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Bei der künftigen Nutzung der Herderschule vertreten Reiner Brombach und Axel Wohlgemuth unterschiedliche Positionen

Nach einer Stunde ist es geschafft

Bückeburg. Die von unserer Zeitung im gut besuchten Le-Theule-Saal des Rathauses organisierte Podiumsdiskussion der Bewerber um das Bürgermeisteramt der Stadt Bückeburg, Reiner Brombach (SPD) und Axel Wohlgemuth (CDU), hat am Dienstagabend zwei Kandidaten zusammengeführt, die beide fundiertes Fachwissen, bemerkenswerten gegenseitigen Respekt und vor allen Dingen zahllose Übereinstimmungen unter Beweis stellten. Während der von Dewezet-Chefredakteur Frank Werner und Redakteur Raimund Cremers moderierten Veranstaltung nahm es rund 60 Minuten in Anspruch, bis ein erster Gegensatz zutage trat.

veröffentlicht am 12.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:41 Uhr

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„Sie lehnen den Vorschlag von Herrn Wohlgemuth tatsächlich ab?“, fragte Werner sicherheitshalber noch einmal nach, als Brombach über die Nachnutzung des Geländes der früheren Herder-Schule sprach. „Ich lehne diesen Vorschlag ab“, bestätigte das amtierende Stadtoberhaupt. „Nach einer Stunde haben wir es geschafft“, stellte Werner fest. „Man muss nur lange genug reden, dann sind selbst die besten Freunde irgendwann einmal nicht mehr einer Meinung“, konterte Brombach. Der sich für ein innenstadtnahes Wohngebiet stark macht, während Wohlgemuth einen „Stadt-Sport-Park“ will. Mit einer Ganzjahres-Laufstrecke, der bereits geplanten Multifunktionsanlage, dem Umzug des Skateparks vom Stadtrand, ein Boulefeld, ein Bikeparcour, eine Kletterwand oder Ähnliches.

Die auch im Fortgang des Abends zu konstatierende Abwesenheit von schwerwiegender Zwietracht mag insbesondere der umfangreichen Erfahrung der beiden Verwaltungsfachleute darüber geschuldet gewesen sein, dass gravierende Veränderungen zumeist mit umfangreichen finanziellen Investitionen einhergehen. Darüber hinaus lagen Wohlgemuth und Brombach, anders als mitunter im Kreis von Parteigängern zu vernehmen ist, bei vielen Themen aber auch grundsätzlich auf konformen Wellenlängen. Formulierung wie „da hat Herr Wohlgemuth (– respektive Herr Brombach –) Recht“, „hier sind wir einer Meinung“ und „das sehe ich auch so“, waren mehr als einmal zu vernehmen.

Einhelligkeitsbeispiel Schullandschaft. „Wir sind gut beraten, die vier Bückeburger Grundschulstandorte dauerhaft zu sichern. Man kann die Schulen auch verwaltungstechnisch zusammenlegen und dabei die Standorte erhalten,“ sagte Herausforderer Wohlgemuth. „Ich habe mich immer dafür eingesetzt,– und da unterscheide ich mich auch nicht von Herrn Wohlgemuth, dass wir kurze Wege anstreben sollten. Und deswegen wird es mit mir keine Schließung der Grundschule Meinsen geben“, so Brombach.

Amtsinhaber Reiner Brombach (SPD).

Mit Blick auf die weiterführenden Schulen herrschte Konsens darüber, sich am Willen von Eltern und Schülern orientieren zu wollen. Brombach plädierte für die Ansiedlung einer IGS ohne Oberstufe. „Wir dürfen unser Gymnasium auf keinen Fall gefährden.“ Wohlgemuth plädierte dafür, Gesetzgebung und Elternbefragung abzuwarten. Die CDU auf Kreisebene sei nicht mehr gegen die Einführung einer IGS. Falls das auch dem Willen von Eltern und Schülern entspreche, „dann würden wir uns sicher gemeinsam dafür stark machen.“

Einhelligkeitsbeispiel Fußgängerzone. „Ich bin gegen bauliche Einschränkungen wie versenkbare Poller, wir sollten die Fahrzeughalter kontrollieren“, meinte Brombach. Die Stadt sei durchaus in der Lage, gemeinsam mit Polizei und Ordnungsbehörde den unzulässigen Verkehr hinauszubringen. „Eine Sperrung ist mit hohen Kosten und Verwaltungsaufwand verbunden“, meinte Wohlgemuth, der zudem eine Gefährdung insbesondere durch schnell fahrende Radfahrer erkannte. „Da müssen wir uns etwas einfallen lassen.“

Das weitere Einhelligkeitsbeispiel Rechts-Links-Konflikt: Die Frage, ob die Stadt in dieser Beziehung zu wenig unternommen habe, „kann man so nicht beantworten“, gab der Herausforderer zu verstehen. Der Konflikt mache ihn „einfach nachdenklich und traurig“ und er befürchte, dass dieser nicht von heute auf morgen verschwinden werde. Und: „Wir müssen dafür sorgen, Ausstiegsmöglichkeiten zu finden und diese stärker als bisher anzubieten.“

„Wir haben sofort als das Problem auftrat mit allen gesellschaftlichen Gruppierungen dieser Stadt dagegen Front gemacht“, gab der Amtsinhaber zu verstehen. Es handele sich um einen Streit, der weniger politisch motiviert sei, sondern ihn mehr an Auseinandersetzungen von Hooligans erinnere. Mittlerweile wohne keiner der rechten Agitatoren mehr in Bückeburg. Er habe Kontakt zu einigen Personen aus der linken Szene gehabt. „Absolut ordentliche Jugendliche mit nachvollziehbaren Argumenten. Aber offensichtlich verändern sich Menschen, wenn sie einer gewissen Gruppendynamik unterliegen.“

Einigkeitsbeispiel Finanzen. „Wir müssen den Weg der Verschuldung umkehren. Es gibt aber nicht den einen Brocken im Haushalt, den wir herausstreichen können, sondern ganz viele kleine Stellen, an denen man drehen muss“, hielt Wohlgemuth fest. „Der Weg der Konsolidierung ist ein steiniger Weg, den man vielleicht auch gemeinsam wird gehen müssen. Dafür würde ich die Ärmel hochkrempeln.“

„Wir müssen Schulden abbezahlen, aber es kommen auch immer wieder neue hinzu“, hielt Brombach fest. „Das sind aber Schulden, wie etwa der Kauf des Netzes von E.on Westfalen-Weser, die man machen sollte, weil sie für die Zukunft eine vernünftige Politik ermöglichen. Die Schulden in den städtischen Betrieben sind durch Gebührenhaushalte gedeckt.“

Beim Thema „Stadtentwicklung“ mit den Schwerpunkten Herder-Schule/Neumarkplatz, Jägerkaserne und Krankenhaus Bethel geriet – siehe oben – lediglich der „Stadt-Sport-Park“ zum Streitpunkt. Die Zukunft der Jägerkaserne sei wegen der Zuständigkeit der Bundeswehr schwierig einzuschätzen, für das Krankenhaus Bethel zeichneten sich Nachnutzungsvorhaben wie etwa ein Hospiz oder ein vergrößertes Ärztezentrum ab, äußerten die Bewerber einvernehmlich.




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