestrigen Mittwoch eingehend über das Thema informiert und die Vertreter um ihr Kommen gebeten worden.

Zu den Gründen der ablehnenden Haltung des Kollegiums verwies Pavel auf einen Brief, der am Adolfinum verteilt worden ist. In ihm zählt er die Vor- und Nachteile der Multifunktionsanlage auf. Die Voraussetzungen werden dargelegt: „Der Landkreis Schaumburg, dem das Schulgelände gehört, hätte nichts gegen diesen Plan, vorausgesetzt, wir als Schule stimmen zu“, heißt es: „Es kommt jetzt darauf an, was wir als Schule dazu sagen.“ Das ablehnende Votum des Kollegiums wird nicht erwähnt.

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Als Vorteil wird aufgelistet, dass die Adolfiner die Anlage vor und nach dem Unterricht sowie in den großen Pausen nutzen können, wegen der starken Geräuschentwicklung aber nicht während des Unterrichts. Für die Ganztagsschüler hätte die Anlage den Vorteil, dass sie bis 15.30 Uhr auf dem Schulgelände Sport betreiben können.

Unter dem Punkt „Nachteile“ wird aufgelistet, dass die Anlage „sehr schnell“ ein regelmäßiger Treffpunkt von Jugendlichen aus Bückeburg und der näheren Umgebung wäre. Das allein sei noch kein Nachteil, aber die Konsequenzen daraus. Erfahrungsgemäß würden Jugendliche Müll und auch Scherben hinterlassen, sodass die Anlage jeden Morgen von den Hausmeistern kontrolliert und gesäubert werden müsste. Ungeklärt sei auch die Toilettensituation, sodass Jugendliche möglicherweise auf den Rasen, an Bäume oder hinter Büsche urinieren würden. Am nächsten Tag würden dann jüngere Schüler „Kriegen“ oder „Verstecken“ hinter diesen Büschen und Bäumen spielen. Der dritte Nachteil: Für das weitgehend historisch gewachsene Schulgelände mit seinen vielen Büschen und älteren Bäumen sei die Anlage ein „Fremdkörper“, der das Schulgelände nicht schöner aussehen lässt.

Im Rahmen der Prüfung, ob und gegebenenfalls wo eine solche Anlage für das Schulgelände in Frage käme, sei seitens einer Gartenbauarchitektin der Vorschlag unterbreitet worden, die Rasenfläche entlang der Liebesallee und unterhalb des Fußballplatzes zu nutzen, indem dort ein Kiesweg angelegt wird. Er soll so verlaufen, dass die Schüler auf diesem Kiesweg großräumig um das vorhandene Fußballfeld herumgehen können. Pavel in dem Schreiben: „Dieser Vorschlag hat bisher große Zustimmung gefunden.“

Wie Pavel sagte, gebe es Versuche von Befürwortern und Gegnern, Einfluss auf die Entscheidung der Schule zu nehmen, Gruppierungen seien auf ihn zugekommen. Der Ausschuss für Jugend und Familie hatte in seiner Sitzung Mitte April noch einmal den Standort Adolfinum bekräftigt, aber eingeräumt, dass es seitens der Stadt versäumt worden sei, die Schule mit auf den Weg zu nehmen und für Akzeptanz zu werben. Der Ausschuss hatte damit auch auf Aussagen einer Delegiertenversammlung des Forums Bückeburger Sportvereine Mitte Februar reagiert. Dort waren Überlegungen laut geworden, die auf eine erneute Überprüfung des Standorts der Multifunktionsanlage abzielten. Der Forumsvorsitzende, der VfL-Präsident Martin Brandt, hatte den Adolfinum-Standort damals als „keine gute Idee“ bezeichnet und das Jahnstadion ins Gespräch gebracht.

Mein Standpunkt
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Von Raimund Cremers

Andere Schulen würden sich in Zeiten klammer Kassen der Schulträger die Finger lecken, eine Multifunktionsanlage für lau auf ihr Gelände gebaut zu bekommen. Die Vorteile überwiegen bei Weitem, denn schon heute muss regelmäßig kontrolliert werden, ob in den Außenbereichen alles in Ordnung ist. Ganz zu schweigen von der Frage, wie viele Hunde schon an den Bäumen oder hinter den Büschen ihr Geschäft verrichtet haben. Und die Stadt wäre gut beraten: Fragt und informiert künftig vorher.

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