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Nabu: „Schwerer Eingriff in die Landschaft“

Vehlen (sig). Erhebliche Bedenken gegen die geplante Errichtung eines zentralen Klinikums in der Feldmark von Vehlen hat der Naturschutzbund Obernkirchen geäußert. Dieses Projekt bedeute einen schwerwiegenden Eingriff in die Landschaft, erklärten die Naturschützer in einer schriftlichen Stellungnahme an die Stadt.

veröffentlicht am 24.08.2010 um 14:45 Uhr
aktualisiert am 04.12.2012 um 14:46 Uhr

Durch die geplante Verkehrsanbindung werde der bisher nur mit landwirtschaftlichen Wegen ausgestattete Bereich zerschnitten. Die westliche Zufahrt über die Aue bedeute, dass ein Teil des Gebietes aus dem Landschaftsschutz herausgenommen werde. Für das Brückenbauwerk müsse darüber hinaus Strauch- und Baumbewuchs, der die Aue begleitet, entfernt werden.

Der Nabu befürchtet, dass mit diesem Projekt sowohl Wanderwege als auch Wechselwege von Wild und Amphibien zerschnitten werden. Der durch die intensive Landwirtschaft ohnehin verringerte Bestand der Feldlerche werde voraussichtlich weiter zurückgehen. Und auch für wandernde und dort rastende Vogelarten wie Kiebitze, Braunkehlchen und Sumpfrohrsänger würden die Nutzflächen weiter verkleinert.

Die mit dem Bau verbundene großflächige Versiegelung werde nach Auffassung des Nabu auch die Grundwasserbildung stören. Dazu würde die Naherholungsfunktion dieses Bereiches für Vehlen, Krainhagen, Röhrkasten, Ahnsen und den Ortsteil Beeke stark beeinträchtigt.

Wenn es bei diesem Standort bleibe, dann müsse unbedingt auf eine „sanfte Einbindung des Klinikums in die Landschaft“ geachet werden, fordern die Naturschützer. Deshalb sollten alle durch die Bebauung und durch die Parkplätze sowie Verkehrswege benötigten Flächen mit heimischen Gehölzen, Bäumen, auch Obstbäumen, Hecken und Buschwerk eingegrünt werden.

Der erforderliche Löschteich müsse zu 70 Prozent mit natürlichen Ufern versehen werden. Und das anfallende Oberflächenwasser soll im vollen Umfang zurückgehalten und verwertet werden. Bleibt doch ein Überschuss, so sollte der durch Versickern abgeleitet werden. Die Naturschützen erwarten, dass die Dachflächen für die Energiegewinnung genutzt werden.

Der Durchlass der Aue bei dem Brückenbauwerk soll so großzügig gestaltet werden, dass flussabwärts wandernde Tiere nicht die Straße queren müssen. Zum Schutz der frei lebenden Tierwelt fordert der Nabu Tempo 40 als Obergrenze.

Bei den Ausgleichsmaßnahmen soll der Schwerpunkt auf die Erweiterung des kreiseigenen Biotops gelegt werden. Dazu gehören Flachwasserteiche, Grünflächen und Hecken. Die auf alten Karten noch vorhandenen Vogelinseln könnten wieder hergestellt werden, meint der Nabu. Außerdem sollte man vorrangig den Auewald vergrößern.

Die Naturschützer weisen darauf hin, dass auf dem Areal des Klinikums und an den Versorgungsgebäuden die einmalige Chance bestehe, Maßnahmen des Artenschutzes vorzunehmen. Das bedeutet, Nistmöglichkeiten für Schleiereulen, Turmfalken und Mauersegler zu schaffen. Auch Fledermausquartiere könnte man einrichten. Für die bedrohten Mehlschwalben könnten auf dem Freigelände nahe dem Löschteich spezielle Quartiere angelegt werden.

Diese Maßnahmen will der Naturschutzbund als eine sanfte und naturverträgliche Einbindung des Klinikums in die Feldflur verstehen.




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