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Umtauschquote nach Weihnachten ist geringer geworden / Rintelner Einzelhandel zeigt sich kulant

Nach dem Fest: Same Procedure as every year?

Rinteln (who). Ein Geschenk, das nicht gefällt, nicht passt oder sich in doppelter Ausführung auf dem Gabentisch gefunden hat? Da gibt's nur eins: Umtauschen - und zwar so schnell wie möglich direkt nach Weihnachten. Das altvertraute Bäumchen-wechsle-dich-Spiel am Ladentisch scheint inzwischen allerdings die Ausnahme. Das Kundenverhalten hat sich im Vergleich zu früheren Jahrzehnten deutlich verändert. So der Tenor der Rintelner Geschäftsleute, für die der problemlose Warenumtausch allerdings weiterhin zum Service am Kunden gehört.

veröffentlicht am 29.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Silvia Breuer von der Spielzeuginsel erwartet die eigentliche Um

"Das Machbare wird selbstverständlich getan", versichert Jörg Huget, Geschäftsführer bei "expert" in der Braasstraße. Das Verkaufsteam im Technikkaufhaus sei auf potenzielle Umtauschwünsche vorbereitet gewesen. "Es ist nicht so heftig gekommen", zieht Huget Bilanz. Als einen der Gründe sieht er, "dass die innerfamiliäreKommunikation heute wohl besser klappt und weniger doppelte Geschenke gemacht werden oder nach dem letzten Update noch kurz vor dem Fest umgetauscht werden". Normalerweise werde der Umtausch bei expert kulant gehandhabt, wobei man bei angeblichen technischen Defekten vorher genauer prüfe. Huget: "Es gab einen Fall am Mittwoch, bei dem ich weiß, dass uns selber die Industrie das schadhafte Großgerät nicht so einfach umtauschen, sondern als Transportschaden deklarieren wird." Die vorsichtige Prüfung eines "expert"-Mitarbeiters scheint somit der Grund, weshalb Ralf Klientzscherst nach gut einer halben Stunde Überzeugungsarbeit das Geschenk seiner Ehefrau umgetauscht bekommt. Dann verlässt er halbwegs zufrieden mit dem neuen Multifunktionstelefon den Markt. "Eigentlich hätte ich gerne erst das Geld zurück genommen, bei einem Preis von über 100 Euro überlegt man doch gerne, bevor man sich entscheidet", bedauert er. "Ich weiß eigentlich nur von zwei Umtauschen, wir müssen unsere Kunden wohl gut beraten haben", erklärt Henrik Rumke vom gleichnamigen Modehaus. Früher sei der Umtausch-Run überdies viel heftiger gewesen. Zur Mehrwertsteuer-Erhöhung versichert er, wie die Mehrzahl der Rintelner Einzelhändler: "Das ist kein Thema, die Kunden müssen auch beim Umtausch im Januar keine drei Prozent draufzahlen." "Grundsätzlich tauschen wir auch um", bestätigt Horst Sieminewski vom Zweirad-Center in der Brennerstraße. Auch er sieht's gelassen und weiß, dass nur wenige Kunden ihr Fahrrad nach Weihnachten zurückbringen werden. So eine Investition mit so viel persönlichem Bezug werde wohl überlegt und die qualifizierte Beratung tue das Ihre hinzu. Die bevorstehende Steuererhöhung ist für den Fahrradhändler ebenfalls kein Thema. Einer der Gründe, über den er selber staunen muss: "Die meisten Hersteller erhöhen die Preise anscheinend nicht zu Jahresanfang, habe ich aus den neuen Preislisten ersehen." Ein neuer Trend ist nach Beobachtung von Silvia Breuer die Ursache für den rückläufigen Weihnachtsgeschenke-Umtausch. Die Inhaberin der "Spielzeuginsel" am Marktplatz sieht, dass die massive Fernsehwerbung vor Weihnachten "den Wunschzettel vieler Kinder bestimmt". Dazu komme eine sorgfältigere Auswahl als früher. Auch bei ihr sei auf Grund rechtzeitiger Absprachen zwar noch schnell vor dem Fest Einiges umgetauscht worden, doch das Gros an Rückgaben erwarte sie "Anfang Januar, wenn die Familien aus dem Urlaub zurück kommen". Alles in allem sei das jedoch kein Vergleich zu den Umtauschschlachten von früher. Das Weihnachtsgeschäft ist für Silvia Breuer gut gelaufen und läuft zurzeit mit einem "Nachbrenner" noch bis zum Sonnabend weiter. "Wir verkaufen sämtliche Artikel bis auf die ohnehin schon reduzierten mit einem Preisnachlass von 30 Prozent", erklärt sie. Damit hat sie sich wie auch Henrik Rumke bereits auf die Zeit nach Neujahr eingestellt. "Seit einigen Jahren reagieren wir auf die Praxis der großen Kaufhäuser ebenfalls direkt nach Weihnachten mit reduzierten Preisen", erklärt Rumke. Branko Kozic, Geschäftsleiter des Marktkauf-Warenhauses an der Konrad-Adenauer-Straße, und seine Mitarbeiter zeigten sich am Donnerstag besonders überrascht von der schwachen Umtauschwelle. "Wir hatten uns mit einer Sonderbesetzung am Service-Tresen vorbereitet, aber es ist fast gar nichts gelaufen", staunt er. Alles sei im normalen Rahmen geblieben. Gezielte Käufe und die großzügige Umtauschpraxis mit der Kaufpreiserstattung als Alternative macht Kozic für die entspannte Haltung der Kunden verantwortlich. Die Aussicht, zusätzlich drei Prozent Mehrwertsteuer zahlen zu müssen, habe sich ebenfalls nicht in erhöhtem Konsum ausgedrückt: "Vermutlich, weil die Beträge bei uns nicht so hoch sind, wie zum Beispiel beim Autokauf..." "Es wird heute nicht mehr irgend etwas zu Weihnachten als Geschenk gekauft und anschließend umgetauscht", kann Markus Struck bestätigen. Es werde längst nicht mehr so viel wie früher umgetauscht. Da das erfahrungsgemäß am ersten Tag nach Weihnachten geschehe, rechne er selber jetzt nicht mehr mit vielen Transaktionen. Aber wenn, sei das auch in seinem Fotogeschäft am Markt kein großes Thema, "weil wir uns bemühen, so zu beraten, dass der Kunde zufrieden ist". Die gleiche Praxis vermute er bei den meisten der kleineren Rintelner Fachgeschäfte.

Für Fotohändler Markus Struck ist klar: "Es wird nicht mehr einf
  • Für Fotohändler Markus Struck ist klar: "Es wird nicht mehr einfach irgend etwas gekauft, sondern ganz gezielt ausgesucht."
Am Ende doch zufrieden: Hans-Jürgen Klientzsch aus Varenholz geh
  • Am Ende doch zufrieden: Hans-Jürgen Klientzsch aus Varenholz geht nach einer halben Stunde Überzeugungsarbeit am vorsichtigen "expert"-Verkäufer mit seinem umgetauschten Multifunktionstelefon nach Hause. Fotos: who



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