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Kapitalerhöhung in trockenen Tüchern / US-Investoren steigen ein / Deutliche Entschuldung

Neschen AG finanziell auf gesünderen Füßen

Bückeburg (rc). Vorweihnachtliche Bescherung für die Mitarbeiter und Aktionäre der Neschen AG: Die seit längerer Zeit in Aussicht gestellte Kapitalerhöhung wurde in trockene Tücher gebracht, wie das Unternehmen gestern in einer "adhoc"-Mitteilung den Börsianern mitteilte. Der Kurs reagierte umgehend: In der Spitze stieg er von 1,27 Euro auf über zwei Euro, mithin ein Anstieg von deutlich über 50 Prozent.

veröffentlicht am 22.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

Nach der abgeschlossenen operativen Restrukturierung werde diese nun durch die finanzielle Restrukturierung komplettiert, wertete der Vorstand um Stefan Zinn. Er unterstrich, dass die strategische Partnerschaft auf der Grundlage der Rekapitalisierungsvereinbarung mit der US-amerikanischen Investmentbank Bear Stearns und angeschlossenen Unternehmen von Värde Partners, Inc. ("Värde") es dem Unternehmen nunmehr erlaube, sich auf die Themen Kunden, Märkte und Produktinnovation zu fokussieren. Aufgrund der verbesserten Finanzierungsstruktur könne sich Neschen in den kommenden Jahren mit Unterstützung der Investoren auf profitables Wachstum einstellen. Wie die Neschen AG ausführte, soll ein möglichst großen Teil des genehmigten Kapitals (4,375 Millionen Euro) als Kapitalerhöhung innerhalb der nächsten Monate am Markt platziert werden. Den Aktionären werde hierbei das gesetzliche Bezugsrecht eingeräumt, die genauen Modalitäten zu der Kapitalerhöhung würden rechtzeitig bekannt gegeben. Für die Kapitalerhöhung hat sich in einer von der US-amerikanischen Investment- Bank Bear Stearns arrangierten Transaktion eine Investorengruppe, bestehend aus Bear Stearns und "Värde", zusammengeschlossen. In der am gestrigen Donnerstag zwischen Bear Stearns und der Neschen AG beschlossenen Rekapitalisierungsvereinbarung habe sich die Investorengruppe verpflichtet, bis zu drei Millionen von den Aktionären nicht gezeichnete Aktien zu übernehmen. Gleichzeitig sei vereinbart worden, dass die Investorengruppe von einem Banken-Pool gewährte Kredite in Höhe von zirka 65 Millionen Euro übernimmt. Diese Kredite würden durch eine neue Finanzierung über 50 Millionen Euro abgelöst. Der überwiegende Teil des Differenzbetrages soll als außerordentlicher Ertrag dem Unternehmen zufließen und insofern zu Verstärkung der Eigenkapitalbasis dienen. Sie war im vergangenen Jahr auf unter ein Prozent gesunken. Das Eigenkapital dürfte nach Umsetzung der Rekapitalisierung annähernd 17 Millionen Euro betragen. Der Vorstand der Neschen AG geht davon aus, dass sich das Ergebnis des Geschäftsjahres 2006 durch den Forderungsverzicht deutlich verändern wird. Bei einem konsolidierten Umsatz von zirka 130 Millionen Euro rechnet das Unternehmen im auslaufenden Geschäftsjahr mit einem EBIT, Gewinn vor Zinsenaufwand und Steuern, vor Restrukturierungsaufwendungen und Einmaleffekten in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro; nach vier Millionen Euro im Jahr 2005 und einem negativen Ergebnis 2004 von minus 1,9 Millionen Euro. Bear Stearns ist die fünftgrößte amerikanische Investmentbank und eine der führenden Banken im Bereich von Restrukturierungsfinanzierungen. Värde ist ein in Amerika und Europa führender "Alternative Asset Manager" mit rund 2,8 Milliarden US-Dollar unter Verwaltung. Nach der Kapitalerhöhung werden mindestens 11,75 Millionen Aktien auf dem Markt sein, mithin ändern sich auch die Mehrheitsverhältnisse im Konzern, in dem die Familie Zinn bisher 46 Prozent der Aktien hielt, die Vermögensverwaltung Erben Dr. Karl Goldschmidt GmbH 29 Prozent. Der Rest ist Streubesitz. Die Familie Zinn wird künftig höchstens noch 34,2 Prozent halten.




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