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Sammy macht durch Miauen auf sich aufmerksam / Feuerwehr hilft mit Wasser – Vierbeiner schwimmt in die Freiheit

Nach zwei Wochen im Kanal: Abgemagerter Kater lebt

Minden-Haddenhausen (mt). Die im Kanalsystem an der Biemker Straße gefangene Katze ist wieder frei. Am Freitag waren Hilfskräfte der Berufsfeuerwehr und der Stadtverwaltung vergebens im Einsatz. Am Montag tauchte das Tier dann auf. Sichtlich abgemagert und erschöpft hat Sammy den Aufenthalt im Kanal überstanden.

veröffentlicht am 14.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 09:41 Uhr

Das klägliche Miauen in der Tiefe des Kanals war aus dem Regenrohr am Haus Nummer 49 an der Biemker Straße zuletzt nicht mehr zu hören. „Ich dachte am Sonntag schon, die Katze lebt nicht mehr“, erklärte Ulrich Wächter. Er hatte als Anwohner den Einsatz der Feuerwehr am Freitag erlebt und vorgeschlagen, die Pflasterung über einem Kontrollschacht auf seinem Grundstück zu entfernen. Das aber habe die Feuerwehr wegen des Aufwandes abgelehnt.

Auch Versuche der Feuerwehr, das Regenrohr über der miauenden Katze freizulegen, scheiterten. So fluteten die Einsatzkräfte zuletzt noch den Kanal. Zuvor mussten bereits die Vertreter der städtischen Betriebe Minden aufgeben, weil ihr unterirdischer Kamerawagen auf dem Weg zu dem Tier das Gefälle im Kontrollschacht nicht überwinden konnte.

Der Zeitungsbericht darüber hatte zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Verwaiste Katzenbesitzer kamen bei Wächter vorbei, weil sie am Maunzen aus dem Rohr ihren Liebling zu erkennen hofften. Eine Schülerin meldete sich, um Geld für eine Rettungsaktion zu sammeln. Doch dann kam die erlösende Nachricht: Sammy lebt.

Keine Katze, sondern der einjährige Kater Sammy war es offenbar, der im Kanal verloren gegangen war. Zusammen mit einem gleichgeschlechtlichen Persermischling lebt er auf dem Nachbargrundstück von Ulrich Wächter. Am 28. Juni habe sie das Tier zuletzt gesehen, sagte die Besitzerin. Gestern dann sei Sammy völlig abgemagert und von Flöhen befallen wieder bei ihr aufgetaucht. „Er hat sich sofort über das Futter hergemacht.“ Der Tierarzt habe glücklicherweise keine Schäden festgestellt. Der Kater habe allerdings Probleme beim Wasserlassen davongetragen. So habe der Veterinär empfohlen, auf die Blasenentleerung zu achten.

Nach Auskunft von Ulrich Wächter war Sammy vor der Rückkehr am Montag noch auf einem anderen, 50 Meter entfernt liegenden Grundstück gesichtet worden. Dort habe eine Bekannte – ebenfalls Katzenhalterin – den Verschollenen in durchnässtem Zustand gesehen und gefüttert.

Wächter vermutet, dass Sammy durch ein Regenrohr an der Biemker Straße in das Kanalnetz gelangt ist. Auf dem weiteren Weg im Kontrollschacht sei er wohl abgestürzt und habe nicht mehr zurückgelangen können. Vermutlich habe es dann der Zulauf von Wasser durch den Feuerwehreinsatz dem Tier ermöglicht, in die Freiheit zu schwimmen.

Nach Auskunft von Michael Rogge, dem zuständigen Einsatzleiter der Mindener Berufsfeuerwehr, hatten seine Leute pro Jahr eine Handvoll an Einsätzen, bei denen es Katzen meist aus Bäumen zu retten galt. Im Gegensatz dazu sei die Lage am Freitag erheblich komplizierter gewesen. Neun Kräfte seien fünf Stunden vor Ort gewesen.

Auch die städtischen Betriebe rücken des Öfteren mit ihrem Kamerawagen zu kuriosen Einsätzen im Kanalnetz aus. „Öfters gehen Autoschlüssel oder Eheringe verloren, die wir dann suchen müssen,“ erklärt Andreas Höppner, Leiter Kanalnetzbetrieb, zu dem System, das eigentlich für die Suche nach Lecks beschafft wurde. Einmal habe eine Seniorin ihr Gebiss in der Toilette verloren – das habe sich aber nicht mehr finden lassen. An Tieren aber tauchten vor dem städtischen Kanalauge bislang nur Ratten und Frösche auf.




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