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Job-Center: Es gibt bedarfsorientiertere Förderinstrumente / Offensive Antwort auf Anfrage Pörtners

"Niedersachsen-Kombi ist zu bürokratisch"

Landkreis (ssr). Eine glasklare Antwort hat der CDU-Landtagsabgeordnete Friedel Pörtner auf seine öffentlich gestellte Anfrage erhalten, warum das Job-Center Schaumburg den so genannten " Niedersachsen-Kombi" - ein Förderprogramm zur Eingliederung von Langzeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt - noch nicht genutzt hat. Bei einem Termin bei der Spitze des Job-Centers in Stadthagen teilte Geschäftsführer Michael Stemme dem Abgeordneten im Kern mit: "Der ,Niedersachsen-Kombi' ist zu bürokratisch und starr. Wir verfolgen das angestrebte Ziel viel erfolgreicher durch eine Mischung verschiedener, ohnehin vorhandener Fördermöglichkeiten."

veröffentlicht am 16.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Stemme und dessen Geschäftsführer-Kollege Bernd Dittmer erläuterten dem staunenden Pörtner mit Nachdruck die von der Arbeitsagentur genutzten konventionellen Förderinstrumente. Zur Integration von Langzeitarbeitslosen dienen demnach vor allem die Eingliederungshilfe, das Eingliederungsgeld und so genannte Trainingsmaßnahmen. Die Eingliederungshilfe bedeute einen befristeten finanziellen Zuschuss für Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslose einstellen. Zur Starthilfe von Langzeitarbeitslosen, die nachweislich in feste Jobs oder in eine Selbstständigkeit eingefädelt werden, diene das Eingliederungsgeld. Mit den Trainingsmaßnahmen schließlich, so die Experten weiter, werde Personen jene "lebenspraktische Hilfe" vermittelt, die diese der Chance, überhaupt wieder geregelte Arbeit aufnehmen zu können, näher bringen. Eine jeweils auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene, fein abgestimmte Mischung dieser und weiterer Instrumente sei "wesentlich flexibler, bedarfsorientierter und damit wirkungsvoller" als das starre "Niedersachsen-Kombi-Lohn"-Modell, versicherten Stemme und Dittmer. Im laufenden Jahr seien in Schaumburg rund 300 Langzeitarbeitslose mit insgesamt etwa acht Millionen Euro gefördert worden. Rund 65 Prozent der Betroffenen, für die eine Einstiegsförderung gewährt worden sei, hätten heute feste sozialversicherungspflichtige Jobs. Insgesamt seien im Jahr 2006 im hiesigen Landkreis 2020 Langzeitarbeitslose erfolgreich vermittelt worden. Für das kommende Jahr strebe man angesichts der besser laufenden Konjunktur eine Vermittlungszahl von sogar 2200 an, so Stemme. Bei dem Fördergeld handele es sich im Übrigen um dieselben Finanzmittel der Bundesagentur für Arbeit, die das Land in Form des "Niedersachsen-Kombi" propagiere und bewerbe. Der sichtlich beeindruckte Pörtner zollte dem Job-Center nun "höchste Anerkennung" und versprach, die Fakten und Argumente an die Spitze der CDU-Landtagsfraktion weiterzureichen, von wo sie in die Staatskanzlei gelangen würden. Von dort aus seien die CDU-Landtagsabgeordneten nämlich aufgefordert worden, flächendeckend durch öffentliche Anfragen "auf die landesweit vielen Null-Stellen beim ,Niedersachsen-Kombi'" aufmerksam zu machen, erklärte Pörtner sein Vorgehen. Auf Initiative von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte die Landesregierung zu Jahresbeginn den "Niedersachsen-Kombi" im Alleingang aufgelegt, nachdem kein bundesweites Fördermodell zustande gekommen war.




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