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Andersen-Märchen der Landesbühne weckt Emotionen bei den Zuschauern

"Nein, Arielle! Neeeeeein!" schreien die 400 Kinder im Brückentorsaal

Rinteln (cok). Kleine Kinder sind meistens ein dankbares Publikum im Theater. Aber die Leidenschaft, mit der sie im Brückentorsaal an der Geschichte der kleinen Meerjungfrau Arielle teilnahmen, die durfte von der Truppe der Landesbühne Hannover doch als besonders großes Lob für ihre musikalische Aufführung des Andersen-Märchens aufgefasst werden.

veröffentlicht am 21.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Dabei war der Text oft gar nicht mal so leicht, denn ein kleines bisschen orientierte sich das Geschehen auch am Text des dänischen Dichters, der es, bei aller romantischen Traurigkeit seiner Geschichte, doch niemals an einer gehörigen Portion Ironie fehlen lässt. Die Kindergarten- und Vorschulkinder begeisterten sich an dem farbenfrohen Bühnenbild, den lustigen Streitigkeiten zwischen Seepferdchen Basti und der Krabbe Cornelius und natürlich an der durchaus frechen Meerjungfrau, die so gerne die verbotene Welt der Menschen kennenlernen will. So, wie Kinder neugierigüber den Zaun des Spielplatzes aufs Nachbargrundstück klettern oder abgelegene Plätze in der Stadt erkunden, so zieht es Arielle auf der Suche nach Spuren der Menschenwelt hin zu versunkenen Schiffen oder gar zur Wasseroberfläche, was Vaterkönig Triton auf gar keinen Fall erlauben will. Er sieht in den Menschen die rücksichtslosen Ausbeuter des Meeres, während seine Tochter bereits ahnt, dass sie dort das größte Abenteuer, die Liebe finden wird. Und was Arielle so keck beginnt - "ein Schiff wird kommen, und es bringt mir den Einen..." - singt sie, das schlägt schnell in eine bei Hans-Christian Andersen ausgesprochen tragische, in der am bekannten Zeichentrickfilm orientierten Inszenierung von Regisseurin Katja Buhl immerhin sehr dramatische Geschichte um. Die kleine Meerjungfrau rettet den süßen Prinzen vorm Ertrinken, verliebt sich Hals über Kopf und will nur noch eines: Die Welten wechseln und zum Menschenprinzen gehören. Hier nun, als sie bereit ist, sich auf einen Handel mit der gewaltig-hinterhältigen Meerhexe einzulassen, die auftritt wie eine "Königin der Nacht" mit unheimlich wirbelnden Krakenarmen, hier begann es, dass die kleinen Zuschauer nicht mehr nur von Herzen lachten über jeden netten Scherz, sondern geradezu verzweifelt versuchten, die Meerjungfrau zu warnen. "Gerade dir soll ich vertrauen?" fragt die Meerjungfrau. "Nein! Neeeeeein!" schreien die Kinder. Vergebens. Das Schicksal nimmt also seinen Lauf, Arielle tauscht ihre von allen so geliebte schöne Stimme gegen zwei Menschenbeine ein, und stumm muss sie versuchen, innerhalb von 24 Stunden die Liebe des Prinzen und damit auch eine menschliche Seele zu erringen, wenn sie nicht als Schaum des Meeres vergehen will. Ihre Chancen stehen schlecht. Ahnungslos den Intrigen der Menschen am Königshof ausgesetzt und unfähig, dem Prinzen ihr wahres Wesen zu eröffnen, wird sie untergehen, Wirklich? Dieses Ende hätten die Kleinen wohl nicht ausgehalten, zumal die wenigsten von ihnen das originale Andersen-Märchen kennen dürften, sondern nur die Happy-End-Version des Walt-Disney-Films. Auch die Landesbühne erspart ihnen also die Erkenntnis, dass selbst im Märchen die Liebesmüh so ganz vergebens sein kann: Arielle und der Prinz dürfen in einem rauschenden Fest zueinander finden. Die wirklich reizende Inszenierung, mit leichthin gesungenen musikalischen Einladungen kam auf Einladung des Kulturringes, gesponsert von der Sparkasse Schaumburg nach Rinteln.




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