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Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungsverfahren wieder auf / Freispruch für den Vater angefochten

Mutter des toten Babys droht Anklage

LINDHORST. Im Fall des zu Tode geschüttelten Babys aus Lindhorst hat die Bückeburger Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen die Mutter (21) wieder aufgenommen. Ihr droht nun ebenfalls eine Anklage wegen Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen.

veröffentlicht am 03.07.2018 um 20:28 Uhr

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Im Prozess gegen den 23 Jahre alten Vater des Kindes, den das Schwurgericht in Bückeburg im Mai aus Mangel an Beweisen freigesprochen hatte (wir berichteten), hat die Staatsanwaltschaft außerdem Revision eingelegt. Das bestätigt Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt, Leiter der Anklagebehörde.

Damit lässt die Staatsanwaltschaft in beiden Fällen nicht locker. „Wir möchten, dass die Tat auf jeden Fall aufgeklärt wird“, hatte deren Sprecher Nils-Holger Dreißig direkt nach dem Freispruch angekündigt.

Am 27. November 2017 war der drei Monate alte Säugling so heftig geschüttelt worden, dass er Hirnblutungen und einen Atemstillstand erlitt. Trotz einer Notoperation im Mindener Klinikum starb das Kind dort zwei Tage später. Für eine Verurteilung des Vaters blieben jedoch zu viele Zweifel. Nach einem rechtsmedizinischen Gutachten, das erst vor Gericht näher erörtert wurde, kann der Kleine auch vor 15 Uhr geschüttelt worden sein, als die Mutter noch mit in der Wohnung anwesend war. Von 15 bis 17 Uhr war der Vater dann mit dem Baby allein.

„Durch die Hauptverhandlung haben sich neue Erkenntnisse ergeben“, erklärt Oberstaatsanwalt Jochen Schmidt den Grund für die Wiederaufnahme des Verfahrens. Soll heißen: Auch die Mutter könnte es gewesen sein. Das Verfahren gegen die 21-Jährige war zunächst eingestellt worden.

Das Verhalten der Eltern während des Prozesses hatte viele Beobachter sprachlos gemacht. So konnte sich der Vater auf der Anklagebank in einigen Situationen ein Lächeln nicht verkneifen, während die Mutter sich von der Boulevardpresse am Grab des Kindes fotografieren ließ.

In der Revision, die sich gegen den Freispruch richtet, wird die Entscheidung vom Bundesgerichtshof (BGH) lediglich auf Rechtsfehler überprüft. Um Tastsachen geht es nicht. Falls das Rechtsmittel der Staatsanwaltschaft keinen Erfolg hat, besteht noch die Möglichkeit eines Wiederaufnahmeverfahrens. Dies ist allerdings im deutschen Recht mit hohen Hürden verbunden. Erfolg kann ein Wiederaufnahmeverfahren zum Beispiel haben, wenn Zeugenaussagen vorsätzlich falsch waren oder Angeklagte doch noch ein Geständnis ablegen.

Zunächst geht es aber darum, ob die Mutter als Täterin infrage kommt. Ihr Sohn war erst drei Monate auf der Welt, hatte aber bereits einen Leidensweg hinter sich. Insgesamt ist das Baby innerhalb von zwei bis drei Wochen dreimal derart geschüttelt worden, dass es zu inneren Blutungen kam, vor allem im Gehirn. Zum Tod führte schließlich ein Schütteltrauma, das der Säugling am 27. November erlitt, dem Tag der Tat.

Falls es zum Totschlagsprozess gegen die Frau käme und auch am Ende dieser Hauptverhandlung ein Freispruch stünde, bliebe der gewaltsame Tod eines wehrlosen Kindes ungesühnt. Dabei muss es nach Überzeugung der Bückeburger Richter einer von beiden gewesen sein - Vater oder Mutter. ly




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