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„Es sprudelt“

Neuer Brunnen am Heinekamp geht vorzeitig in Betrieb

RINTELN. 18 Meter tief in den Untergrund hat sich der Bohrkopf gefressen, er durchstieß Ton, Sand, Kies und Felsgestein des Wesergebirges. Insgesamt 180 000 Euro haben die Stadtwerke Rinteln in die Hand genommen, um einen dritten Trinkwasserbrunnen am Heinekamp zu errichten.

veröffentlicht am 01.03.2018 um 17:51 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 18:40 Uhr

Zusammen mit dem Brunnen wurden daher auch mehrere Messstationen in den Boden getrieben, die nun kontinuierlich Daten erheben. Foto: jak
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Während man in Steinbergen, Monate nach der geplanten Fertigstellung, noch immer auf das Ende wartet, geschah am Heinekamp das in Deutschland schon fast Undenkbare: „Wir waren deutlich früher fertig als geplant“, berichtet Thomas Sewald, technischer Betriebsleiter der Stadtwerke Rinteln.

Nur: In Rinteln merkte das niemand. Denn die Trinkwasserversorgung der Weserstadt war nie in Gefahr zu versiegen. „Wir haben den dritten Brunnen gebaut, um die beiden bestehenden zu entlasten“, erklärt Sewald. Die Baustelle nahe der ehemaligen Hinrichtungsstätte von Johann Heinrich Seidenfaden liegt weitab der üblichen Verkehrswege. Einzig Spaziergänger und Hundebesitzer konnten beim täglichen Rundgang den Baufortschritt begutachten. Noch fehlen im Außenbereich zwar einige Elemente, die aufgrund der Witterung noch warten, „aber es sprudelt bereits“.

Der Bau des dritten Brunnens sowie der dazugehörigen Rohre sollte sich eigentlich bis ins Jahr 2018 hinziehen. Der Neubau war auch deswegen notwendig geworden, weil im Jahr 2023 die derzeitige wasserrechtliche Bewilligung für den Heinekamp ausläuft. „Wir sammeln mit diesem Brunnen nun gleich Daten für eine erneute Bewilligung“, so Sewald. Denn die Entnahme von Trinkwasser habe einen Einfluss auf das Grundwasser der Umgebung.

Zusammen mit dem Brunnen wurden daher auch mehrere Messstationen in den Boden getrieben, die nun kontinuierlich Daten erheben. Relevant sei vor allem die Wasserstandshöhe des Grundwassers, die elektrische Leitfähigkeit des Wassers sowie die Wassertemperatur. „Daraus erstellen die Hydrologen dann sogenannte ,Strömungsbilder‘“, aus denen hervorgeht, wo das Grundwasser entsteht, und ob genügend vorhanden ist.

„Unsere Arbeit hier ist generationsübergreifend“, sagt Sewald. Die Brunnen, die heute gebuddelt werden, werden den Menschen in 20, 30 Jahren zugutekommen. So seien die beiden anderen Brunnen ebenfalls bereits gut 20 Jahre alt – und fördern bis heute frisches Trinkwasser aus dem Untergrund.

Noch fehlen zwar ein paar Handgriffe an der Außenanlage, aber klar ist schon, dass die neue Anlage etwas teurer als geschätzt wurde. Statt der anvisierten 150 000 Euro haben die Stadtwerke 180 000 Euro in die Hand nehmen müssen. In erster Linie liege das an einer zusätzlichen Messstelle, die man habe errichten müssen. Aber generell seien Arbeiten im Untergrund immer von einer großen Unsicherheit begleitet – ganz genau wisse man nie, was einen unter der Erde erwarte.

Genehmigt wird die gewerbliche Trinkwasserentnahme von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Schaumburg. Diese erhebt auch einen sogenannten „Wassergroschen“, etwa 7,5 Cent pro Kubikmeter. Damit sollen Ausgleichsmaßnahmen für Landwirte finanziert werden, damit diese etwa weniger Nitrat auf ihren Feldern verwenden.




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