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Kantorin will in Gebäude einziehen – und erntet dafür Beifall

Nach fünf Jahren Leerstand: Lösung für das Pfarrhaus?

Hülsede (nah). Für das seit mehr als fünf Jahren leer stehende Hülseder Pfarrhaus bahnt sich eine neue Nutzung an. „Ich könnte hier einziehen“, erklärte die Lauenauer Kantorin Christina Ziegler in der Mitgliederversammlung des „Freundeskreises St. Ägidien Hülsede“ – und erntete dafür spontanen Beifall.

veröffentlicht am 08.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:42 Uhr

Bislang war die Zukunft der Immobilie völlig ungewiss, nachdem mit Pastor Heinz-Dieter Wittenborn der letzte Seelsorger ausgezogen und seine Stelle nicht wieder besetzt worden war. Überlegungen des Kirchenvorstands, das Pfarrhaus der politischen Gemeinde anzubieten, scheiterten ebenso wie eine private Vermietung. Zuletzt wurde an einen Verkauf des Gebäudes gedacht.

Doch dagegen wehrten sich die Mitglieder des im November gegründeten „Freundeskreises“. Sie wollten das gesamte Ensemble von Kirche und Nebengebäuden erhalten. Ihr Argument: „Wir brauchen auch das Pfarrhaus, um unsere Kirche zu schützen“, erklärte damals der inzwischen zum Vorsitzenden gewählte Clemens-Christian Stummeyer. Denn um die aktuell restaurierten Gewölbemalereien langfristig zu sichern, könne St. Ägidien nicht mehr ständig geöffnet bleiben. Platz für Gottesdienste und Gemeindeleben würde sich im Erdgeschoss des Pfarrhauses bieten.

Dessen obere Etage hat mittlerweise Christina Ziegler ganz konkret ins Auge gefasst. Ihre mitten in einem Lauenauer Wohngebiet in Privaträumen angesiedelte Musikschule platze „aus allen Nähten“. Außerdem habe sie ein Faible für alte Bausubstanz. Kurzum: „Wenn niemand was dagegen hat, würde ich da einziehen.“ Die Wohnung ist etwa 100 Quadratmeter groß.

Unterdessen haben der Lauenauer und der Hülseder Kirchenvorstand bereits einhellig zugestimmt. Auf offene Ohren sei Ziegler nach eigenen Angaben auch beim Superintendenten des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg, Andreas Kühne-Glaser, gestoßen. Nun stehe nur noch das Gutachten eines Architekten aus. Bescheinige dieses der Immobilie einen akzeptablen altersgerechten Zustand, dürfte der Anmietung nichts im Wege stehen.

Ein Zehn-Jahres-Vertrag sei, wie es weiter heißt, im Sinne beider Seiten. Auf diese Distanz sieht Ziegler noch ihre berufliche Tätigkeit bis zum Ruhestand. Die Kirchenbehörden verlangen ein zeitlich entsprechendes Finanzierungs- und Nutzungskonzept.

Für Stummeyer gibt es zu Zieglers Angebot eigentlich keine Alternative: Die Mieteinnahmen würden fällige Gebäudeaufwendungen decken. Zudem könnte die künftige Nutzerin den Kirchenschlüssel verwalten oder sogar für Führungen zur Verfügung stehen.

Vor allem aber wäre ein Gebäudeverkauf vom Tisch. „Der bringt uns sowieso nichts“, glaubt er, denn von einem etwaigen Erlös müssten für die Kirche selbst erst Toiletten- und Heizungstrakt neu errichtet werden. Beides befindet sich bislang zentral im Pfarrhaus. Und eine räumliche Alternative für eine „Winterkirche“ gäbe es dann auch nicht mehr.




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