weather-image
27°
Schweinegrippefall: Betrieb an der Grundschule Am Harrl läuft normal / Kritik an Informationspolitik

Neue Richtlinien verschärfen Unsicherheit

Bückeburg (rc). Der Schulbetrieb an der Grundschule Am Harrl ist gestern nach dem Bekanntwerden eines bestätigten Falls von Schweinegrippe relativ normal verlaufen. Zwei Eltern schickten ihre Kinder nicht zur Schule, im Sekretariat gingen etwa 15 Anrufe besorgter Eltern ein, die weiterführende Informationen und Ratschläge erhalten wollten. Mehrere seien aber auch ärgerlich gewesen, erst aus der Zeitung von dem Fall und den neuen Richtlinien erfahren zu haben, teilte Rektor Wolfgang Voss auf Anfrage unserer Zeitung mit.

veröffentlicht am 19.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 05:21 Uhr

Eines der wirksamsten Mittel gegen das Anstecken ist Händewasche

Der selbst nicht immer unbedingt weiterhelfen konnte. Denn von den geänderten Richtlinien der Landesgesundheitsämter, wie künftig mit der Schweinegrippe umgegangen wird, hatte auch er erst aus unserer Zeitung erfahren. Rückfragen ergaben dann die Bestätigung des Berichtes. „Ich frage mich schon, warum ich als unmittelbar betroffener Rektor nicht bereits am Dienstag informiert worden bin.“

Er habe eine Sorgfaltspflicht gegenüber Kindern und Lehrern. Er richte sich danach, was das Gesundheitsamt sagt, so Voss weiter. Nur sei er über die Neuerungen nicht informiert worden, obwohl er selbst sofort nach Bekanntwerden des Falls an der Schule sich an das Gesundheitsamt gewandt habe. Bis kurz vor 17 Uhr habe er auf einen Rückruf gewartet, der nicht erfolgt sei.

Erhebliche Verunsicherung, die auch Elke Kümmel, selbst betroffene Mutter, aber auch stellvertretende Vorsitzende des Schulelternrates, zu spüren bekam. Auch bei ihr habe den ganzen Morgen das Telefon nicht stillgestanden. Auch sie habe nicht gewusst, was nun richtig sei. Erst werde in den Medien immer wieder über die Auswirkungen der Schweinegrippe berichtet und von Reisenden, die nach der Rückkehr aus dem Urlaub sofort in Quarantäne gesteckt worden seien, wenn sie entsprechende Symptome gezeigt hätten. Und nun das Umschwenken der Gesundheitsbehörden: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie verunsichert wir sind. Was ist denn nun richtig?“

Der Sprecher des Landkreises, Klaus Heimann, verwies erneut darauf, dass die neuen Richtlinien erst am Dienstagnachmittag vom Landesgesundheitsamt an die nachgeordneten Gesundheitsämter weitergegeben worden seien, unmittelbar bevor die Presseanfrage wegen des Schweinegrippefalls kam: „Auch für uns waren die Ausführungen neu und brandaktuell.“

Das Gesundheitsamt habe sehr wohl versucht, den Rektor zu erreichen. Der zuständige Arzt habe mehrfach an der Schule angerufen, dort sei immer besetzt gewesen, später dann nur noch ein Anrufbeantworter angesprungen. Der Rektor hätte sich auch von sich aus noch einmal melden können. Das Gesundheitsamt sei am Dienstag bis in den Abend besetzt gewesen.

Die Stadt als Schulträger hatte noch am Dienstagnachmittag reagiert. Sie desinfizierte den betroffenen Klassenraum flächendeckend und stellte überall Handdesinfektionsmittel auf. Gestern erhielten alle Kinder die Infoblätter des Ministeriums mit den Hygienehinweisen. Im Unterricht wurde über das Thema gesprochen.

Wie berichtet, ist es die neue Linie der Gesundheitsämter, dass nur noch Risikogruppen wie Schwangere, chronisch Kranke oder Kleinkinder unter zwei Jahren vor der Ansteckung durch die Schweinegrippe geschützt werden sollen.

Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises, betonte in diesem Zusammenhang noch einmal, dass seitens der Behörden keine generellen Aussagen getroffen werden könnten, sondern in jedem Einzelfall Entscheidungen seitens der Eltern zu treffen seien, ob sie ihr Kind zur Schule schicken wollen oder nicht. Es sollte unbedingt der Hausarzt oder Kinderarzt konsultiert werden, wenn die Möglichkeit besteht, dass das Kind Kontakt mit einer der Risikogruppen haben könnte und Ansteckungsgefahr besteht.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare