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Frauenfrühstück der Landfrauen beschäftigt sich mit Grübeleien und Voreingenommenheit

Negative Gedanken jederzeit im Griff behalten

Bückeburg (jp). Wie beeinflussen Gedanken, und zwar insbesondere negative, das tägliche Leben, Erleben und Handeln? „Außerordentlich“, sagt Dors Zick. Unter dem Titel „Der Kopf ist rund, damit er beim Denken die Richtung ändern kann“ referierte die Journalistin und Kommunikationstrainerin auf dem vom Landfrauenverein Bückeburg organisierten Frauenfrühstück zu der Frage, inwiefern Schicksal, Erfahrungen und persönliches Glück von einem selbst gesteuert werden können.

veröffentlicht am 25.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:41 Uhr

Rund 80 Besucherinnen konnte Ilse Gottschalk, Vorsitzende der Bückeburger Landfrauen, zu diesem zwei Mal im Jahr stattfindenden Treffen im Le-Theul-Saal begrüßen, wo sie sich das schmackhafte Frühstücksbuffet aus der Küche von Ratskellerwirt Edgar Miller schmecken ließen.

„Jeder ist seines Glückes Schmied“ – diese Volksweisheit bildete auch die Kernthese von Doris Zick, die vor Jahren in Bückeburg die Landfrauenschule besuchte, anschließend bei Radio Westfalica arbeitete und bei Radio FFN in Hannover zur Redakteurin ausgebildet wurde. Heute lebt die Journalistin, die seit zehn Jahren freiberuflich für Volkshochschulen und in der Erwachsenenbildung tätig ist, im Harz.

Positives Denken sei eine Grundvoraussetzung für positive Erlebnisse und generell für persönliches Glück, so Doris Zick. „Je nachdem, wie wir aufstehen, haben wir Einfluss darauf, wie die Sache wird. Der Alltag wird zum größten Teil so, wie wir ihn erwarten. Wer bereits mit einer völlig negativen Grunderwartung ankommt, hat sich selbst in die Suppe gespuckt, und die schmeckt dann auch nicht.“ Das persönliche Erleben von Alltagssituationen zeige daher sehr häufig die Eigenschaft einer „self fulfilling prophecy“.

Da diese Erkenntnis jedoch schon lange bekannt, unzählige Male publiziert und inzwischen eine Allerweltsweisheit sei, sei die Frage umso interessanter, warum so viele Menschen immer noch durchweg negativ dächten. Zur Beantwortung griff Doris Zick auf die Thesen des österreichischen Psychotherapeuten Paul Watzlawik zurück, die vor allem in Gestalt des Bestsellers „Anleitung zum Unglücklichsein“ bekannt geworden sind. „Ratschläge zum Positivdenken gehen erfahrungsgemäß häufig zum einen Ohr rein und zum anderen wieder heraus“, so Doris Zick. „Also versuchen wir es mit einer Schocktherapie und fragen uns: Was muss ich machen, damit es mir so richtig schlecht geht?“

So biete Paul Watzlawiks Buch einige sehr effiziente Tipps und Kniffe, um sich komplett zum Unglücksraben abzustempeln. „Denken macht glücklich, Nachdenken macht unglücklich“, lautet zum Beispiel eine seiner Überlegungen. Und mit Nachdenken ist hier vor allem das zweiflerische Nachgrübeln gemeint. Wenn man nur lange genug über eine Sache nachdenke, komme man unweigerlich irgendwann zu einer völlig negativen Überzeugung und Erwartungshaltung. „Probieren Sie es doch einfach mal im Selbstversuch aus“, forderte Doris Zick. Intensives Nachgrübeln könne direkt zu paranoiden Überzeugungen führen und dazu, überall um sich herum Verschwörungen am Werk zu sehen: „Verkehrsampeln werden grundsätzlich rot, wenn ich komme.“ Oder: „Die Kasse, an der ich mich im Supermarkt anstelle, ist immer die langsamste.“ Oder auch: „Die Leute da haben bestimmt über mich gelacht.“ Solches Denken bewirke einen negativen Placebo-Effekt mit teilweise fatalen Folgen.

Eine weitere beliebte Methode, sein Unglück zu vermehren, sei das Festhalten an der Vergangenheit nach dem Motto: „Das war schon immer so, und ich habe keine Chance, das jemals zu ändern.“ Und ein wahrhaft unerschöpfliches Reservoir an „persönlichem Pech“ böten Missverständnisse aller Art. Um sich das Leben schwer zu machen, solle man möglichst alles Gesagte durch das „Beziehungsohr“ hören und somit auf sich beziehen, und das natürlich negativ. Selbst wenn es mit seinem Gegenüber zur Klärung des Missverständnisses komme („Das war doch alles gar nicht so gemeint“), ließen sich echte Unglücksraben von ihrer Überzeugung nicht abbringen und hielten alles nur für Ausreden. Eine besonders beliebte Variante sei die Methode, seinem Gegenüber die Wahl zwischen zwei Alternativen zu lassen. „Egal, für welche er sich entscheidet, es wird die falsche sein.“

Gut gefrühstückt, angeregt informiert. Die Bückeburger Landfrauen trafen sich zum Frauenfrühstück.

Foto: jp




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