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Schaumburger Anmelder spannt Christian Worch vor seinen Karren

Neonazis mobilisieren für Demonstration am Heiligabend

Minden/Landkreis (mt). Nun wollen Neonazis die weihnachtliche Festtagsstimmung der Bevölkerungsmehrheit nutzen, um Mindens Straßen mit ihren Parolen zu erobern. Helfen soll ihnen dabei eine bekannte Galionsfigur: Christian Worch.

veröffentlicht am 08.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

"Die Anmeldung liegt seit Anfang der Woche vor", bestätigt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer auf Nachfrage im Internet kursierende Gerüchte. Auf ihrer Homepage brüstet sich die so genannte "Nationale Offensive Schaumburg" (NOS) mit dem bundesweit bekannten Neonazi Christian Worch als Versammlungsleiter. Bei der Polizei steht Worch bislang nur auf dem Papier der Anmeldung, die wie schon bei den vorhergehenden Demonstrationen erneut Marcus Winter aus Lindhorst abgegeben hat. Das Motto "Gegen Repression und Polizeiwillkür" ist identisch mit dem Wahlspruch der für den 25. November zunächst angemeldeten, dann kurzfristig abgeblasenen und schließlich "spontan" wieder neu angemeldeten Demo. "Wir werden die Anmeldung prüfen und den Bescheid nicht unter Zeitdruck zustellen", so Steinmeyer. Das bedeutet, dass der Anmelder den Bescheid so rechtzeitig erhalten muss, dass er noch alle juristischen Möglichkeiten gegen eventuelle Auflagen der Polizei ausschöpfen kann. Dies hatte der 27-jährige Winter in der Tat bis zum Bundesverfassungsgericht getan. Jedoch war der mehrfach vorbestrafte Lindhorster mit seinen Wünschen für einen uniformierten Aufmarsch nicht durchgekommen. Durch die Benennung Worchs als Versammlungsleiter erhält die Anmeldung auch aus Sicht der Polizei eine zusätzliche Brisanz. "Wir haben das mit Sorge zur Kenntnis genommen", so Steinmeyer. Persönlich braucht der 50-jährige Worch, Enkel eines ehemaligen NSDAP-Kreisleiters, seit Anfang der siebziger Jahre in der Szene umtriebig und einst rechte Hand des Neonazis Michael Kühnen, vor dem Versammlungsbeginn jedoch gar nicht in Minden in Erscheinung zu treten. Erst zum Versammlungsbeginn, laut Internet am 24. Dezember um 11 Uhr am Bahnhof, muss er da sein. Dass die Schaumburger Worchs Namen ohne dessen Wissen einfach nur in ihre Anmeldung eingetragen haben, um damit unter Gesinnungsgenossen zu glänzen, scheint bei Beobachtern der Szene unwahrscheinlich. Schon bei der Demonstration am 16. September in Bielefeld habe es Kontakte zu Worch gegeben. Anders als die NOS, die Ende November nicht einmal 20 Mitläufer auf die Beine bekommen hatte, gilt Worch als Organisator, der auch 200 Rechtsextremisten mobilisieren kann. Mindens Bürgermeister Michael Buhre sagte, die Anmeldung für Heiligabend sei "als Provokation gemeint; wir werden aber weiter deutlich machen, dass wir den Neonazi-Parolen, die von außen nach Minden hereingetragen werden, nicht den öffentlichen Raum überlassen". Der Vorbereitungskreis werde sich in der kommenden Woche zusammensetzen, um eine Strategie für Gegenmaßnahmen zu beraten.




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