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Kreistag zur RStV: Einstellung des Bahnbetriebs, Streckenerhalt bis 2009 / "Gekämpft, aber verloren"

Nachüber 100 Jahren: Endstation für Eisenbahn

Landkreis (wer). Über 100 Jahre Eisenbahn-Geschichte in Schaumburg hat der Kreistag am Dienstag für beendet erklärt: Die "Rinteln Stadthagener Verkehrs GmbH" (RStV) soll zum 30. Juni 2007 aufgelöst werden. Damit wird, wie vom RStV-Aufsichtsrat beschlossen, der Güterverkehr auf der historischen Strecke Rinteln-Stadthagen eingestellt. Auch die Gleisstrecke selbst hat keine lange Zukunft mehr: Ebenso wie die Mitgesellschafter Rinteln, Stadthagen und Obernkirchen will der Landkreis die RStV nur befristet, bis zum Jahr 2009, als Infrastruktur-Unternehmen am Leben erhalten.

veröffentlicht am 21.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

In diesem letzten Punkt, der Fortführung des Unternehmens als reine Gleis-Gesellschaft ohne Bahnbetrieb, hatte es zu Beginn des Monats noch Differenzen unter den Gesellschaftern gegeben (wir berichteten). Die Stadt Rinteln hatte mit einem sofortigen Allein-Ausstieg geliebäugelt - die Befristung gilt als Kompromiss. Im Kreistag hatte die CDU-Fraktion beantragt, die 2007 zum "Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen" (EIU) umgewandelte RStV auf bis zu drei Jahre zu befristen. De facto hat der Kreistag dies einstimmig beschlossen: Der Defizitausgleich für das EIU soll "letztmalig 2009" vorgenommen werden. Den Todesstoß hat der RStV in diesem Jahr der Einbruch bei den Tonnagezahlen versetzt: Die auf der Schiene transportierten Gütermengen schmolzen von 100 000 auf 20 000 Tonnen zusammen, wichtige Kunden wie die Firma Schwarze in Rinteln oder Heye-Glas in Obernkirchen sind abgesprungen. Auch das Land hat sich verabschiedet: Niedersachsen,über die Osthannoversche Eisenbahn AG (OHE), die 74 Prozent der RStV-Anteile hält, war bislang der Hauptträger der RStV-Verluste. Doch 2006 springt das Land erklärtermaßen zum letzten Mal in die Bresche: Die OHE wird 2007 verkauft, der neue Eigentümer wird das Defizit nicht mehr decken. Betriebswirtschaft siegt am Endeüber Bahn-Nostalgie: "Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ist nicht absehbar", begründete Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier die Auflösung der RStV. Damit wird das letzte Kapitel der im Jahr 1900 unter Dampf genommenen Schaumburger Eisenbahn geschlossen. Bereits 1965 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt. "Wir haben für die RStV gekämpft, aber wir haben verloren", bilanzierte SPD/FDP-Gruppenchef Eckhard Ilsemann die politischen Versuche, die letzten Güter-Kunden bei der Stange zu halten. "Der Markt ist weggebrochen, obwohl die Strecke in einem guten Zustand ist." Anfangs habe man sofort aussteigen wollen, aber dann seien neue Aspekte deutlich geworden, begründete Horst Sassenberg (CDU) die Entscheidung zur befristeten Umwandlung der Gesellschaft. Deren Vorteile hatte zuvor Schöttelndreier in Erinnerung gerufen: Das Land zahlt 200 000 Euro "Starthilfe", der Erlös aus Grundstücksverkäufen bleibt bei den kommunalen Gesellschaftern und die auf der Strecke verkehrende Dampfeisenbahn Weserbergland (DEW) erhält Zeit, möglicherweise neue Weichen zu stellen. Sassenberg bewertete die Nachspielzeit für die RStV unter diesen Vorzeichen als "kostenneutral" unddankte dem Landkreis, 50 Prozent der EIU-Anteile zu übernehmen. Michael Dombrowski (Grüne) bewertete den befristeten Streckenerhalt dagegen nicht nur als Form der Abwicklung, sondern auch als Chance: Ohne den Einfluss des Landes könnten die Kommunen selbst entscheiden, ob und wie die Strecke genutzt werden könne. Auch eine Untersuchung über neuen Personenverkehr schloss er nichtaus. Falls eine Nachnutzung nicht gelingen sollte, könne man immer noch - "vielleicht für einen Radweg" - über die Gleisflächen verfügen.




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